Transparenz schaffen Kooperationsprojekt des Campus Lingen hilft Demenzerkrankten

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Mit theaterpädagogischem Mitteln Demenzerkrankten helfen: Das ist unter anderem das Ziel von Jessica Höhn (links), wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fakultät Management, Kultur und Technik. Das Projekt „TiP.De“ ist eine Kooperation des Campus Lingen sowie von Pflegeeinrichtungen - darunter der Wohnpark Esterwegen in Meppen. Foto: Jessica LehbrinkMit theaterpädagogischem Mitteln Demenzerkrankten helfen: Das ist unter anderem das Ziel von Jessica Höhn (links), wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fakultät Management, Kultur und Technik. Das Projekt „TiP.De“ ist eine Kooperation des Campus Lingen sowie von Pflegeeinrichtungen - darunter der Wohnpark Esterwegen in Meppen. Foto: Jessica Lehbrink

Meppen/Lingen. „Theater in der Pflege von Menschen mit Demenz“ – abgekürzt „TiP.De“ heißt ein gemeinsames Projekt der Studiengänge Pflege dual und Theaterpädagogik am Campus Lingen sowie zweier Altenpflegeeinrichtungen. Eine davon ist der Wohnpark Esterfeld in Meppen. Wie Mittel der Theaterpädagogik eingesetzt werden, um Demenzerkrankten zu helfen, berichtet unter anderem Prof. Stefanie Seeling, Studiengangsbeauftragte für den Studiengang Pflege.

„Das Projekt zeugt scheinbar von großem Interesse“, sagt Seeling bei einem Treffen mit Vertretern des Deutschen Roten Kreuzes sowie der Hausleitung des Wohnparks Esterfeld, Anna Wortelboer. Sie macht deutlich: „Der Prozess war sehr langwierig.“ Das Projekt „Tip.De“ startete im August 2017 und dauert 36 Monate an. Ziel ist, den Fokus auf Menschen mit Demenz zu beziehen. Konkreter soll laut Seeling mithilfe von theaterpädagogischen Mitteln die Aktivierung der Kognition von Demenzpatienten erfolgen. „Zwar wird eine Demenz nicht besser, aber sie wird so vielleicht über längere Zeit auch nicht schlechter“, erklärt Seeling es vereinfacht. Der geistige Zustand von Patienten soll somit also so lange wie möglich auf einem Level gehalten werden.

Drei Jahre bis Bewilligung

Ein Vorbild sei der Arbeitskreis im Lingener Bonifatius-Hospital, der sich im speziellen mit Demenz als Erkrankung auseinandersetzt. „Wir wollten dieses Prinzip auf Langzeitpflegeeinrichtungen übertragen“, begründet Seeling die Anfänge von „Tip.De“. Die größten Schwierigkeiten gab es aber zunächst bei der Suche von Praxispartnern beziehungsweise einem Projektträger. Drei Jahre habe die Bewilligung von „Tip.De“ gedauert, berichtet Seeling.

Bezüge schaffen

Das Spiegeln der Person, die gegenüber sitzt, Stimulationen durch Berührungen auf der Haut und das Anfassen von Gegenständen seien, so Seeling, beispielsweise in die Sitzungen mit den Demenzerkrankten eingebunden. „Das Ganze steht unter dem Thema Landwirtschaft“, erläutert sie. Dieses Thema sei vor allem geeignet, da viele der Patienten einen Bezug zur Landwirtschaft hätten, etwa von einem Hof stammen oder in ländlichen Regionen aufgewachsen sind. So übernimmt jeder der Patienten in der Runde eine gewisse Rolle auf dem Bauernhof, wie bei der späteren Beobachtung der bis dato fünften Sitzung deutlich wird. Die Senioren versetzen sich dabei in die Umgebung eines belebten Bauernhofes. Während der eine das Füttern der Tiere übernimmt, ist der andere als Tierarzt auf dem Hof tätig. Stets im Mittelpunkt steht das kleine Stoffschwein Olga. Von der Geburt bis zur Schlachtung ist die Geschichte um Olga aufgebaut. Stets sind diese spielerischen Runden mit Gesang, aber auch mit einem Koffer verbunden, der auf dem Boden inmitten des Stuhlkreises steht. „Der Koffer ist symbolisch“ erklärt Seeling. Er stehe für das, was in jeder Sitzung erlebt und hinzugefügt wird, ganz im Sinne des „Kofferpackens“. „Man braucht Rituale, um Menschen mit Demenz abzuholen“, weiß die Pflegewissenschaftlerin.

Theaterpädagogik mit Vorurteilen behaftet

„Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Es kommt gut an, ist aber natürlich mit einem großen Aufwand verbunden – vor allem, um sich mit der Theaterpädagogik vertraut zu machen und diese auch den Angehörigen der Patienten zu vermitteln“, sagt Wortelboer. Auch sie sei anfangs nicht sicher gewesen, was sie erwartet, ist aber nun umso positiver gegenüber dem Projekt eingestellt. Das liege auch daran, dass Theaterpädagogik in den Köpfen vieler Menschen negativ behaftet sei und somit eine Hemmschwelle darstelle, meint Seeling. Letztlich öffne dieses Projekt aber auch Türen für Studierende, um Forschung transparent zu machen, und genauso für neue Arbeitsplätze – darüber sind sich Seeling und Wortelboer einig. „Ich wünsche mir, dass wirklich ein Koffer dabei herauskommt, den man auch in anderen Einrichtungen in den Pflegealltag integrieren kann“, sagt Wortelboer.

Die Anzahl der Menschen mit Demenz steige aufgrund des demografischen Wandels an, betont Seeling. „Es ist selbstverständlich, dass Ergotherapeuten mittlerweile in der Pflege angestellt sind. Warum also nicht auch Theaterpädagogen?“


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