Fachkongress Ideen für Elektromobilität der Zukunft im Emsland

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Probesitzen auf Elektro-Rollern: Landrat Reinhard (l.) und Kreisdezernent Michael Steffens. Foto: Sven LampeProbesitzen auf Elektro-Rollern: Landrat Reinhard (l.) und Kreisdezernent Michael Steffens. Foto: Sven Lampe

Lingen. Schluss mit dem privaten Pkw, hin zu digital vernetzten und elektrisch betriebenen Mobilitätsangeboten. Diese Idee des Verkehrs von morgen hat der Mobilitätsforscher Weert Canzler am Montag beim Fachkongress Elektromobilität in Lingen vorgestellt.

Canzler, Sozialwissenschaftler und Mobilitätsforscher am Wissenschafszentrum Berlin für Sozialforschung sieht unter dem Aspekt der geforderten Reduzierung von klimaschädlichen Treibhausgasen das Ende des Verbrennungsmotors innerhalb der kommenden zwei Jahrzehnte als unumgänglich an. Parallel zu einer Neuausrichtung der Mobilität insgesamt.

„Gesellschaftliches Umdenken“

Der Schlüssel dazu liegt Canzler zufolge in elektrischen Antrieben und einem gesellschaftlichen Umdenken. An die Stelle des Individualverkehrs mit dem Pkw muss seiner Auffassung zufolge eine Vernetzung verschiedener Verkehrssysteme führen. Dazu zählen Kanzler zufolge im Nah- und Regionalverkehr unter anderem Car-Sharing-Modelle, die weit über aktuelle Modelle hinaus gehen. Eine wesentliche Rolle bei der Vernetzung spielen bei Canzler Smartphones und entsprechende Apps, mit denen Kunden sich bedarfsgerecht ihre Mobilitätslösungen zusammenstellen.

Mobilitätsdienstleistungen

Das hätten auch Automobilhersteller erkannt, die mittlerweile derartige Mobilitätsdienstleistungen und entsprechende Geschäftsmodelle entwickeln, so Canzler. Um den Wandel herbeizuführen, müssten sowohl technische als auch politische und wirtschaftliche Grundlagen geschaffen werden. Dazu zählt laut Canzler unter anderem die Schaffung der notwendigen Infrastruktur, die Abschaffung von Privilegien des Individualverkehrs wie beispielsweise Steuervorteile für Dienstwagen und Geschäftsanreize für Unternehmen.

„Entprivilegisierung des privaten Verkehrs“

Dabei werde es allerdings Schwierigkeiten geben, ist sich Canzler sicher. Allein den Versuch einer Entprivilegisierung des privaten Verkehrs bezeichnete der Wissenschaftler als „politisches Selbstmordprogramm“. Um die Entwicklung voranzutreiben, fordert Canzler Experimentalräume, in denen räumlich und zeitlich begrenzt technische und soziale Innovationen ausprobiert werden können.

„Zentrales Thema im Landkreis Emsland“

Laut Landrat Reinhard Winter ist Mobilität auch im Emsland ein zentrales Thema. In der Region wird der größte Teil der täglichen Wege mit dem Wagen zurückgelegt. Winter zufolge verfügt fast jeder der rund 135.000 emsländischen Haushalte über mindestens einen Pkw. „Die relativ hohe Pkw-Dichte von 573 pro 1000 Einwohner zeigt, dass hier ein großes Potenzial für Elektromobilität liegt, das es zu heben gilt“, sagte Winter beim vom Landkreis Emsland initiierten Fachkongress E-Mobilität. Wie hoch das Potenzial ist zeigte Kreisdezernent Michael Steffens auf. Unter den rund 190.000 im Emsland zugelassenen Fahrzeugen fahren aktuell nur 135 rein elektrisch.

Kritik an VW

Der Landkreis Emsland erkennt laut Winter seine Vorbildrolle beim Thema Elektromobilität: „Wir wollen früh Entwicklungen nutzen und selbst Initiativen anstoßen.“ So sei der Landkreis dabei, seinen 75 Dienstwagen starken Fahrzeugpark mittelfristig mit E-Autos zu bestücken. Dabei stoße man jedoch an Grenzen, kritisierte Winter. So sei VW als größter Automobilhersteller nicht in der Lage, innerhalb eines halben Jahres zehn E-Golf zu liefern.


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