Karikaturen mit spitzer Feder Die unbekannte Seite des Fritz Wolf im LWH Lingen

Von Johannes Franke

Der Karikaturist Fritz Wolf in einem Selbstbildnis als Kardinal erheitert ebenso wie zahlreiche schwarz-weiß und colorierte Zeichnungen, die im Ludwig-Windthorst-Haus bis zum 30. Mai zu sehen sind. Hermann Queckenstedt (2.v.l.) vermittelte fundierte Aussagen zu den Exponaten, die Sebastian Scholtissek von der Fritz-Wolf-Gesellschaft (rechts) ausgesucht hatte. Foto: Johannes FrankeDer Karikaturist Fritz Wolf in einem Selbstbildnis als Kardinal erheitert ebenso wie zahlreiche schwarz-weiß und colorierte Zeichnungen, die im Ludwig-Windthorst-Haus bis zum 30. Mai zu sehen sind. Hermann Queckenstedt (2.v.l.) vermittelte fundierte Aussagen zu den Exponaten, die Sebastian Scholtissek von der Fritz-Wolf-Gesellschaft (rechts) ausgesucht hatte. Foto: Johannes Franke

Lingen. Die Ausstellung „Um Himmels Willen, was ist los da unten? – Der Karikaturist Fritz Wolf und die Kirche“, würdigt den Künstler mit einer Auswahl seiner besten Karikaturen. Das Ludwig-Windhorst-Haus (LWH) zeigt eine eher unbekannte Seite des Zeichners, der mit großer Liebe zu den Menschen und ohne jede Bösartigkeit deren Schwächen aufspießte.

„Fritz Wolf wäre nicht Fritz Wolf, wenn er sein ambivalentes Verhältnis als Christ zur Kirche nicht auch augenzwinkernd zu Papier gebracht hätte – liebevoll konzipiert, im vornehmen Purpur koloriert und keinesfalls ‚amtsanmaßend‘: im Selbstbildnis als Kardinal“, bemerkte Dr. Hermann Queckenstedt zur Ausstellungseröffnung.Als Leiter des Diözesanmuseums und Sprecher des Kuratoriums der Fritz-Wolf-Stiftung präsentierte er Illustrationen, die unter anderem für die „Neue Osnabrücker Zeitung“ den „Stern“, den „Kirchenboten“ oder für die katholischen Jugendzeitschriften „Die Wacht“ und „Voran“ gezeichnet wurden. Die Karikatur zum Besuch von Papst Johannes Paul II. 1980 in Osnabrück mit der Unterschrift „Olle use“, habe seinerzeit schon für „stadtpolitische Brisanz“ gesorgt.

Geprägt durch die Familie

Der in einer zutiefst katholischen Familie in Mühlheim an der Ruhr aufgewachsene Wolf, habe jedoch nie Kirchenvertreter hämisch oder gemein dargestellt. Es ist kirchliche und politische Zeitgeschichte einer konfessionellen Gemengelage, die Wolf karikierend aufs Korn nimmt. Geprägt durch seine Familie – drei Brüder starben im Krieg – spielt das Thema Frieden in seinen Werken eine große Rolle. Seine pazifistische Note, der Blick für das Menschliche und die menschlichen Schwächen fließen immer wieder ein. Er positioniert sich gegen die Wiederbewaffnung der jungen Bundesrepublik, karikiert die international zerstrittenen Parteien in der interessengeleiteten Weltpolitik – und ist mit seinen Zeichnungen der 1970er und 80er Jahre heute wieder brandaktuell.

Überregional geschätzt

Ebenso das lokale Geschehen wie die bereits Mitte der 1950er Jahre diskutiere Frage nach der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, Parkplatzsituation oder Pkw-Ausgrenzung in Osnabrück, betrachtet er kritisch. Sie könnten heute wieder eins zu eins übernommen werden. Über drei Jahrzehnte nimmt er fragwürdiges Verhalten in der Politik, Kirche und Gesellschaft mit seinen „Bildern aus der Provinz“ aufs Korn – und viele lernen Fritz Wolf somit überregional kennen und schätzen.

Auch nach 40 Jahren noch aktuell

Kirchenkarikaturen lassen einen schmunzeln, bei manchen Themen bleibt jedoch das Lachen im Halse stecken. „Die veranschaulichten Aspekte Umwelt, Klimawandel, oder Flüchtlings- und Asylpolitik sind heute noch wie vor 30 oder 40 Jahren aktuell, ohne dass irgendwelche Fortschritte erreicht wurden“, betonte Queckenstedt.

„Aha-Erlebnis“

Sebastian Scholtissek von der Fritz-Wolf-Gesellschaft hat die bislang noch nicht gezeigten Karikaturen herausgesucht. Sie bewirken ein „Aha-Erlebnis beim Gang durch die bundesrepublikanische Geschichte“, wie LWH-Leiter Michael Reitemeyer es nannte. Ein Wiedersehen mit internationalen und lokalen Politik(er)-Größen wie Konrad Adenauer, Franz-Josef Strauß, Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher, Helmut Kohl oder Oscar Lafontaine ist selbstverständlich. „Die vollkommene Mischehe“ lautet der Untertitel zur ersten GroKo 1969. Andere Protagonisten mit gleichen Problemen, gestisch, mimisch heiter und witzig mit spitzer Feder und aller Schärfe karikiert.

100. Geburtstag am 7. Mai 2018

Diese Kabinettausstellung, bei der Julius Kobor für den musikalischen Rahmen sorgte, ist mehr als die Würdigung eines herausragenden Karikaturisten, der am 7. Mai 2018 100 Jahre alt geworden wäre. Bis zum 30. Mai sind unterschiedlichste Zeichnungen eines Künstlers zu bestaunen, „der durch das scheinbar Unwesentliche das Wesentliche verdeutlicht.“