Nach Hochzeitsfeier in Rheine Brüder in Lingen verurteilt: Stiefvater verprügelt

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Weil sie ihren neuen Stiefvater noch in der Hochzeitsnacht fast krankenhausreif schlugen, hat das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Lingen zwei junge Männer und ihren Bekannten wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpaWeil sie ihren neuen Stiefvater noch in der Hochzeitsnacht fast krankenhausreif schlugen, hat das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Lingen zwei junge Männer und ihren Bekannten wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Lingen Zwei Brüder haben mit einem Bekannten noch in der Hochzeitsnacht ihren neuen Stiefvater fast krankenhausreif geschlagen. Nun sind die jungen Männer vom Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Lingen verurteilt worden.

Erst kellnerten sie auf der Hochzeitsfeier ihrer Mutter, dann schlugen die beiden heute 23 und 22 Jahre alten Brüder mit einem heute 21-jährigen Bekannten ihren frischgebackenen Stiefvater fast krankenhausreif. Das Jugendschöffengericht sprach alle drei teils einschlägig vorbestraften Angeklagten der gemeinschaftlich begangenen gefährlichen Körperverletzung schuldig, einen zudem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Sechs Wochen krankgeschrieben

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die drei Angeklagten aus dem südlichen Emsland im Mai 2017 in Rheine gegen 2 Uhr nachts gemeinsam auf den Bräutigam eingeschlagen und ihn erheblich verletzt haben. Der heute 44-jährige Geschädigte erlitt unter anderem ein Kopf-Trauma mit Lagerungsschwindel, eine angebrochene Nase, einen abgebrochenen Zahn sowie diverse Hämatome und Prellungen am ganzen Körper. Er war sechs Wochen krankgeschrieben und arbeitsunfähig, da er sich an seiner damaligen Arbeitsstelle noch in der Probezeit befand, wurde ihm gekündigt. Die Angeklagten hatten vor Gericht hingegen angegeben, alle Aggressionen seien vom Stiefvater ausgegangen, man habe sich lediglich gegen Schläge gewehrt beziehungsweise habe die Schlagenden voneinander trennen wollen. Die Mutter machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

„Hilfe, die schlagen mich tot!“

Dass die von allen Beteiligten als zuvor feucht-fröhlich, aber auch harmonisch beschriebene Hochzeitsfeier so eskaliert ist, hat eine Vorgeschichte: Eine Schwester der beiden angeklagten Brüder kollabierte nachts und wurde ohnmächtig, woraufhin der ältere der Brüder den Krankenwagen rief. Als dieser ihm nicht schnell genug kam, erhob er seine Stimme am Telefon derart laut, dass sein Stiefvater, der bereits geschlafen hatte, sich ungehalten über den Lärm beschwerte und sofortige Ruhe einforderte. Mit der sinngemäßen Äußerung, seine zu dem Zeitpunkt noch bewusstlose Stieftochter habe ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und ihr Befinden interessiere ihn nicht, kehrte er ins Schlafzimmer zurück. Darauf hat sein Stiefsohn die Schlafzimmertür aufgetreten und gemeinsam mit den beiden anderen jungen Männern auf den Geschädigten eingeschlagen, ihn dabei durch alle Räume der Wohnung getrieben und in einen daraufhin zerbrechenden Spiegel geschubst. Ein Hochzeitsgast, der draußen vor der Wohnung auf den Krankenwagen wartete, hatte den Stiefvater schreien hören: „Hilfe, die schlagen mich tot!“

Jüngerer Bruder muss ins Gefängnis

Während der 21-jährige zu einer Jugendstrafe von sieben Monaten auf Bewährung und der ältere der beiden Brüder zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt wurden, wurde die zehnmonatige Haftstrafe gegen den jüngeren Bruder nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt. Die vom Nebenklagevertreter des Stiefvaters beantragte Zahlung eines Schmerzensgeldes fand sich in dem Urteil nicht wieder, hinsichtlich der Bewährungsstrafen wurden lediglich Geldauflagen zugunsten gemeinnütziger Einrichtungen ausgesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN