OB-Wahlkampf in Lingen Hitziges Wortgefecht: Krone und Koop beim Lingener Kaffeeklatsch

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Hitzig diskutierten die Oberbürgermeister-Kandidaten Dieter Krone (links) und Robert Koop (rechts) beim Kaffeeklatsch in Lingen; moderiert wurde dieser von Michael Brendel und Veronika Schniederalbers. Foto: Jessica LehbrinkHitzig diskutierten die Oberbürgermeister-Kandidaten Dieter Krone (links) und Robert Koop (rechts) beim Kaffeeklatsch in Lingen; moderiert wurde dieser von Michael Brendel und Veronika Schniederalbers. Foto: Jessica Lehbrink

Lingen. Ein hitziges Wortgefecht haben sich die Oberbürgermeister-Kandidaten Dieter Krone (parteiloser Amtsinhaber) und Robert Koop (Bürgernahe) am 12. April 2018 im Lookentor in Lingen geliefert. Sie stellten sich beim traditionellen Kaffeeklatsch im Café Wintering den Fragen der jungen Wählerschaft.

„Wir wollen heute ihre Schwächen gegeneinander ausspielen“, sagte Moderator Micheal Brendel. Er und seine Kollegin Veronika Schniederalbers lockten die beiden mit Schokolade, würden sie sich nur bis zum Ende der Veranstaltung in Geduld üben. Einige Tage zuvor hatten Krone und Koop in der Lingener Tagespost unabhängig voneinander gestanden, dass Schokolade und Ungeduld ihre größten Laster seien.

Erst Stichelleien

Dass es einen angeregten Schlagabtausch geben würde, war sicherlich sowohl die Hoffnung der Moderatoren als auch des gespannten Publikums. Für die Erstellung der kritischen Fragen sprachen die Moderatoren vorab mit Jugendlichen, um herauszufinden, was junge Leute bewegt und was sie in Lingen als verbesserungswürdig ansehen. Heraus kamen zum Beispiel Themenblöcke wie die Verkehrssituation in Lingen sowie zuverlässige Internetzugänge. Eröffnet wurde aber mit der gegenseitigen persönlichen Vorstellung des jeweils anderen Kandidaten anhand eines ausgedruckten Lebenslaufes. Schon dabei kamen erste kleine Sticheleien zwischen Krone und Koop auf. Es folgten einige Schnellfragerunden, in denen deutlich wurde: Krone und Koop könnten unterschiedlicher kaum sein. Ein Beispiel war die Frage „Hund oder Katze“: Koop entschied sich für den Hund, Krone für die Katze. Ob bissig oder verschmust, sollte sich in den darauf folgenden zwei Stunden zeigen.

Krone zollt Koop Respekt für Kandidatur

„Was haben sie eigentlich gedacht, als sich Herr Koop plötzlich auf das Amt des Oberbürgermeisters beworben hat“, fragte Brendel Krone. Allzu plötzlich sei es nicht gewesen, meinte Krone. „Aber ich fand es gut, denn bis dahin war ich der einzige Kandidat.“ Dass Koop seinen Hut in den Ring geworfen habe, dafür zolle er ihm Respekt – und darin bestünde für ihn auch der Grundgedanke einer Wahl. Es folgte die Gegenfrage an Koop, weshalb er sich, als Rechtsanwalt und langjähriges Mitglied des Stadtrates nun noch den Stress eines Oberbürgermeisters antun wolle. Kurz und prägnant antwortete der 66-Jährige: „Weil ich’s kann.“ Es folgte amüsierter Applaus des Publikums.

Reibungspunkte bei Lookentor und Emslandarena

Anders fiel die Reaktion aus, als Koop den Amtsinhaber darauf ansprach, weshalb er in den vergangenen drei Jahren keiner Fraktionssitzung der Bürgernahen beigewohnt hätte. Schließlich sei Krone auch bei anderen Parteien anwesend. Der entgegnete, dass er keine Einladungen erhalten hätte. Diesen würde er stets nachkommen. Als Koop Krone daraufhin als „inkompetent“ betitelte, folgten Buhrufe aus dem Publikum.

Dennoch: „Im Laufe der Jahrzehnte ist das eine oder andere in die richtige Richtung gegangen“, gestand Koop ein, bevor sich beispielsweise bei den Themen Lookentor und Emslandarena neue Reizpunkte bemerkbar machten. „Die Mall und die Arena, würden heute gar nicht stehen, wenn es nach Ihnen gegangen wäre, Herr Koop“, meinte Krone. Dem widersprach der Bürgernahe: Er sei der Erste gewesen, der mit dem Inhaber des Lookentores, Hermann Klaas, gesprochen hätte. „Der Erste, der die Idee einer Mall für gut befunden hat, steht Ihnen somit gegenüber“, wandte sich Koop an Krone.

Was die Arena anbelange, sei Koop laut Krone seiner Zeit jedoch eher für ein Bühnenhaus gewesen – und auch für einen anderen Standort. Dies wäre, so der amtierende Oberbürgermeister, aber keine vernünftige Lösung gewesen: „Heute holen wir Weltstars nach Lingen.“ Dies wäre mit einem Bühnenhaus nicht möglich gewesen, meint Krone und verwies auf die jüngste Nominierung der Arena zu einer der besten Konzerthallen Deutschlands.

Koop betitelt Innenstadt als „versifft“

Was Koop als Erstes tun würde, sollte er die Wahl zum Oberbürgermeister gewinnen, lautete eine weitere Frage. „Die Zahl der Probleme ist so groß, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll“, drückte Koop sein Empfinden über die Stadt Lingen aus. Diese sei laut dem Stadtratsmitglied – im Näheren bezog sich Koop auf den Marktplatz – „versifft“. „Ich möchte mich um die Kleinigkeiten kümmern und nicht um das nächste Foto in der Zeitung“, sagt Koop, während er sich Krone direkt zuwandte. In puncto „sauberes Stadtbild“ hakte Moderatorin Schniederalbers noch einmal nach und forderte das Publikum auf, für oder entgegen Koops Meinung, Handzeichen zu geben. Mit einer deutlichen Mehrheit fiel die Abstimmung gegen Koops Anmerkung einer verschmutzten Stadt aus. „Das zeigt, welche Wahrnehmungsstörungen Herr Koop hat“, äußerte sich Krone am Rande. „Der Eindruck der Sauberkeit stimmt nicht mit der Realität überein“, verteidigte sich der Bürgernahe.

Vergrößerung des Kreisverkehrs?

Ein wichtiger Punkt der jungen Leute war der öffentliche Nahverkehr und auch die Parksituation in Lingen. Unterirdische Parkplätze schaffen durch Tief- und Anwohnergaragen: Darüber waren sich die Rivalen einig. Krone brachte zudem Park- und Verkehrsleitsysteme ins Spiel, besonders in Berufsverkehr. Eine Umschaltung der Ampeln sowie die Vergrößerung des Kreisverkehres an der Agentur für Arbeit seien für ihn erforderlich. Zwar widersprach Koop diesen Punkten nicht, bemängelte aber, weshalb diese Lösungsansätze nicht in Krones bisheriger Amtszeit angegangen worden seien. Auch auf die Lili-Busse reagierte Koop mit Kritik, deren Konzept müsse auf das Jahr 2018 angepasst werden. Ebenso sprach er sich für die Reaktivierung des Anrufsammeltaxis (AST) aus. Dieses wurde laut Krone aufgrund zu hoher Kosten abgeschafft, könnte aber wieder ins Leben gerufen werden, sofern es ein preislich gutes Angebot gebe.

„Unterirdisches Mobilfunknetz“

Als teilweise unterirdisch bezeichnete Moderator Brendel das Mobilfunknetz in Lingen. Keine Edge-Verbindung, keine 3-G-Verbindung, sondern das mobile Surfen in LTE-Geschwindigkeit sei Krones Ziel. Besonders die Ortsteile seien davon betroffen. Um mit betroffenen Bürgern in Kontakt zu bleiben, nannte er funkloecher@lingen.de als Service der Stadt. Koop hingegen fordert ein flächendeckendes LTE und beschuldigte Krone, dass dieser sich nur mit den Dingen schmücke, die in den vergangenen Jahren gut verlaufen seien, Fehler aber auf andere abwälze. „Wenn es nach Ihnen ginge, sind alle Dinge mit einem Anruf getan“, antwortete Krone. Veränderungen müssten beschlossen werden und das brauche manchmal Zeit.

Schokolade zum Schluss

Viele weitere Themen standen zur Diskussion, die Koop am Ende als ein „offenes Miteinander“ bezeichnete. Bestätigender Applaus, Getuschel auf den Plätzen, Pfiffe und Buhrufe: Alles war beim Kaffeeklatsch zur Oberbürgermeisterwahl 2018 in Lingen dabei. Wo die Wähler ihr Kreuz setzen – ob  auf der der rechten Seite für Robert Koop oder auf der linken Seite für Dieter Krone, wird sich am 22. April zeigen. Ihrem Laster – der Schokolade – konnten jedenfalls beide Kandidaten am Ende des Kaffeeklatsches frönen.


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