Beglückender Abschied mit Rossini Grandioses letztes Konzert von Diedrichs in Lingen

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Lingen. Frenetische Ovationen wie im Festspielhaus erfüllten das voll besetzte Hauptschiff der Lingener Bonifatiuskirche, als Kirchenmusikdirektor (KMD) Joachim Diedrichs den Taktstock endgültig auf das Pult legte. Sein letztes großes Konzert nach fast 38-jähriger Tätigkeit, die Petite Messe Solennelle von Gioachino Rossini, war ein Abgang von Format, ein Großer Zapfenstreich der Kirchenmusik, ein beglückender Abschied.

„Ich verabschiede mich mit einer heiteren Musik, die mich seit meinem 16. Lebensjahr begleitet“, so der KMD, und wer Diedrichs kennt, weiß, dass Heiterkeit für ihn nicht mit Oberflächlichkeit gleichzusetzen ist. Im Gegenteil, seine hoch konzentrierte, zurückhaltende, aber stets präsente Interpretation der Orchesterfassung dieser ungewöhnlichen Messe hatte Tiefe und Strahlkraft und war vom ersten bis zum letzten Takt beseelt.

Lupenreine Symphonik

In seiner langen Zeit als Regionalkantor ( wir berichteten) konnte Diedrichs ein großes Netzwerk mit renommierten Musikern und zahlreichen Förderern knüpfen, die dieses Ereignis mit großer Unterstützung ermöglichten. Die erfolgreiche Zusammenarbeit schlug sich auch bei der Auswahl der Mitwirkenden nieder: Das Concertino Lingen unter der Leitung von Dirk Kummer und mit tatkräftiger Unterstützung durch Bärbel und Helge Kropik, die hervorragenden Bläser der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, organisiert durch Ulrich König, weitere Gastmusiker sowie Heiko Holtmeier an der Orgel sorgten für lupenreine, satte, warme Symphonik und leuchteten zarteste Pianissimi klanglich ebenso schön aus wie die majestätisch kraftvollen Sequenzen. Von der Piccolo bis zur Basstuba war alles da, was man für eine Opera buffa braucht. Dass die große Orgel mittels Ton- und Bildübertragung à la minute mit dem Orchester synchron verwoben war, spricht für sich.

Textverkündigung im Belcanto-Stil

Eine Messe will gesungen sein. Die Solisten Martina Rüping, Bettina Denner, Andreas Post und Thomas Laske gaben dem Ordinarium Glanz und Anmut. Jede Arie ein Genuss, jede Kadenz formvollendet, jeder Dynamikwechsel ein Erlebnis, spannend vor allem im Duett. Hier geschah Textverkündigung im Belcanto-Stil, mit fröhlicher Ernsthaftigkeit.

Imposante Chorfugen

Und dann der Chor! Etwa 80 hoch motivierte Sängerinnen und Sänger lieferten dank bester Einstudierung und nach monatelanger Probenarbeit ein höchst überzeugendes Ergebnis. Vom federnden „Kyrie eleison“ bis zum dreimaligen „Dona nobis pacem“, die Einsätze waren präzise, gut artikuliert und nahezu perfekt intoniert. Ein Glanzstück im Dialog mit dem Solistenquartett war sicher das a cappella gesungene „Sanctus“. Diedrichs nahm die imposanten Chorfugen durchaus flott und animierte seine versierte Singgemeinschaft immer wieder, noch eine Schippe draufzulegen. Es fiel schwer, nicht selber mitzusingen.

Blumen vom Oberbürgermeister

Joachim Diedrichs zeigte am Ende noch einmal eindrucksvoll, wie sich künstlerische Größe und große Bescheidenheit in ihm vereinen. Als sich in den letzten Akkord und die folgende Stille ein Klingelton mischte, lächelte der KMD den ersehnten, lang anhaltenden Applaus schlicht herbei, um dann mit Händels „Halleluja“ eine Zugabe nach seinem Geschmack zu gestalten, mit Pauken und Trompeten, und natürlich auch mit Orgelklang. Oberbürgermeister Dieter Krone ließ es sich nicht nehmen, dem scheidenden Dirigenten Blumen zu überreichen und seine Verdienste zu würdigen, bevor der Chor unter der Leitung von Martin Gerenkamp seinem Maestro ein Segenslied von John Rutter sang. Auf der Wilhelmshöhe feierten die Mitwirkenden und zahlreiche Freunde des frischen Pensionärs im Anschluss an das Konzert fröhlich und dankbar in dessen Geburtstag hinein.


Die Pfarreiengemeinschaft Lingen-Süd verabschiedet ihren Kirchenmusiker am Sonntag, 6. Mai, um 10.30 Uhr. Statt persönlicher Geschenke bittet er um Spenden für ein Carillon für die Bonifatius-Orgel.

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