Lagemanns Geschichte Kurzfilm über Lingener Soldaten feiert Premiere im Centralkino

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Lingen. Ein bewegender Kurzfilm über das Schicksal des Lingeners Heinrich Lagemann hat am Donnerstagabend im Centralkino Premiere gefeiert. Der Soldat fiel im Alter von 22 Jahren im Ersten Weltkrieg an der Flandern-Front. Präsentiert wurde der Film vom Emslandmuseum in Lingen.

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. Viele Menschen verloren zwischen 1914 und 1918 ihr Leben. Einer von ihnen war der Lingener Heinrich Lagemann. Ihm war dieser Abend gewidmet: Der Kurzfilm gab viele Eindrücke von seiner Familie, seinem Dasein an der Front bis hin zu seinem Tod in Flandern (Belgien).

Doppelte Premiere

Wer Heinrich Lagemann war und wie sich seine Geschichte bis zu seinem Tode fügte, stellte Andreas Eiynck, Leiter des Emslandmuseums, zunächst mithilfe von Fotos dar. Diese waren dem Emslandmuseum für die Ausstellung „Heinrich Lagemann – Ein Soldat aus Lingen“ von Familie Reinwald, den Nachfahren, zur Verfügung gestellt worden. Auch sie begrüßte Eiynck bei der Filmpremiere. „Auch für das Emslandmuseum selbst ist das eine Premiere, denn wir sind zum ersten Mal in einem Kino vertreten“, berichtete Eiynck.

Große Hungersnot

Eiynck erinnerte sich bei seiner Einführung an eine Aussage seiner eigenen Großmutter, eine Zeitzeugin des Ersten Weltkrieges: „Sie meinte, der Zweite Weltkrieg sei mit all seinen Bombenangriffen sehr schlimm gewesen; aber der Erste Weltkrieg sei aufgrund der großen Hungersnot noch viel schlimmer gewesen.“ Diese Not erfuhren auch Heinrich Lagemann und seine Familie in Lingen. Sie lebten während der vier Jahre des Krieges unter dürftigen Verhältnissen. Deutlich wird das in Briefen zwischen dem Soldaten und seiner Familie, die mehr als 100 Jahre aufbewahrt worden sind.

Verlobung aus der Ferne

Getrieben von Tapferkeit und Angst, Hungersnot und Erfolgen wuchs trotz des Krieges aber auch eine junge Liebe: die zwischen Lagemann (im Film gespielt und gesprochen von Steffen Caspers) und Mimi Kehr (im Film gespielt von Hanna Scholz und gesprochen von Franziska Heidelberg). Schnell schmiedeten die Verliebten Verlobungspläne, die Lagemann in einem Heimaturlaub, nach Verleihung des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, in die Tat umsetzen wollte. Doch die Gefechte machten dem jungen Paar einen Strich durch die Rechnung: Urlaubssperre hieß es für Lagemann, und so war nur eine schriftliche „Fernverlobung“ möglich.

Kein Wiedersehen

Doch zur Heirat kam es nie: Die Liebenden sahen sich nicht wieder. Eine Granate kostet Heinrich Lagemann im Schützengraben in Flandern das Leben. „Auf dem Felde der Ehre Gefallen“: Diese Worte erreichten Lagemanns Mutter (im Film gesprochen von Edeltraud Vieth) in Lingen. Die offizielle Benachrichtigung folgte erste viele Wochen später.

Filmkulisse in Ramsel

Patrick Köster und Thomas Vieth vom Medienatelier Emsland drehten den Kurzfilm anhand des Nachlasses der Familie Lagemann, der hauptsächlich aus Fotos und Briefen bestand. Sie vermischten Alt mit Neu, Statisches mit Bewegbildern. Unterstützt wurden die beiden Filmemacher von Fachleuten für Spezialeffekte sowie einigen Schauspielern, unter ihnen Dieter Brandecker (unter anderem bekannt aus „Adelheid und ihre Mörder“). Er führt die Zuschauer des Films mit seiner markanten Stimme durchs Geschehen.

Anhand eines zusätzlichen Films über die Dreharbeiten zeigten Köster und Vieth, mit welchen kleinen Tricks gearbeitet wurde: vom Staub über Pyrotechnik bis hin zum passenden Drehort, der in Baccum-Ramsel gefunden worden war. „Wir hatten Glück, dass dort zwei Wochen zuvor ein Waldstück gerodet wurde“, erzählt Köster. Der große Dank der Filmemacher geht an das Emslandmuseum – vor allem aber auch an alle Mitwirkenden, die bei „gefühlten minus zehn Grad im März“ alles mitgemacht hätten.

Kein Applaus

Nach all diesen Informationen wurde der Kurzfilm ein weiteres Mal gezeigt. Das Publikum zeigte nachdenklich. Applaus gab es danach nicht. Zu groß schien der Respekt vor dem Hintergrund der vielen Gefallenen im Ersten Weltkrieg.


Die Ausstellung „Heinrich Lagemann – Ein Soldat aus Lingen“ im Emslandmuseum, ist noch bis zum 8. Juli zu sehen.


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