Unfallstatistik 2017 Weniger Tote, aber mehr Schwerverletzte im Emsland

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Lingen. Die Anzahl der Verkehrstoten auf den Straßen des Emslandes und der Grafschaft Bentheim ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. 2017 starben im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim 19 Menschen, im Vorjahr waren es 31.

Angestiegen ist dagegen die Anzahl der Schwerverletzten – von 522 im Jahr 2016 auf 575 im vergangenen Jahr. Hauptunfallursachen sind unangepasste Geschwindigkeit und Drogen. Diese Zahlen aus der amtlichen Statistik nannte am Mittwoch der Leiter der Polizeiinspektion, Karl-Heinz Brüggemann in Lingen. Die gestiegene Anzahl der Schwerverletzte hebe die Region vom bundesweiten Trend ab, dort seien die Zahlen rückläufig, so Brüggemann: „Daran müssen wir noch arbeiten.“

In den 70ern bis zu 100 Tote

Bei der rückläufigen Anzahl der Verkehrstoten verwies Brüggemann auf die langfristige Entwicklung. Es habe Jahre im Emsland mit 70 Toten auf den Straßen gegeben, in den 1970er Jahren seien es sogar bis zu 100 gewesen. Als Gründe für die Entwicklung nannte Brüggemann neben der Aufklärungsarbeit durch Polizeiinspektion und Landkreis die Verbesserungen im Rettungswesen und die Entwicklung der Sicherheitstechnik in den Fahrzeugen.

Brüggemanns Helm-Appell

Die Verkehrstoten starben bei insgesamt 19 Unfällen im Jahr 2017. Drei getötete Radfahrer, allesamt Senioren, hätten laut Brüggemann den Unfall vermutlich überlebt, wenn sie einen Helm getragen hätten. „Wir appellieren an alle Radfahrer, Helm zu tragen“, sagte der Inspektionsleiter: „Der Kopf ist nun einmal die empfindlichste Stelle. Alles andere lässt sich soweit regeln, beim Kopf wird es schwierig.“ Es fehle immer noch die Einsicht, dass ein Helm helfe, die Schwere der Verletzungen zu mildern, so Brüggemann: „Bei Kindern klappt das schon ganz gut. Allerdings nur so lange, wie die Frisur noch keine Rolle spielt.“

Linksseitige Radwege

Einen leichten Rückgang verzeichnet die Polizei bei den Unfällen mit Fahrradbeteiligung von 650 im Jahr 2016 auf 633. Rein statistisch hat laut Brüggemann allerdings die Anzahl der Unfallopfer mit Pedelecs und E-Bikes zugenommen (von 54 auf 92). Das entspreche allerdings im wesentlichen dem Anstieg des Aufkommens dieser Fahrzeuge insgesamt.

Häufig übersehen

Dem polizeilichen Verkehrsunfallexperten Klaus Hackmann zufolge sind Radfahrer insbesondere durch zwei Aspekte gefährdet. Die Nutzung linksseitiger Radwege führt laut Hackmann häufig dazu, dass sie an Grundstücksausfahrten oder Kreuzungen übersehen werden. Die selbe Gefahr droht den Zweiradfahrern laut Hackmann auch dann, wenn Kreisverkehre – in der Regel unerlaubt – linksherum durchfahren werden.

Bei den Unfallursachen insgesamt steht laut Brüggemann im Emsland und der Grafschaft neben Geschwindigkeit der Konsum von Alkohol und Drogen „ganz oben“. Die Anzahl der polizeilich registrierten Unfälle unter Alkoholeinfluss liegt seit vielen Jahren relativ konstant. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 208. Einen steilen Anstieg verzeichnet die Polizei bei den Unfällen unter Beteiligung von Betäubungsmitteln und Medikamenten – von 14 im Jahr 2016 auf 29 im vergangenen Jahr.

Oft fehlt das Wissen

Bei den Betäubungsmitteln vermutet Brüggemann unter anderem die sich ändernde Rolle dieser Stoffe in der Gesellschaft. Bei den Medikamenten fehle Brüggemann zufolge häufig schlicht das Wissen um deren Wirkung und empfiehlt: „Lesen Sie mal das Kleingedruckte auf dem Beipackzettel einer normalen Kopfschmerztablette.“

Viele Unfallfluchten

Auf einem hohen Niveau bewegt sich Brüggemann zufolge auch die Anzahl der Verkehrsunfallfluchten. Für das vergangene Jahr weist die Statistik 2261 derartige Fälle auf – fast die Hälfte davon wurde aufgeklärt. Laut Brüggemann wäre es für die Flüchtenden „deutlich einfacher, wen sie nicht einfach wegfahren“. Wenn ein Fall aufgeklärt werde, folge in aller Regel Ärger mit der eigenen Versicherung,gibt Inspektionsleiter Brüggemann zu bedenken: „Ich appelliere an die Fairness der Verkehrsteilnehmer. Unfallflucht ist platt gesagt eine Sauerei.“


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