Projekt besteht zehn Jahre SKF-Waschtrommel in Lingen schafft Perspektiven für Frauen

Von Caroline Theiling-Brauhardt

Bei ihnen geht die Arbeit Hand in Hand. Unter den Mitarbeiterinnen der SKF-Waschtrommel unter der Leitung von Marion Roeske (rechts) herrscht ein gutes Arbeitsklima. Foto: Caroline TheilingBei ihnen geht die Arbeit Hand in Hand. Unter den Mitarbeiterinnen der SKF-Waschtrommel unter der Leitung von Marion Roeske (rechts) herrscht ein gutes Arbeitsklima. Foto: Caroline Theiling 

Lingen. Die Waschtrommel des SKF in Lingen kann in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiern. Sicherlich nur ein kleines Jubiläum, aber Anlass genug, auf die zurückliegende Zeit zu blicken.

Was im November 2008 an der Lengericher Straße als Projekt des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF), unterstützt aus diversen Fördertöpfen, begann, hat sich zu einem kleinen „Betrieb“ innerhalb des SKF weiterentwickelt. Dieser kann inzwischen nahezu auf eigenen Beinen stehen.

In der Waschtrommel gelernt

Dabei bleibt stets das Ziel im Blick, langzeitarbeitslosen Frauen eine Perspektive zu geben, sie zu qualifizieren, sodass sie im besten Fall einen Arbeitsplatz im ersten oder zweiten Arbeitsmarkt finden können. So wird die Waschtrommel heute ausschließlich von Frauen betrieben, die hier ihre Qualifikationsmaßnahme durchlaufen haben.

Dazu gehört auch die aktuelle Leiterin Marion Roeske. Sie war eine der ersten, die vor knapp zehn Jahren unter der damaligen Leiterin Ute Vellage die praktischen Dinge rund um die Wäsche gelernt haben. Die Theorie wurde durch die Katholische Erwachsenen-Bildung (KEB) vermittelt. „Ute Vellage hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Waschtrommel heute so gut dasteht“, erklärte Geschäftsführerin Marita Theilen in einem Gespräch mit der Redaktion.

Nahtloser Übergang

Als Vellage vor rund zwei Jahren in Rente ging, hatte Marion Roeske bereits so viel Erfahrungen gesammelt, dass sie ohne Probleme die Leitung übernehmen konnte. „Frau Roeske ist mit den Abläufen bestens vertraut und hat die Organisation fest im Griff“, freute sich Marita Theilen über den nahtlosen Übergang. „Damit haben wir ein Ziel erreicht, dass nur Frauen, die in der Waschtrommel qualifiziert wurden, hier arbeiten“, erklärte die Geschäftsführerin.

Unterstützung durch Ehrenamtliche

Doch nicht nur in der Leitung gab es eine Veränderung. Nach rund vier Jahren an der Lengericher Straße erfolgte 2012 der Umzug zum heutigen Standort am Pferdemarkt, wo ebenfalls SKF-Fashion, das Café Zwischenstopp des SkF und auch seit 2017 die Beratungsangebote und Verwaltung des SKF beheimatet sind. „Das grundlegende Prinzip der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Haupt-und Ehrenamt ist auch hier erkennbar“, so Simona Schulte, ehrenamtliches Vorstandsmitglied. Beispielsweise würden der Hol-und Bringdienst sowie administrative Tätigkeiten durch Ehrenamtliche aktiv unterstützt.

Kooperation mit dem Christophorus-Werk

Seit rund sechs Jahren gibt es eine Kooperation mit dem Christophorus-Werk Lingen, die auch schon erste Früchte trägt. Denn seit 1. Januar hat die 25-jährige Susanne von Dülmen hier eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle. Diese hatte zuvor in der Werkstatt für Behinderte im Christophorus-Werk eine zweijährige berufsbildende Maßnahme absolviert. Es folgten ein Praktikum am Pferdemarkt und ein sogenannter Außenarbeitsplatz, bevor sie zur festen Mitarbeiterin des SKF wurde. Bei der Inklusion wird sie weiterhin von Pädagogen des Christophorus-Werkes begleitet. Gefördert wird der Platz vom Budget für Arbeit vom Landkreis Emsland. „Im Laufe der Zeit hat Susanne hier viel Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein bei der Arbeit und auch im Umgang mit den Kunden entwickelt“, berichtete Marion Roesken. Sie ist zuversichtlich, dass die junge Frau demnächst ihr Leben völlig eigenständig bewältigen kann.

Zeit für ein Gespräch

Gleich geblieben ist dagegen die Zielgruppe, für die die Waschtrommel ihre Dienste anbietet. Das sind in erster Linie Menschen, die sich aus verschiedensten Gründen nicht selbst um ihre Wäsche kümmern können. Für ältere Menschen, ob im Pflegeheim, im Krankenhaus oder zu Hause, gibt es einen Hol- und Bringservice. „Unser Fahrdienst ist für manche Kunden einer der wenigen sozialen Kontakte und damit für diese ein ‚Highlight‘ der Woche,“ erzählte Marion Roeske. Eine Erfahrung, die sie selbst schon gemacht hat, als sie Wäscheausgefahren hat. „Da muss man sich einfach ein bisschen Zeit nehmen für ein kurzes Gespräch.“ Dennoch sei die Waschtrommel auch offen für andere Personengruppen, die ihre Wäsche waschen, mangeln oder bügeln lassen wollen, betont die neue Leiterin. Zudem bleibt der Betrieb offen für Menschen in prekären Lebenssituationen. Ein Beispiel ist eine junge Flüchtlingsfrau aus dem Libanon, die zurzeit ein Praktikum absolviert und sich in kurzer Zeit schon sehr gut integriert hat.

Wer sich für die Arbeit oder ein Praktikum in der Waschtrommel interessiert, kann sich unter Tel. 0591/80062106, oder marita.theilen@skf-lingen an den SKF wenden.

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Die Waschtrommel des SKF

Die Waschtrommel des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) wurde im November 2008 an der Lengericher Straße eröffnet. Seitdem wurden über mehrere Jahre jeweils zwölf Wochen dauernde Qualifizierungsmaßnahmen für langzeitarbeitslose Frauen durchgeführt. In den ersten zwei Jahren gab es jeweils Kapazitäten für sieben Teilnehmerinnen pro Kurs. Insgesamt wurden bis heute mehr als 80 Frauen qualifiziert. Seit rund sechs Jahren besteht darüber hinaus eine Kooperation mit dem Christophorus-Werk. Der Umzug zum heutigen Standort am Pferdemarkt erfolgte im Jahr 2012.

In der Waschtrommel arbeiten aktuell sechs versicherungspflichtig (überwiegend Teilzeit) und drei geringfügig beschäftigte Frauen sowie ein Mann, der als Fahrer angestellt ist. Darüber hinaus gibt es einen Außenarbeitsplatz des Christophorus-Werkes.

Bei Bedarf wird das Team von weiteren Ehrenamtlichen unterstützt.