Gut verpackte Seitenhiebe Erstklassiges A-capella-Programm mit LaLeLu in Freren

Von Peter Löning


Freren. Dass Auftritte von A-cappella-Ensembles gern im Zeichen von Comedy stehen, davon gehen wir inzwischen beinahe selbstverständlich aus. Wenn dann sowohl komödiantisch wie auch musikalisch ein erstklassiges Programm wie von LaleLu in Freren, geboten wird, ist das allerdings erwähnenswert.

Das Hamburger Gesangsquartett hat bei seinem Gastspiel in Frerens Alter Molkerei, das amüsierte Publikum sehr begeistert.

„Muss das sein?! – Das Trendprogramm“ nahm dabei so einiges aufs Korn, das sich in der Vergangenheit trendig unmerklich in unser Leben schleichen konnte. So traf es so hippe Trends wie vollbärtig mit zu kurzen Hosen und sockenlos Brillen mit Fensterglas zu tragen und dabei durchoptimiert immer gut drauf zu sein. LaLeLu sagt: „Schlechte Laune ist Trump(f)! Finde deinen inneren Bosporus!“

Lebendig vorgetragene Songs

Mit gekonnt arrangierten und lebendig vorgetragenen Songs aus allen erdenklichen Ecken musikalischer Stilrichtungen geht es in dem Programm auf Partnersuchende am Handy („Love Me Tinder, Love Me True“), um Phobien auf Autofahrten, um die Nöte und Belange von Callcenter-Mitarbeitern und schlechtes Fernsehen. So gab es hier frei nach Astro-TV gesungene Horoskope für die Emsländer. In einer eigenen Folge von „Sing meinen Song“ (VOX verantwortet das Original) traten hier überaus lustig Udo gegen Udo an, sich gegenseitig ihre Hits vorzusingen.

Fabelhafte Stimmenimitationen

Ein eigenes Kapitel der Show ist die Stimmenimitation – ein fast vergessenes Genre, das Tobias Hanf, der fabelhafte Bassist des Ensembles meisterlich beherrscht und so die gesamte derzeitige Promi-Riege nach Freren holte; inklusive der so alternativlosen Kanzlerin.

Sanna Nyman als musikalisches Highlight

Musikalisches Highlight, ganz ohne lustig, war das weltmusik-jazzig gefärbte Lied „Ondeia“. Sanna Nyman – die Finnin ist die Frauenstimme im Ensemble – hüllte hier, von den „Jungs“ begleitet, die Butterhalle in betörenden Wohlklang . Eine wunderschöne Nummer.

Siebenminütige Komplett-Oper

Brutal albern hingegen kam eine siebenminütige Komplett-Oper mit Ouvertüre, verwickelter Liebesgeschichte, Bluttat und großem Finale, welches im Übrigen niemand überlebt. Bariton Jan Melzer („ich bin wirklich in Thuine geboren“) übernahm dabei glanzvoll die Rolle der jungen schönen Lena.

Hunde-Medley

Zwischen allen lockeren Gags fanden sich bei näherer Betrachtung gut verpackt teilweise heftige Seitenhiebe auf Themen wie Ausländerfeindlichkeit oder Flüchtlingselend – ein Weg der hier herrlich funktioniert und mit einem Lächeln geschluckt wird. „Wissen Sie, wieso Herr Krause keine Haare mehr hat? – Der Neger hat krauses Haar.“

Im krachenden Hunde-Medley heißt es: „Bello, Bello impossibile“ und „Gib mir mein‘ Hund zurück, ich will deine Katze nicht“…