Entscheidung des Landgerichts Besucher des Lingener Weihnachtsmarkts gefährdet: Mann muss in Klinik

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Ein psysisch gestörter Mann, der 2016 mit einem gestohlenen Auto über den Lingener Weihnachtsmarkt gerast ist, muss sich in medizinische Behandlung geben. Das hat das Landgericht Osnabrück entschieden. Foto: Friso Gentsch/dpaEin psysisch gestörter Mann, der 2016 mit einem gestohlenen Auto über den Lingener Weihnachtsmarkt gerast ist, muss sich in medizinische Behandlung geben. Das hat das Landgericht Osnabrück entschieden. Foto: Friso Gentsch/dpa

Osnabrück. Im Zustand der Schuldunfähigkeit hatte ein 32-Jähriger vor anderthalb Jahren ein Auto gestohlen und anschließend damit Besucher des Weihnachtsmarktes in Lingen gefährdet. Das Landgericht in Osnabrück hat deshalb die Unterbringung des psychisch kranken Mannes in einer Fachklinik angeordnet, den Vollzug aber zur Bewährung ausgesetzt.

Was war geschehen: Der aus Bielefeld stammende damals 30-Jährige war an jenem Tag aus bis heute noch nicht restlos geklärten Gründen in Lingen unterwegs. Gegen 20 Uhr hatte er, einzig mit einem T-Shirt und einer kurzen Hose bekleidet, dem Auslieferungsfahrer einer Pizzeria, der gerade in der Großen Straße eine Bestellung ablieferte, das mit laufenden Motor abgestellte Auto gestohlen. Der Bote versuchte noch den Diebstahl zu verhindern, in dem er sich auf das Einstiegsblech der geöffneten Fahrertür stellte, war jedoch abgesprungen, als der Dieb Gas gab und Richtung Weihnachtsmarkt lenkte. Dabei hatte er sich am Fuß verletzt.

Passanten retten sich durch Sprung zur Seite

Der Beschuldigte war daraufhin bis zu den ersten Buden gefahren. Auf der kurzen Strecke dorthin konnten sich mehrere Passanten nur durch einen Sprung zur Seite aus der Gefahrenzone bringen. Wie Zeugen des Geschehens darstellten, hatte der Beschuldigte das Fahrzeug auf ein Tempo geschätzt zwischen 30 bis 50 Stundenkilometern beschleunigt. Vor den Buden war er abgebogen und hatte das Auto kurze Zeit später am Straßenrand abgestellt, wo er dann von der Polizei gestellt worden war.

Gefahr für die Allgemeinheit

Der 32-Jährige ist psychisch krank und leidet unter einer schizo-affektiven Störung. Zur Zeit des Geschehens befand er sich, wie ein Sachverständiger dem Gericht dargelegt hat, infolge eigenmächtigen Absetzens der notwendigen Medikamente in einem manischen Zustand. Dem Gutachten nach war er somit schuldunfähig. Da der Beschuldigte bereits in der Vergangenheit durch Verstöße, die eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer dargestellt hatten, straffällig geworden ist, hatte das Gericht wegen der von ihm für die Allgemeinheit ausgehenden Gefahr seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus zu prüfen.

Gefahr durch Medikamente gebannt

In ihrem Urteil folgte die Große Strafkammer der Einschätzung des Sachverständigen, dass „genau die gleiche Tat ein weiteres Mal geschehen könnte“. Aus diesem Grund sei die Voraussetzung für eine Unterbringung gegeben, die ja auch ausgesprochen wurde. Jedoch hat sich inzwischen die Einsicht des Beschuldigten in seine Krankheit sowie die Zustimmung zur Behandlung elementar gegenüber der Zeit des Geschehens verändert. Seit mehr sucht er regelmäßig den behandelnden Arzt auf, wo er ein Depotmittel gespritzt bekommt. Dabei wird er auch jedes Mal in Augenschein genommen. „Der Gutachter hat versichert, die manischen Phasen, die zu einer Straftat führen können, brechen nicht spontan aus, sondern kündigen sich lange vorher durch Verhaltensveränderungen an. Darauf kann der behandelnde Arzt reagieren“, so der Vorsitzende der Kammer. Erhalte er seine Medikamente regelmäßig, sei die von ihm ausgehende Gefahr gebannt.

Kontrolle durch Facharzt

Die Aussetzung der Strafe erfolgt auf die Dauer von drei Jahren. In dieser Zeit muss er stetigen Kontakt zu einem Bewährungshelfer halten, Der Beschuldigte muss alle 14 Tage beim Facharzt zum Erhalt des Depotmedikaments erscheinen, der auch seine psychische Befindlichkeit kontrolliert. Zusätzlich wurden Bluttests im Abstand von vier Wochen angeordnet. Bei einem Verstoß wird sofort die Unterbringung durch das Gericht erfolgen. Zudem wird dem Beschuldigten auf die Dauer von sechs Jahren das Führen eines Fahrzeugs untersagt.


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