Inszenierung des Atze Musiktheaters Berlin Fantastisches „Emil und die Detektive“ im Lingener Theater

Von Meike Blunk

Zehn Mitwirkende des Atze Musiktheaters aus Berlin schenkten dem Publikum in Lingen mit der grandiosen Inszenierung von „Emil und die Detektive“ einen spannenden Theaternachmittag. Foto: Meike BlunkZehn Mitwirkende des Atze Musiktheaters aus Berlin schenkten dem Publikum in Lingen mit der grandiosen Inszenierung von „Emil und die Detektive“ einen spannenden Theaternachmittag. Foto: Meike Blunk

Lingen. Das Atze Musiktheater aus Berlin hat mit der fantastischen Inszenierung „Emil und die Detektive“ des Kinderbuchklassikers nach Erich Kästner mit einem ebenso fantastischen, facettenreichen und spielfreudigen Ensemble im Theater an der Wilhelmshöhe für einen spannenden wie witzig unterhaltsamen Theaternachmittag am 16. April 2018 gesorgt.

Durch mehrere Gastspiele hat sich das Theater schon in Lingen und Umgebung einen Namen gemacht, weil es für innovatives und qualitativ hochwertiges Kindertheater steht. „Atze“ bedeutet in Berlinerisch „Bester Freund“ oder „Großer Bruder“. Die grandiose und zeitlose Inszenierung zeigte erneut, dass Regisseur Thomas Sutter sowie das wandlungsreiche Ensemble sich gut in Kinder hinein versetzen können und diese in ihrem Empfinden und ihrer Wahrnehmung ernst nehmen.

Krimi im Kleid eines Singspiels

Dies war auch das Anliegen Kästners. Er schrieb aus der Sicht von Kindern und wollte ihnen mit seiner Geschichte, in der es um den Zusammenhalt im Kampf gegen unrechtmäßiges und kriminelles Verhalten geht, eine Stimme geben sowie ihre eigene Stärke und ihre Authentizität hervorheben. Die kleinen wie großen Besucher waren von dem als temperamentvolles Singspiel verpackten Kinderkrimi gleichermaßen begeistert. Drei Vollblutmusiker schufen, mit den komplexen Kompositionen von Sutter und Sinem Altan, die auch die musikalische Leitung hatte, einen vielschichtigen Klangteppich, der für eine atmosphärische, fast greifbare Dichte und Spannung sorgte.

Schlichtes Bühnenbild als Wundertüte

Darüber hinaus agierten sie auch in wechselnden Rollen als Darsteller. Die Musik transportierte mit Akkordeon, Piano (Doro Gehr), Cello (Nikolaus Herdieckerhoff) und Percussion (Schmidty Schmidt) unter anderem die Emotionen der Protagonisten, untermalte den gesprochenen wie gesungenen Text und schenkte den Zuschauern Lieder wie „Parole Emil“ zum Mitsingen. Das schlicht wirkende Bühnenbild (eine schräge Holzebene mit Aufsatz) entpuppte sich als vielseitig nutzbare und trickreiche Wundertüte, die mal einen Zug, ein verwinkeltes Hotel oder die Straßen der Großstadt darstellte und darüber hinaus noch freie Assoziationen der Zuschauer zuließ.

Viele Identifikationsmöglichkeiten

Die sieben hervorragenden Darsteller, die teilweise mehrere Rollen verkörperten und auch dabei musizierten, spielten sich mit feinsinniger Spielfreude von Anbeginn in die Herzen der Zuschauer und schufen unterschiedliche Identifikationsmöglichkeiten.

Raffinierter Verfolgungsplan

Emil darf alleine mit dem Zug nach Berlin reisen, um dort bei seiner Oma und Cousine Pony die Ferien zu verbringen. Im Zug nutzt der Ganove Grundeis die Situation aus. Er bindet Emil in Gespräche ein und entwendet ihm dabei (sehr spannend gemacht) sein gesamtes Taschengeld. Am Bahnhof von Berlin bemerkt Emil die Misere. Mutig verfolgt er den Dieb. Dabei stößt er auf Gustav, der die Lage sofort als brenzlig erkennt und seine Bande ruft. Gemeinsam hecken sie einen raffinierten Verfolgungsplan aus. Nur als Großgruppe können sie Grundeis zu Fall bringen.

Für „Ikarus“ 2017 nominiert

Für das Publikum erwies sich der Aufmarsch der sich solidarisch zeigenden Kinder als berührendes Moment. Hierfür waren ortsansässige Kinder als Statisten engagiert worden. Zu recht wurde die Inszenierung für den „Ikarus“ 2017, einem Kinder- und Jugendtheater-Preis in Berlin des Jugendkulturservice, nominiert und löste in Lingen große Begeisterung aus.