Von Taxi überfahren Opfer aus Lingen kann sich an Vorfall nicht erinnern

Von Horst Troiza

Vor dem Landgericht Osnabrück muss sich derzeit ein Mann wegen versuchten Totschlags durch Unterlassen verantworten. Symbolfoto: dpaVor dem Landgericht Osnabrück muss sich derzeit ein Mann wegen versuchten Totschlags durch Unterlassen verantworten. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Im Prozess um den Verkehrsunfall in Lingen-Bröbern hat das Opfer, ein heute 22-Jähriger aus Holthausen, ausgesagt. Ein 69 Jahre alter Taxifahrer wird beschuldigt, den jungen Mann angefahren zu haben und den Schwerstverletzten, ohne Hilfe zu leisten, seinem Schicksal überlassen zu haben.

Am frühen Morgen des 29. Februar vergangenen Jahres war der 22-Jährige nach einer Boßel-Party zu Fuß auf der B 213 unterwegs gewesen. In der Nähe einer Ampelkreuzung im Lingener Ortsteil Brögbern war er von einem Fahrzeug erfasst und schwer verletzt worden. Der Unfallfahrer — ein Mitarbeiter eines Taxiunternehmens in Lingen — war weitergefahren. Erst etwa anderthalb Stunden später hatte er sich auf dem Polizeirevier gemeldet und angegeben, im Glauben gewesen zu sein, eine Verkehrsinsel beschädigt zu haben.

Leblos aufgefunden

Der Verletzte war von einem anderen Taxifahrer leblos auf der Straße aufgefunden worden, der zusammen mit einem Fahrgast die Rettungskräfte alarmiert und die Unfallstelle gesichert hatte. Der 22-Jährige kann sich ausschließlich an das Boßel-Turnier und ein anschließendes gemeinsames Essen in einer Gaststätte erinnern. „Als nächste Erinnerung ist mir bewusst, dass ich in einem Bett in der Uni-Klinik Münster wach geworden bin“, sagte der gelernte Landwirt in seiner Aussage vor dem Schwurgericht in Osnabrück. Zuerst war er zwei Wochen intensivmedizinisch im Ludmillenstift in Meppen behandelt worden, als sich sein Zustand nicht gebessert und er noch immer in Lebensgefahr geschwebt hatte, war er in die Uni-Klinik Münster verlegt worden.

Schwere Verletzungen

Einer der dort behandelnden Ärzte berichtete dem Gericht, der Patient habe „eine relativ lange Liste von schwersten Verletzungen aufgewiesen“, die eine Reihe von Operationen notwendig gemacht hätten. Ein Thorax-Trauma, Nieren- und Leberrisse, Beckenbrüche – alles habe in lebensbedrohender Ausprägung vorgelegen. Erst Ende Juli war er aus dem Krankenhaus zu Reha-Maßnahmen entlassen worden. Noch heute leidet er an den Folgen des Unfalls und wartet neuerlich auf eine anstehende Operation.

Blut an der Frontscheibe

Vom Angeklagten gibt es bisher nur die Einlassung, einen Knall gehört und vermutet zu haben, auf eine Verkehrsinsel getroffen zu sein. Ansonsten schweigt er im Prozess. Allerdings weist der ihm gefahrene Wagen deutliche Spuren des Unfalls auf. Die linke Fahrzeugseite ist beschädigt, die Frontscheibe gesplittert mit zwei großen Löcher darin. Blutspuren des Opfers waren auf Splittern des Glases gesichert worden.

Makabres Erlebnis

Einer der Polizeibeamten, die das Fahrzeug rund zwei Stunden nach dem Unfallgeschehen auf dem Hof des Taxiunternehmens sichergestellt hatten, berichtete von einem makabren Erlebnis. „Als ich Fotos von den Schäden machte, klingelte plötzlich ein Mobiltelefon, das bis dahin unbemerkt zwischen der Windschutzscheibe und der Motorhaube gelegen hatte“. Wie sich herausstellte, war es das Handy des Unfallopfers. Das Verfahren wird fortgesetzt.