zuletzt aktualisiert vor

Keine Abkürzung Anwohner in Holthausen klagen über Raser auf Biener Straße

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Lingen. Schon seit dem Jahr 2003 setzen sich Reinhold Esders und Martin Schmees dafür ein, dass etwas an der Biener Straße im Lingener Ortsteil Holthausen passiert. Die Anwohner klagen vor allem über Raser, welche die vorgegebene Geschwindigkeit von 30 km/h deutlich überschreiten.

Es ist etwa 16 Uhr an einem Donnerstag. Noch ist die Verkehrslage in Holthausen auf der Biener Straße auf Höhe des Gasthofes Plagge ruhig. Dies wird sich „spätestens zum Feierabendverkehr“ ändern, warnt Reinhold Esder. Er kenne die Stoßzeiten für den zunehmenden Verkehr in seinem Wohnort nur zu gut. Vor allem die 30er-Zone von etwa 500 Metern Länge, welche sich vom Friseur-Salon Peters bis zum Bauern Korte erstreckt, sei eine beliebte Abkürzung, meint er. „Zu Vergleichszwecken haben wir einmal getestet, ob der Weg über die Hauptstraße wirklich einen Unterschied macht“, erzählt Martin Schmees. Das Ergebnis: Halte man sich an die vorgegebenen Geschwindigkeiten – auf der Meppener Straße Tempo 100 beziehungsweise 70 und durch die Ortschaft 50 beziehungsweise 30 – treffen sich zwei Fahrer zeitgleich am selben Punkt. „Die Abkürzung bedeutet also keineswegs, dass man schneller ist“, meint Schmees.

Bis geschätzt zu 70 km/h

Esders habe schon mehrere Male den Durchfahrtsverkehr gezählt. Seinen Notizen zufolge seien an einem Morgen zwischen 7 und 8 Uhr 31 Pkw Richtung Lingen, 38 Pkw Richtung Biene und 50 Pkw zum Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) gefahren. Zu viel für nur eine Stunde, meinen Esders und Schmees. Mit den vielen Fahrern, die sich einen kürzeren Weg, vor allem im Berufsverkehr erhoffen, käme aber das Problem: die Raser. Damit meinen die Holthausener nicht etwa jene, die etwa 40 bis 45 km/h fahren, sondern diejenigen, bei denen deutlich zu erkennen sei, dass sie bis zu 70 km/h fahren würden. Auch die Regelung „rechts vor links“ würde von den Rasern oft missachtet, behaupten die Anwohner.

Auf eigene Faust

„Wir beschäftigen uns schon seit 2003 mit dieser Verkehrssituation“, berichtet Esders, der seinen Angaben nach nicht allein mit Schmees dastehe; auch andere Anwohner würden die zu vielen und zu schnellen Autos in ihrem Wohngebiet stören. Getan habe sich in den vergangenen 15 Jahren laut den Holthausenern nicht viel. Sei es beim Ortsrat, dem Ordnungsamt oder anderen Zuständigkeiten der Stadt Lingen: Die Anwohner seien oft in ihren Anliegen abgewiesen worden.

Ein wichtiger Punkt sei laut Esders der benachbarte Kindergarten in der Gerhard-Kues-Straße. Es müsse mehr Sicherheit für die Kinder gewährleistet werden: „Unserer Meinung nach, wäre ein Zebrastreifen sinnvoll – doch der wurde von der Stadt abgelehnt.“ Auch Warnschilder mit dem Hinweis auf vorbeilaufende Kinder seien vom Ortsrat als „nicht notwendig“ befunden worden.

Deshalb ergriff Esders selbst die Initiative, orderte zwei Schilder im Internet und befestigte diese auf der Höhe des Gasthofes Plagge. Die Stadtverwaltung bezieht sich in ihrer Ablehnung auf eine Zählung im August 2009, bei der lediglich ein Kind auf dem entsprechenden Weg registriert worden sei. „Wäre nur ein Kind im Holthausener Kindergarten, wäre dieser doch bereits pleite“, merkt Schmees schmunzelnd an und fragt sich zudem, in welchem Zeitraum die Zählung stattgefunden hat. Eine fachliche Prüfung zur Notwendigkeit eines Fußgängerüberganges seitens der Stadt, hat bis heute nicht stattgefunden.

Transparent verursacht Ärger

Auch ein Transparent mit der Schrift „immer noch 30“, auf welches die Holthausener im Stadtteil Schepsdorf aufmerksam wurden und es sich daraufhin borgten, musste nach nur wenigen Tagen auf Aufforderung der Stadt im Juni 2008 wieder entfernt werden – und drohte mit einer Bauhof-Rechnung für das Entfernen. „In Schepsdorf hingegen hing das Banner mehrere Wochen und ich habe auch gehört, dass es dadurch kleine Erfolge gegeben hat“, erzählt Esders.

Angekündigte Messung noch nicht stattgefunden

Auf Forderung des Holthauseners wurde vom 27. bis 30. September 2007 eine Verkehrszählung in der Biener Straße – zwischen der Gerhard-Kues-Straße und der Josef-Wolke-Straße – durchgeführt. Die Stadt verwies auf eine erste Kontrolle im Jahr 2005 und teilte in einem Schreiben vom 23. November 2007 mit: „Die Messergebnisse bestätigen die Messungen aus dem Jahr 2005, das heißt, dass die Geschwindigkeit der erfassten Fahrzeuge in einem vertretbaren Rahmen für eine Zone-30 liegen. Natürlich wurden auch wieder einige Fahrzeuge erfasst, die mit einer unverantwortlich hohen Geschwindigkeit die Biener Straße befuhren.“ Bei 85 Prozent der Pkw wurde demnach eine Geschwindigkeit von 36 bis 37 km/h ermittelt. „Und was ist mit den restlichen 15 Prozent“, fragen sich die Anwohner. „Demnach ist den 15 Prozent erlaubt, weiterhin zu rasen“, fügt Esders hinzu. Eine weitere Messung, die im September 2017 durch das Ordnungsamt angekündigt wurde, habe bis heute nicht stattgefunden.

Hoher Lärmpegel durch landwirtschaftlichen Verkehr

Schmees erwähnt ein weiteres Problem: den landwirtschaftlichen Verkehr. Aufgrund der landwirtschaftlichen Maschinen sei der Bau von sogenannten Berliner Kissen als Geschwindigkeitsdämpfer nicht möglich, sei den Anwohnern von der Stadt mitgeteilt worden. „Ich frage mich allerdings, warum es in anderen Ortsteilen möglich ist, zum Beispiel in Altenlingen“, sagt Schmees. Gerade in der Mais-Häcksel-Zeit nehme der Verkehr dieser Fahrzeuge enorm zu – und auch deren Fahrer würden sich oft nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten, was auch zu viel Lärm führe.

„Immer noch ein Wohngebiet“

Eine Doppelbeschilderung bei der Einfahrt in die Biener Straße, zwei Geschwindigkeitsmessungen, das zweimalige Aufstellen von Geschwindigkeitsanzeigegeräten der Verkehrswacht Lingen sowie das Nachziehen der durchgezogenen Linie für die Linksabbieger von der alten Bundesstraße auf die Biener Straße seien bislang die umgesetzten Maßnahmen der Stadt Lingen. Da sich in den 15 Jahren bislang doch keine Veränderungen zeigten, fordern Esders und Schmees weitere Maßnahmen, um Rasern beizukommen – nicht nur um der Sicherheit Willen, sondern auch wegen der Lautstärke, die vorbeirasende Fahrzeuge erzeugen. „Schließlich ist es immer noch ein Wohngebiet“, sagt Esders.

Anlass für weitere Messungen

Die Lingener Stadtverwaltung nimmt die Beschwerden von Anwohnern der Biener Straße im Ortsteil Holhausen zum Anlass, um noch in diesem Frühjahr weitere Geschwindigkeitsmessungen durchzuführen. Das hat Erster Stadtrat Stefan Altmeppen im Gespräch mit unserer Redaktion betont.

„Noch dieses Frühjahr“

Während der Messungen im Jahr 2007 sind laut Frank Schöttmer, Leiter des Fachdienstes Recht und Ordnung, nur wenige Fahrer aus dem Rahmen gefallen. Er bezieht sich dabei auf 15 Prozent von 730 Fahrzeugen, die mit einer „nicht vertretbaren Geschwindigkeit“ registriert worden seien. „Aber auch diese lagen selten bei maximal 60 km/h“, sagt Schöttmer. Deshalb bestünde keine gesetzliche Verpflichtung für eine weitere Messung.

Auch verwies der Fachdienstleiter darauf, dass es dort seit 2011 keine Unfälle aufgrund von zu hoher Geschwindigkeit gegeben habe. Dennoch: „Aufgrund der Beschwerden von Anwohnern werden wird nochmals eine Messung durchführen. Wir nehmen das durchaus als Anlass“, meint Altmeppen und kündigt als Zeitraum „noch dieses Frühjahr“ an. Eine frühere Messung sei aufgrund einiger defekter Verkehrszählplatten nicht möglich gewesen, erklärt Schöttmer. Vorrang hätten zudem stets jene Straßen, auf denen es oft zu Unfällen komme.

Schilder an der Kita?

Als nicht notwendig stufen Schöttmer und Altmeppen Warnschilder oder einen Zebrastreifen ein: die Entfernung zwischen der Kreuzung am Gasthof Plagge und dem Kindergarten sei zu groß. Die Wirkung der Schilder an der besagten Kreuzung geht laut Schöttmer bis zum Kindergarten verloren. Ob näher am Kindergarten Schilder angebracht sind, solle aber nun überprüft werden.

Zebrastreifen seien generell in 30er-Zonen nicht vorgesehen. Es sei zwar immer eine Einzelfallentscheidung, doch träfen an der Stelle nicht genügend Verkehrsteilnehmer aufeinander: Für einen Fußgängerübergang müssten 50 Fußgänger und 200 bis 300 Fahrzeuge innerhalb einer Stunde gezählt werden. Deshalb sehe die Verwaltung hier keinen Handlungsbedarf, so Schöttmer. Doch auch dies könne nochmals überprüft werden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN