Kandidaten der Oberbürgermeisterwahl 2018 Krone und Koop und die Perspektiven für Lingen

Von Thomas Pertz


Lingen. Oberbürgermeisterwahl 2018: Welche Perspektiven für die Stadt Lingen haben die Oberbürgermeisterkandidaten der Stadt Lingen, Dieter Krone und Robert Koop? Äußern sollten sie sich zu den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Verkehr, Soziales und Kultur.

Wirtschaft

Dieter Krone: Der Wirtschaftsraum Lingen sticht in der Region mit hervorragenden Kennzahlen und einem einzigartigen Branchenmix aus klein- und mittelständischen Familienunternehmen sowie internationalen Konzernen hervor. Mit rund 3600 Betrieben, über 27 500 Beschäftigten und einer Arbeitslosenquote von 2,4 Prozent sind wir wirtschaftlich das „Bayern des Nordens“. Diese Fakten sind Segen und Fluch zugleich. Mehr denn je wird es daher zukünftig darauf ankommen, qualifizierte Fachkräfte für Lingen zu gewinnen. Mittels einer aktiven Wirtschaftsförderung, die ich vor drei Jahren zur Chefsache gemacht habe, gilt es neben der Bereitstellung ausreichender Gewerbe- und Industrieflächen die Entwicklung zum modernen Technologie- und Forschungszentrum voranzutreiben. Die enge Verzahnung der Hochschule und des IT-Zentrums mit der Wirtschaft ist der Innovationstreiber für neue digitale Geschäftsmodelle in den Bereichen Mittelstand 4.0 und Industrie 4.0, auch in der breiten Unterstützung von Start-up-Unternehmen. Grundlage ist der flächendeckende Ausbau mit schnellem Glasfaser und Mobilfunk. Der klassische Energieerzeugungsstandort Lingen wird eine Transformation zur „Smart Energy City“ erfahren, in der durch dezentrale Versorgung, die Herstellung von Wasserstoff und durch intelligente Netze nachhaltige Speichertechnologien zur Anwendung gelangen.

Robert Koop: Meine Antwort: Digitalisierung. Sie ist die Hauptaufgabe für mich als Oberbürgermeister. Ortsteile brauchen intakte, gesicherte Nahversorgung. Sie soll sich auf die Kernstadt stützen und sie ergänzen. Um Fachkräftemangel zu begegnen, muss der Oberbürgermeister persönlich um Arbeitskräfte werben, z. B. um top-qualifizierte Frauen, die auswärts arbeiten, weil sie in Lingen nichts finden. Neu-Lingenern soll ein „Willkommen-Zentrum“ unkompliziert Serviceleistungen aus einer Hand bieten, von der Wohnungssuche über Schulen für die Kinder, die Anerkennung von Berufs- und Studienabschlüssen und mehr. Zusammen mit der Wirtschaft müssen wir Rückkehr-Stipendien entwickeln und so Fachkräfte ins Emsland holen. Klar ist aber auch, dass die Unternehmen besser bezahlen müssen. Die Kernstadt muss gestärkt werden. Ihren seit acht Jahren quasi geförderten „Weg in den Leerstand“ werde ich stoppen und umkehren. So will ich aktiv Burgstraße und Große Straße helfen und den Wochenmarkt ausbauen. Am Pferdemarkt soll ein Gerichtszentrum entstehen, also das Arbeitsgericht dorthin umziehen, und ein Sozialgericht kommen, das zurzeit nur in Osnabrück vorhanden ist. Handwerksbetriebe, Einzelhändler und „Start-ups“ – vor allem aus der Hochschule – will ich klug fördern, und zwar durch mehr als billige Grundstücksangebote wie bisher.

Bildung

Dieter Krone: Gute Bildung ist der Schlüssel, um Chancengerechtigkeit und Perspektiven für die Zukunft zu bieten. Deshalb soll unser vielfältiges Bildungssystem kontinuierlich weiterentwickelt werden. Dazu zählen der massive Ausbau unserer Krippen- und Kitaplätze – zukünftig auch in städtischer Trägerschaft – sowie die Sanierungen und Erweiterungen unserer städtischen Schulen, sodass nachhaltige Inklusion gelingen kann. Alle Ganztagsschulen sollen mit modernster Technik und digitalen Medien ausgestattet und mit breiten Förderangeboten versehen werden. Die über das Stadtgebiet zahlreich verstreuten Seminarorte der Volkshochschule sollen zukünftig an einem Standort gebündelt werden. Der Campus Lingen soll verstärkt mit innovativen Laborzentren zum Taktgeber für Forschung und Lehre in der Region werden.

Robert Koop: Betreuungsplätze für alle kleinen Kinder– kostenfrei, nah an Wohnung oder Arbeitsplatz und flexibel in den Zeiten. Das ist unbedingte Voraussetzung für eine familienfreundliche Stadt. Zusammen mit Unternehmen und Einrichtungen will ich für Kinder Berufstätiger neue Ganztags-Kitas in der Innenstadt schaffen, schon weil dies zu freien Kita- und Krippen-Plätzen in allen Orts- und Stadtteilen führt. Unsere Schulen sollen wirklich inklusiv sein, und sie müssen ihre Aufgaben ohne Mobil-Container auf dem Schulhof bewältigen. Modernisieren wir unsere Schulen und bauen sie aus! Die VHS soll stärker werden, auch mit Blick auf die Integration der Zuwanderer. Dazu will ich sie inhaltlich ertüchtigen und verbessern und als Schlüssel für die Digitalisierung nutzen. Mein Ziel: Lingen wird eigenständiger Hochschulstandort.

Verkehr

Dieter Krone: Die Verkehrsbelastungen nehmen aufgrund der attraktiven Angebote im Veranstaltungs-, Einkaufs- und Arbeitsplatzsektor weiter zu. Allein 14 500 tägliche Berufspendler aus den umliegenden Städten und Gemeinden sorgen in den Stoßzeiten morgens und abends für längere Wartezeiten. Insbesondere der Innenstadtring und die Ausfallstraßen verzeichnen besonders hohe Verkehrsdichten und Staus. Daher soll ein intelligentes Verkehrs- und Parkleitsystem entwickelt werden, um den Verkehrsfluss zu optimieren und Umweltbelastungen, wie Feinstäube und Stickoxide, zu reduzieren. Das Stadtbussystem, unsere Lili, trägt mit über 250 000 Fahrgästen jährlich erheblich zu dieser Entlastung bei, soll aber weiter verbessert werden. Zur Attraktivierung von Elektromobilität werde ich die Infrastruktur mit Schnellladesäulen und Carsharing-Angeboten intensivieren. Parallel soll der umweltfreundliche Radverkehr als effektive Alternative zur Verkehrsentlastung im Verkehrskonzept deutlich ausgebaut werden.

Robert Koop: Die ständigen Staus zeigen: Es fehlt jedes Verkehrskonzept. Das will ich ändern. Wer will, soll mit dem Rad zur Arbeit fahren, auf Premiumradwegen auch zwischen den Ortsteilen und der Kernstadt. Mein Plan „Faires Parken“ führt zu mehr verfügbaren Parkplätze mit preiswerteren, gerechten Gebühren und so zur notwendigen Belebung der Innenstadt. Der Lili-Bus muss endlich ein Stadtbus für alle sein –mit WLAN an den Haltestellen sowie „on board“, mit Bussen ohne Dieselantrieb und einem günstigen Bürgerticket für Job und Freizeit! Zu meinem Konzept gehört natürlich – für die Zeiten ohne Lili – das Anrufsammeltaxi (AST). Die Umgehungsstraße muss sich dem steigenden Verkehrsaufkommen anpassen. Daher muss sie mindestens zwischen Darme und Damaschke 3-spurig ausgebaut werden. Fehler bei der Verkehrsplanung der Emslandarena werde ich abstellen. Ein Monate ausgefallener Fahrstuhl im Bahnhof ist beschämend: Wir brauchen also einen barrierefreien Zugang zu Gleis 2 des Bahnhofs.

Soziales

Dieter Krone: Lingen wächst – über 3000 neue Bürgerinnen und Bürger mit Hauptwohnsitz sind in den letzten Jahren nach Lingen gezogen. Deshalb haben wir eine angespannte Wohnungsmarktsituation. Durch die verstärkte Ausweisung von ausreichend Bauland wollen wir die Basis für bezahlbaren und vielfältigen Wohnraum sowohl in den Ortsteilen als auch in der Innenstadt für alle Generationen schaffen. Der Themenkomplex Gesundheit und Pflege in unserer älter werdenden Gesellschaft verlangt zukünftig besonderes Augenmerk. So bedeutet eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung in der Fläche eine hohe Lebensqualität. Ebenso sollen neue Pflege- und Betreuungskonzepte realisiert werden. Zur Stärkung und Würdigung unserer lebendigen Vereine und des vielfältigen Ehrenamtes werde ich eine neue Lingener Ehrenamtskarte einführen.

Robert Koop: Das Wichtigste ist bezahlbares Wohnen. Wir müssen endlich anfangen. Unsere Stadt soll mit der neuen Wohnungsbaugenossenschaft bezahlbaren Wohnraum schaffen, auch in den Ortsteilen, Erbbaurechte können Familien beim Bauen finanziell entlasten. Ich unterstütze den Ausbau des bisherigen Modells „Jung kauft Alt“, das leider – wie auch manch anderes bei uns – zu klein geraten ist. Ich wünsche mir sehr gemeinschaftliche Wohnprojekte. Wir brauchen auch sogenannte Demenz-WGs. Im Zentrum setze ich auf neues soziales Wohnen für Familien und Mehrgenerationen. Die skandalösen Vorgänge im Alloheim sind eine ernste Mahnung: Ältere Menschen müssen sicher sein, dass in Pflegeeinrichtungen unserer Stadt ihre Bedürfnisse vor denen von Investoren stehen. Dafür trete ich ein: Pflege im Alter ist künftig Chefsache im Rathaus!

Kultur

Dieter Krone: Hochwertige und vielfältige Kultur- und Freizeitangebote werden im zukünftigen Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte und die Lebensqualität in einer Stadt eine herausragende Rolle spielen. Lingen ist mit seinem breit gefächerten Kultur- und Freizeitangebot aktuell im Ranking schon weit vorn angesiedelt. Dennoch ist noch Luft nach oben. Ich möchte Lingen zur bedeutendsten Kulturmetropole der Region entwickeln. Dabei gilt es unsere Emslandhallen/-Arena zum modernen Messe- und Eventzentrum zu entwickeln, in dem Top-Acts mit Weltstars, erstklassige Messeformate und Spitzensport geboten werden. Ebenso ist die vielfältige Kulturszene etwa im Theater, im TPZ, im Alten Schlachthof oder in der Kunsthalle zu fördern. Im Freizeitbereich setze ich mich für die Errichtung einer Freizeitsport-Indooranlage für Kinder und junge Erwachsene ein.

Robert Koop: Lingen und seine kulturelle Vielfalt werde ich erhalten. Denn ohne Kultur ist alles nichts. Das Jugendzentrum Alter Schlachthof, die Clubs und Kneipen, tragen zum Kulturleben bei. Ein Nachtleben muss möglich sein, eine klassische Sperrstunde schließe ich aus. Die Emslandarena muss der sprichwörtliche Leuchtturm bleiben. Ich wünsche mir aber auch wieder öffentliche Sommerveranstaltungen auf unserem Marktplatz. Die Kivelinge als Aushängeschild Lingens müssen Unesco-Kulturerbe werden. Übrigens: Zur Kulturpolitik gehören für mich auch qualitätsvolle Architektur und konsequenter Denkmalschutz. Die vorbildliche, vom Forum Juden-Christen und allen Oberbürgermeistern der letzten Jahrzehnte entwickelte Erinnerungskultur an die Grauen und Verbrechen der Deutschen im vergangenen Jahrhundert werde ich uneingeschränkt fortführen.

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