Anerkennung spielt wichtige Rolle Lingener Akademieleiterin: Bedingungen in der Pflege verbessern

Von Thomas Pertz

Gesprächspartnerinnen unserer Redaktion: n Dr. Gabriele Weglage, Geschäftsführerin der Akademie St. Franziskus in Lingen, und Evelin Janke, Leiterin der Hebammenschule. Foto: Thomas PertzGesprächspartnerinnen unserer Redaktion: n Dr. Gabriele Weglage, Geschäftsführerin der Akademie St. Franziskus in Lingen, und Evelin Janke, Leiterin der Hebammenschule. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Für die Zukunft der Pflegeberufe spielt die Anerkennung in der Ausbildung eine große Rolle. Dies haben Dr. Gabriele Weglage, Geschäftsführerin der Akademie St. Franziskus in Lingen, und Evelin Janke, Leiterin der Hebammenschule, in einem Gespräch mit unserer Redaktion unterstrichen.

Anlass des Gespräches in der Katholischen Bildungsstätte für Berufe im Sozial- und Gesundheitswesen war der bevorstehende traditionelle Segnungs- und Stärkungsgottesdienst am Freitag, 20. April, um 11 Uhr in der Maria Königin-Kirche. Rund 80 junge Menschen, die der intensiven Prüfungszeit in ihren Ausbildungsberufen entgegen schauen, wollen sich dort auf besondere andere Art und Weise stärken. „Ohne ethisch-moralische Werte funktioniert in der Pflege gar nichts“, betonte Weglage.

Die Akademie lehrt in den Ausbildungsberufen Altenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie Gesundheits- und Krankenpflege und bietet das achtsemestrige Duale Studien- und Ausbildungsprogramm Pflege an.

Bedeutung der Wertschätzung

Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation um die Pflegeberufe in Deutschland hoben Weglage und Janke die beruflichen Möglichkeiten in der Pflege hervor. Sie seien aufgrund ihrer vielfältigen Spezialisierungsformen ebenso qualitativ anspruchsvoll wie sinnstiftend zugleich.

„Hier kommt der Wertschätzung aber eine ganz große Bedeutung zu“, unterstrich Weglage. Das Gehalt allein transportiere diese Wertschätzung im Übrigen nicht, auch wenn dies natürlich ebenfalls wichtig sei. „Es muss in der Bezahlung einen Unterschied geben zwischen Hilfskräften und professionell ausgebildeten Beschäftigten“, sagte Janke. „Es geht aber vor allem um Wertschätzung und Anerkennung - durch die Einrichtung selbst, die Angehörigen, die Politik“, erklärte Weglage.

Personalausstattung

Der Personalausstattung in den pflegerischen Einrichtungen kommt nach ihren Angaben eine große Bedeutung zu. Sie verweist darauf, dass sich in allen Bereichen der stationären Pflege seit Jahren ein zunehmender Mangel an Fachpersonal hin zu einer kritischen Größe entwickelt hat. Die Gründe lägen in nicht ausreichend überprüften Personalbemessungssystemen und im demografischen Wandel. Dies führe heute schon dazu, dass die freien Stellen nicht mehr zeitgerecht besetzt werden könnten. Die Folgen seien eine nicht mehr ausreichende pflegerische Versorgung der Bevölkerung und eine Überlastung der Pflegenden. Die Personaluntergrenze in der Pflege als eine gesetzliche Vorgabe müsse, so Weglage, von den verantwortlichen Gremien (Politik, Krankenkassen, Deutsche Krankenhausgesellschaft) neu bewertet werden.

„Freude am Beruf vermitteln“

„Es wird in der Pflege nicht besser, wenn die Bedingungen nicht besser werden“, betonte die Akademieleiterin. Der Faktor Zeit spiele hier eine wichtige Rolle, ergänzte Janke. Zeit, die zum Beispiel durch eine mitunter überbordende Dokumentationspflicht gebunden werde. Dokumentation sei wichtig. Zu prüfen sei aber das inzwischen erreichte Ausmaß. Zu betrachten seien auch die Bedingungen für die Auszubildenden: „Eine weitgehende Nichtanrechnung auf den Stellenplan ist wichtig. So kann der oder die Auszubildende als Lernender mitgehen, ohne gleich voll eingespannt zu werden“, erläuterte Weglage. Den jungen Menschen langsam mit den Anforderungen und Aufgaben des Berufes vertraut zu machen, gelinge aber nur, wenn das dafür verantwortlichen Fachpersonal nicht selbst überlastet sei. „Die Freude an diesem Beruf in Richtung Auszubildende zu vermitteln, ist aber ganz entscheidend“, sagte die Geschäftsführerin der Akademie im Hinblick auf das Pflegefachpersonal von morgen.

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