DLRG wechselt nach Nordhorn Vereine kritisieren Preise der Schwimmsporthalle des Linus Lingen

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Die Ausrichtung eines eigenen Wettkampfes ist nach Aussagen des SV Blau-Weiß aufgrund der hohen Kosten für das Schul- und Sportschwimmbad im Linus Lingen nicht möglich. Foto: Jessica LehbrinkDie Ausrichtung eines eigenen Wettkampfes ist nach Aussagen des SV Blau-Weiß aufgrund der hohen Kosten für das Schul- und Sportschwimmbad im Linus Lingen nicht möglich. Foto: Jessica Lehbrink

Lingen. Die Mietpreise für die Schul- und Sportschwimmhalle des Linus Wasserwelten Lingen sind für einige dort trainierende Vereine ein Ärgernis. Wettkämpfe wie Bezirksmeisterschaften könnten aufgrund der hohen Nutzungsgebühren nicht ausgetragen werden, heißt es seitens der Vereine.

„Gerne würde der Verein auch selbst einen Wettkampf ausrichten, was aber aufgrund der sehr hohen Schwimmbadmiete aktuell nicht zu realisieren ist“, hieß es in einer Mitteilung des SV Blau-Weiß im März zur Mitgliederversammlung.  Die Miete für eine Bahn in der Sportschwimmhalle des Linus Lingen Wasserwelten beträgt 18,50 Euro pro Stunde. Dies teilte eine Sprecherin der Stadtwerke Lingen mit. Kritik an den Stadtwerken als Betreiber sowie an der Stadt Lingen gibt es deshalb von einigen Vereinen, die sich im Nachteil gegenüber anderen Sportvereine fühlen.

SV Blau-Weiß Lingen

Der Schwimmverein Blau-Weiß trainiert drei Mal wöchentlich für jeweils drei Stunden auf drei Bahnen. Rund 75 Prozent der Nutzungsgebühr werden von der Stadt Lingen übernommen. Die restlichen 25 Prozent trägt der Verein. Für den SV Blau-Weiß ergibt sich so im Jahr ein Eigenanteil von mehr als 7000 Euro. „Für unser Training ist die Halle fantastisch“, bestätigt der Vereinsvorsitzende Norbert Klein. „Wir würden aber auch gerne die Bezirksmeisterschaften ausrichten – doch dafür ist es im Lingener Schwimmbad zum einen zu teuer und zum anderen zu klein.“ 300 bis 400 Teilnehmer würden an solchen Meisterschaften teilnehmen.

Eine Ausrichtung von Wettkämpfen wäre – bezogen auf die Größe des Schwimmbades – zudem nur möglich, wenn die zusätzliche Nutzung des Außenbereiches gewährleistet ist. „Für einen kleinen Verein wie unseren SV Blau-Weiß mit 170 bis 180 Mitgliedern ist das aber nicht zu bezahlen“, hebt Klein hervor. Zudem würden die Auflagen für den Brandschutz, mit einer solch hohen Teilnehmerzahl auf dem dafür gegebenen Raum, nicht mehr erfüllt werden.

DLRG Holthausen-Biene und Bezirk Emsland

„Bezirksmeisterschaften werden seitens der Stadt nicht unterstützt“, berichtet Klaus Egbers als Vorsitzender der DLRG Ortsgruppe Holthausen-Biene. Welchen Betrag die DLRG bislang zahlen musste, weiß Robert Otte als Vorsitzender des Bezirks Emsland: „Die Nutzungsgebühren der Schwimmsporthalle im Linus für eine Bezirksmeisterschaft betragen für einen Tag 1000 Euro.“ Im Nordhorner Delfinoh-Hallenbad hingegen wurde der DLRG angeboten, die Bezirksmeisterschaften im Rettungsschwimmen kostenfrei durchzuführen. „Uns hat es im Linus immer gefallen“, betont Otte. Doch 1000 Euro seien nun einmal 1000 Euro. Auch für die Ortsgruppe in Haselünne werden laut Egbers keine Nutzungsgebühren veranschlagt.

Keine weiteren Investitionen für Jugendarbeit möglich

Im Jahr 2017 zahlte die Ortsgruppe Holthausen-Biene für die Bahnmiete mehr als 2600 Euro sowie zuzüglich 328 Euro für die „Zwergengruppe“. Dabei handelt es sich um die Kinder, die sich gerade das Seepferdchen-Abzeichen erschwommen haben. Von den DLRG-Teilnehmern würden außerdem 50 Cent beziehungsweise ein Euro eingesammelt. Egbers nennt dafür den Grund: „Ohne diese kleinen Beiträge kämen wir auf das Jahr gesehen sonst wegen der Nutzungsgebühren nicht über die Runden.“ Dabei betont Egbers die Wichtigkeit der DLRG: „Wir bringen Kindern das sichere Schwimmen bei und einige unserer Mitglieder stehen zudem dem Linus als Aushilfen im Rettungsschwimmen zur Verfügung.“ Die hohen Preise der Sportschwimmhalle in Lingen seien mitunter ein Grund, dass nicht mehr in die Jugendarbeit oder einen neuen DLRG-Bulli investiert werden könne.

Prinzipiell mit Linus-Kooperation zufrieden

Tauchclub Hydra Lingen: Der Tauchclub Hydra zählt ebenfalls zu den Gruppen, die in der Sportschwimmhalle trainieren. „Wir sind zunächst nur in der Wintersaison betroffen, also von November bis Ostern. Unser Problem besteht eher in den Uhrzeiten für die Buchung von Bahnen im Lingener Schwimmbad“, erläutert der Vorsitzende Christoph Wallmann.  Für Hydra sei der finanzielle Aspekt weniger gravierend. Dennoch habe es laut Wallmann bereits ein Treffen mit dem SV Blau-Weiß gegeben, um über die angebliche Benachteiligung von Wassersportvereinen in Lingen zu reden. „Wir sind prinzipiell mit der Linus-Kooperation zufrieden, aber es gilt sicherlich die Frage der Gleichstellung von Sportvereinen in Lingen zu klären“, sagt Wallmann.

Stadt verweist auf Zuschuss

Die Lingener Stadtwerke als Betreiber des Linus verweisen darauf, dass sie ein Wirtschaftsbetrieb seien und die laufenden Betriebskosten berücksichtigen müssten. Des Weiteren verweisen sich die Stadtwerke auf die Stellungnahme der Stadt Lingen. „Die Stadt Lingen fördert die Nutzung der Linus Lingen Wasserwelten zu Trainingszwecken durch die Lingener Schwimm- und Tauchsportvereine finanziell“, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion. Insgesamt zwölf Vereine würden das Sportbecken des Linus nutzen. Die Trainingszeiten dieser Vereine seien im vergangenen Jahr mit rund 52.430 Euro bezuschusst worden. Dies entspreche im Durchschnitt etwa 45 Euro pro gemeldetem Vereinsmitglied.  Ebenso wie alle anderen Vereine, die im Linus trainieren, sei auch der SV Blau-Weiß Lingen seitens der Stadt dementsprechend finanziell gefördert worden.

Weiterhin übernehme die Stadt Lingen die Bahnmiete bei den jährlich vom SV Blau-Weiß ausgerichteten Meisterschaften der Schulen in kompletter Höhe. Darüber hinaus fördere die Stadt auch Sonder- beziehungsweise Wettkampfveranstaltungen mit bis zu 510 Euro, wenn die Voraussetzungen nach den Sportförderrichtlinien, beispielsweise bei einem überregionalen Wettkampf, erfüllt seien. „Grundsätzlich weist die Stadt Lingen darauf hin, dass alle Sportvereine in Lingen, die Mitglied im Kreissportbund sind, im Rahmen der Sportförderrichtlinien und der Sportstättennutzungsordnung gleich behandelt werden“, heißt es abschließend.

Klein sucht das Gespräch

„Was die Sportstättennutzung anbelangt, fühlen wir uns, im Vergleich zu anderen Sportvereinen, benachteiligt“, betont Norbert Klein. Er hofft deshalb auf ein Gespräch mit der Stadt und den Stadtwerken, um zu einem „vernünftigen Konsens zu gelangen“.

„Ich hoffe, dass der Schwimmsport durch die wettkampfgerechte neue Schwimmhalle einen kräftigen Schub bekommen wird“, hatte der ehemalige Oberbürgermeister Heiner Pott 2009 zu Beginn der Bauarbeiten für die Sportschwimmhalle hervorgehoben.  Dies ist laut Klein nicht eingetroffen.

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