„Monsieur Claude und seine Töchter“ Viel Applaus für französische Komödie im Lingener Theater

Von Meike Blunk

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Lingen. Mit einer schwungvollen Theaterfassung (von Stefan Zimmermann) des erfolgreichen französischen Kinofilms „Monsieur Claude und seine Töchter“ überzeugte das 13-köpfige Ensemble der a.gon-Theater GmbH München im ausverkauften Theater an der Wilhelmshöhe mit großer Spielfreude. Es sorgte für humorvolle Unterhaltung mit nachhaltigem Mehrwert.

In der von Philipp de Chauveron und Guy Laurent kreierten Handlung geht es um den konservativen Notar Claude Verneuil und seiner Frau Marie, die durch die Partnerwahl ihrer vier Töchter mit ihren eigenen Vorurteilen und rassistischen Ansichten konfrontiert werden. Claude und Marie sind katholisch. Nachdem ihre drei ältesten Töchter Männer geheiratet haben, die allesamt keine Katholiken sind, setzten sie die Hoffnung auf ihre jüngste Tochter Laura, doch noch zu einem katholischen Schwiegersohn zu kommen. Doch natürlich kommt es anders als gewünscht.

„Das Komische braucht immer eine dramatische Situation“

Zimmermann, der auch Regie führte, konzentrierte sich dabei auf den Spannungsbogen zwischen Komik und Tragik. Im Programmheft lässt er den Autor de Chauveron zu Wort kommen: „Das Komische braucht immer eine dramatische Situation, um zu wirken“. Damit unterstreicht Zimmermann auch seinen Inszenierungsansatz, mit dem Lachen etwas Befreiendes und Verbindendes herzustellen. Mit den klar strukturierten und temporeich ineinander gehenden Spielsequenzen sowie der authentischen Besetzung kam dies auf wunderbare Weise zum Tragen.

Provokante Pointen

Provokant wirkende und gut ausgespielte Pointen setzten den Fokus darauf, zu zeigen, dass trotz der multikulturellen Vielfalt, immer noch Berührungsängste und klischeehaftes Denken den Alltag bestimmen und für manche Irritationen oder innerfamiliäre Turbulenzen sorgen können. Lauras Auserwählter, der Schauspieler Charles, ist zwar Katholik, doch seine schwarze Hautfarbe löst bei ihren Eltern einen erneuten Vorbehalt und auch Enttäuschung aus. Charles weiß jedoch auf provokante Weise damit umzugehen. Er fragt Laura, in Gegenwart ihrer Eltern: „Hättest du mich nicht vorher warnen können, dass deine Eltern weiß sind?“

Spiel mit Klischees

Das Spiel mit bestimmten Klischees entpuppt sich mit temperamentvollen Dialogen sogar als deren Entlarvung. Das Aufeinanderprallen von Vorurteilen führt schließlich in der Begegnung mit Charles Eltern, die für die Hochzeit von der Elfenbeinküste angereist sind, zum gewieften Spiel im Spiel. Dabei entstehen sogenannte Schlüsselmomente, die ein Bewusstsein erweckendes Ausmaß haben. Und sie bewahren Lauras Eltern davor, sich zu trennen.

Denkanstöße für Toleranz

Marie war zuvor immer einen Schritt weiter als Claude in der Art und Weise wie sie ihre Schwiegersöhne und dessen Religionen beziehungsweise Hautfarbe tolerieren wollte. Dass Charles Vater ebenso von Vorurteilen gegenüber Weißen geprägt ist, macht neben der dramatischen Zuspitzung auch einen humorvollen Reiz aus. Das Publikum bekam mit der Geschichte und der verdichteten Spielweise unterschiedliche Haltungen und Identifikationsmöglichkeiten präsentiert, die im Ganzen betrachtet, ein anregendes Modell für Toleranz und ein friedvolles Miteinander darstellt, für das sich die Zuschauer mit kraftvollem Applaus bedankte.


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