Vermutlicher Täter schweigt Angeklagter nach Mord in Lingen „wie eine Statue“

Von Sven Lampe

Zwei Männer müssen sich derzeit vor dem Landgericht Osnabrück wegen des Vorwurfs verantworten, im vergangenen Jahr in Lingen einen 19-Jährigen ermordet zu haben.. Symbolfoto: Michael GründelZwei Männer müssen sich derzeit vor dem Landgericht Osnabrück wegen des Vorwurfs verantworten, im vergangenen Jahr in Lingen einen 19-Jährigen ermordet zu haben.. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück/Lingen. Zwei Männer sollen im vergangenen September gemeinsam wegen 500 Euro in Lingen einen 19-Jährigen ermordet haben. Am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Osnabrück sprudelte es aus einem der Angeklagten heraus. Der andere wollte nichts sagen.

Der jetzt 21-jährige Angeklagte B. bestätigte in wesentlichen Punkten das von der Anklage geschilderte Geschehen in der fraglichen Nacht des 30. September 2017. Zugleich betonte er seine Passivität beim Geschehen und seine damalige Verwunderung über das, was sich innerhalb weniger Minuten in dem Waldstück in der Nähe der Berufsbildenden Schulen am Schwarzen Weg abgespielt haben soll. Er selbst sei von der Tat des Mitangeklagten A. völlig überrascht gewesen. Vor lauter Angst, dass es ihn als nächstes treffen könnte, sei er wie gelähmt und nicht in der Lage gewesen, Hilfe zu holen. „Ich hab da gestanden wie eine Statue“, sagte B.: „Sie glauben nicht, wie schnell ein Mensch innerhalb von drei Minuten stirbt.“

Flüchtig miteinander bekannt

Seinen Worten zufolge waren die beiden flüchtig miteinander bekannten Männer mit dem späteren Opfer in der Unterkunft eines gemeinsamen Bekannten aufeinandergetroffen. Dort wollen sie Alkohol getrunken und Drogen genommen haben. Der Angeklagte gab an, Cannabis und Ecstasy konsumiert zu haben. Der heute 38-jährige A. hatte sich B. zufolge Heroin gespritzt. Während des Treffens soll das spätere Opfer erwähnt haben, dass es Geld bekommen habe und gefragt, ob man in der Diskothek „Joker“ feiern wolle.

Spirituosenflasche an Tankstelle gekauft

Gemeinsam sei man dann mit einem Taxi zu einer Tankstelle gefahren. Dort kauften sie eine Spirituosenflasche, die im weiteren Verlauf des Abends noch eine wesentliche Rolle spielen sollte. An der Diskothek sei die Stimmung dann etwas gekippt. B. vermutet, dass ein kurzer Streit zwischen A. und dem Opfer darauf beruht habe, dass der 19-Jährige von seiner ursprünglichen Absicht, seine Begleitern den Eintritt in die Diskothek zu bezahlen, abgerückt sei.

Tritte auf den Kehlkopf

Zu später Stunde seien die drei dann gemeinsam den Schwarzen Weg entlang in Richtung Haselünner Straße gegangen. Dort habe sich A. dann B. zugewandt und sich mit dem Daumen an der Kehle entlang gestrichen. Niemals, so B., hätte er gedacht, dass das ein Zeichen dafür gewesen sein sollte, dass der 19-Jährige getötet werden soll. Etwa eine halbe Minute später habe A. dann gesagt, dass er im Wald urinieren müsse und die anderen gebeten, mit ihm zu kommen. Dann sei alles sehr schnell gegangen, so B.: „Drei, vier Sekunden später hat A. ihm die Flasche schräg seitlich an den Kopf geschlagen“, dann von hinten gewürgt und anschließend mehrfach auf den Kehlkopf getreten. B. zufolge habe A. zu ihm gesagt, er müsse das tun, weil der 19-Jährige ansonsten zur Polizei gehen würde.

Schnittwunde an der Hand

Laut B. habe er dann auf A.s Aufforderung dabei geholfen, den Toten tiefer in den Wald zu ziehen und mit Holz zu bedecken. Anschließend machten sich B. und A. der sich bei der Tat eine tiefe Schnittwunde an der Hand zugezogen hatte, wieder auf zu ihrem gemeinsamen Bekannten, um dort die blutverschmierte Kleidung zu wechseln.Dort habe A. ihm Geld angeboten — wohl einen Teil der Beute. Das Opfer soll rund 500 Euro bei sich gehabt haben. B. will das Geld jedoch zurückgewiesen haben. Nach dem Geschehen sei er zu einem Cousin nach Osnabrück gefahren und dort bis zu seiner Verhaftung vier Wochen später geblieben, sagte B. „Ich brauchte jemanden, mit dem ich reden konnte.“ Der Prozess wird fortgesetzt.