Prozess vor Landgericht Hat Taxifahrer in Lingen Tod eines Unfallopfers in Kauf genommen?

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Mit einem schweren Verkehrsunfall, der sich Ende Januar in Lingen-Brögbern 2017 ereignete, befasst sich derzeit das Landgericht Osnabrück. Symbolfoto: Michael GründelMit einem schweren Verkehrsunfall, der sich Ende Januar in Lingen-Brögbern 2017 ereignete, befasst sich derzeit das Landgericht Osnabrück. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Vor dem Landgericht hat am 11. April 2018 die Aufarbeitung eines schweren Verkehrsunfalls in Lingen-Brögbern begonnen, bei dem ein Fußgänger Ende Januar 2017 lebensgefährlich verletzt wurde.

Angeklagt ist ein 69-Jähriger, der nach dem Zusammenstoß geflüchtet sein und sich damit des versuchten Totschlags durch Unterlassen schuldig gemacht haben soll. Etwa gegen 4.30 Uhr an einem frühen Sonntagmorgen war der Fußgänger nach einem Disko-Besuch auf der Bremer Straße in Brögbern in der Nähe einer Ampelkreuzung von einem Fahrzeug erfasst und mehrere Meter durch die Luft geschleudert worden. Während das Auto seine Fahrt fortsetzte, war der Mann mit schwersten Verletzungen auf der Straße liegengeblieben.

Schwerste Verletzungen

Nur wenige Minuten später war ein mit zwei Personen besetztes Taxi an der Stelle vorbeigefahren, hatte den hilflos auf der Straße liegenden Verletzten gesehen, angehalten und Rettungskräfte und Polizei herbeigerufen. Der Notarzt hatte schwerste Verletzungen festgestellt, im Uni-Krankenhaus Münster waren unter anderem Quetschungen beider Lungenflügel Leberquetschungen, innere Blutungen diagnostiziert worden. Dort war das Unfallopfer bis Ende März intensiv-medizinisch behandelt worden.

Taxizentrale informiert

Die Anklagebehörde hält den 69-Jährigen aus Lingen für den Unfallflüchtigen. Er soll zu besagter Zeit mit seinem Taxi auf einer sogenannten Leerfahrt die B 213 in Richtung Lingen befahren haben. Von unterwegs soll er die Taxizentrale in Lingen davon in Kenntnis gesetzt haben, sein Fahrzeug an einer Verkehrsinsel „kaputtgefahren“ zu haben. Etwa eine Stunde nach dem Geschehen hatte sich der Angeklagte damals mit einem Bekannten zur Polizei begeben und einen Unfall angezeigt.

Deutliche Schäden am Auto

Zum Prozessauftakt wurden Fotos des VW-Caddys gezeigt, der deutliche Schäden im Bereich der linken Front aufweist: Der Scheinwerfer ist völlig zertrümmert, die Motorhaube eingedrückt und die Fahrerseite der Frontscheibe weist ein Loch auf und ist komplett zerstört.

Angeklagter schweigt

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte das Opfer bewusst in der Hoffnung zurückgelassen habe, dieses werde sterben, um damit seine Tat verschleiern zu können. Der 69-Jährige machte zu Beginn des Verfahrens von seinem Recht zur Aussageverweigerung Gebrauch. Das Gericht soll nun mithilfe von Zeugen und Sachverständigen den kompletten Verlauf des Unfalls rekonstruieren sowie den Tatbeitrag des Angeklagten klären. Ihm wird vorgeworfen, den Unfall wegen seiner nicht an die äußeren Witterungsbedingungen angepassten erhöhten Geschwindigkeit verschuldet zu haben. Dokumentierte GPS-Auswertungen des Fahrzeugs aus dieser Nacht weisen Spitzenwerte von bis zu 130 km/h aus. Das Verfahren wird fortgesetzt.

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