19-Jähriger stirbt wegen 500 Euro Prozess wegen Mordes am Schwarzen Weg in Lingen

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Am 16. Oktober 2017 haben drei Schüler am Schwarzen Weg gegenüber der BBS eine Leiche gefunden.Foto: Thomas PertzAm 16. Oktober 2017 haben drei Schüler am Schwarzen Weg gegenüber der BBS eine Leiche gefunden.Foto: Thomas Pertz

Osnabrück/Lingen. Vor dem Landgericht Osnabrück müssen sich jetzt zwei Männer aus Lingen wegen gemeinsamen Mordes verantworten. Die beiden Männer sollen am 30. September vergangenen Jahres in einem Waldstück in Lingen einen jungen Mann getötet und um 500 Euro beraubt haben.

Laut Anklage sollen sich die beiden Angeklagten im Laufe des 29. Septembers — eines Freitags — mit ihrem späteren Opfer getroffen haben.Dabei sollen sie erfahren haben, dass der 19-Jährige eine größere Summe Bargeld bei sich hatte. Daraufhin haben der jetzt 38-jährige Angeklagte A. und der jetzt 21-jährige Angeklagte B. laut Staatsanwalt beschlossen, den Mann auszurauben.

„Opfer sollte getötet werden“

Zur Überzeugung der Staatsanwaltschaft verließen die drei Männer in den frühen Morgenstunden des 30. Septembers gemeinsam die Diskothek „Joker“. Auf dem Schwarzen Weg soll sich der ältere der beiden Angeklagten mit dem Daumen vor seiner Kehle hergestrichen haben. Für den Jüngeren ist damit laut Anklage klar gewesen, dass das Opfer getötet werden sollte.

Spirituosenflasche

Laut Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte A. kurz darauf in einem Waldstück gegenüber der Berufsbildenden Schulen plötzlich eine Spirituosenflasche so stark auf den Kopf geschlagen haben, dass diese zerbrach. Als das getroffene Opfer daraufhin in die Knie sackte, soll A. den 19-Jährigen von hinten in einen Würdegriff genommen und so lange am Hals zugedrückt haben, bis der Mann nicht mehr atmete. Nachdem A. festgestellt habe, dass es noch einen leichten Pulsschlag gab, hat er laut Anklage solange heftig mit dem Fuß auf den Hals seines Opfers getreten, bis er sich sicher gewesen sei, dass der 19-Jährige wirklich tot war.

Drogen und Alkohol

Anschließend, so die Anklage, haben die beiden Männer ihr Opfer ein Stück tiefer in das Waldstück gebracht. Dort soll der Angeklagte A. seinen mitangeklagten Kompagnon aufgefordert haben, das Opfer mit Ästen und Zweigen zu bedecken — was dieser auch tat. Nach dem Geschehen sind die beiden den Angaben zufolge in die in der Nähe des Tatortes gelegene Wohnung eines Bekannten gegangen sein, um dort ihre blutverschmierte Kleidung zu wechseln. Beide Angeklagten haben nach den Worten der Anklage zum Zeitpunkt der Tat unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen gestanden haben.

Jugendkammer

Da die Staatsanwaltschaft sowohl den 38-Jährigen als auch den 21-Jährigen wegen Mordes angeklagt hat, geht sie davon aus, dass auch der Beitrag des eher passiven jüngeren Angeklagten an der Tat erheblich war. So erheblich, dass es sich bei dem Handeln des 21-Jährigen nicht nur um Beihilfe zum Mord handelt. Beihilfe könnte milder bestraft werden als der eigentliche Mord. Der Prozess wird vor der Jugendkammer des Landgerichtes geführt, da der jüngere der beiden Angeklagten zur Tatzeit noch keine 21 Jahre alt war — bis zu dem Alter greift in der Regel das Jugendstrafrecht. Als Heranwachsendem droht ihm eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Dem Angeklagten A. droht für den Fall einer Verurteilung laut Gesetz eine lebenslange Haftstrafe. Die Anklage sieht bei der Tat die Mordmerkmale Habgier und Ermöglichung einer Straftat erfüllt.

Opfer erst Wochen nach der Tat entdeckt

Das Opfer war erst am 16. Oktober — gut zwei Wochen nach seinem Verschwinden — gefunden worden. Drei Schüler hatten den stark verwesten Leichnam zufällig in dem Waldstück gegenüber den Berufsbildenden Schulen entdeckt und die Polizei verständigt. Am 26. Oktober hatte die Polizei dann unter dringendem Tatverdacht die beiden jetzt angeklagten Männer festgenommen. Im Vorfeld der Verhandlung hatte der jüngere der beiden Angeklagten gegenüber den Ermittlern den Älteren belastet und gesagt, dieser habe den 19-Jährigen getötet.

Prozess wird fortgesetzt

Der auf zwölf Verhandlungstage angesetzte Prozess wird am Montag fortgesetzt. Dann stehen die möglichen Einlassungen der beiden Angeklagten auf dem Programm.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN