Besuch in Wohnheim Ministerpräsident Weil lobt Betreuung von Flüchtlingen in Lingen

Von Thomas Pertz


Lingen. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil hat das Konzept der Stadt Lingen zur Unterbringung von Flüchtlingen gelobt. Dies unterstrich der Regierungschef und SPD-Landesvorsitzende am Mittwochabend im Anschluss an den Besuch eines Wohnheims in der Gierenbergstraße im Gespräch mit unserer Redaktion.

Er habe einen sehr guten Eindruck gewonnen, sagte Weil nach der Besichtigung der mobilen Einrichtung im Ortsteil Altenlingen. „Das dezentrale Konzept der Stadt hat mir gefallen“, unterstrich der Ministerpräsident.

Das modulare Wohnheim ist eines von elf, die in Lingen und seinen Ortsteilen errichtet worden sind. Es bietet Platz für 30 Menschen. Zurzeit wohnen dort nach Angaben von SKM-Geschäftsführer Hermann-Josef Schmeinck und seiner Kollegin Vanessa Jansen 15 Flüchtlinge aus Syrien, Pakistan, Afghanistan und Iran, darunter eine Familie. Die Kinder besuchen die Grundschule Altenlingen, Marienschule und das Franziskusgymnasium.

Aktive Nachbarschaft

Bei der Begrüßung des Ministerpräsidenten wiesen Oberbürgermeister Dieter Krone und Schmeinck darauf hin, dass sich das Konzept der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen in den mobilen Wohnheimen bewährt habe. Durch die Verteilung auf die Ortsteile sei eine räumliche Konzentration vermieden worden. Die Vertreter der Stadt und des SKM verhehlten nicht, dass es auch am Standort in Altenlingen im Vorfeld kontroverse Diskussionen gegeben habe. Die Situation stelle sich nun aber ganz anders dar. So gebe es eine aktive Nachbarschaft, die sich zum Beispiel sehr für die Sprachförderung einsetze. „Kompliment“, sagte Weil, der sich beim Blick auf eine Wandtafel im Gemeinschaftsraum von den Ergebnissen dieses ehrenamtlichen Einsatzes überzeugen konnte. „Ästhetisch – das Aussehen betreffend“ war dort zu lesen und gab indirekt den Fortschritt bei der Sprachvermittlung wieder.

„Die Stadt und der SKM als Wohlfahrtsverband ziehen in der Flüchtlingsarbeit an einem Strang“, sagte Schmeinck. Was den weiteren Verlauf der Bemühungen um Integration anbelangt, bezeichnete der seit über 30 Jahren in der Flüchtlingsarbeit aktive Sozialarbeiter die „durchbrochene Integrationskette“ als größtes Problem. Sobald sich der Status der betroffenen Menschen ändere, ändere sich auch der Kostenträger und die Zuständigkeit für einzelne Maßnahmen. „Ein Blick auf die Menschen und deren Bedürfnisse wäre besser“, sagte der Sozialarbeiter. Ein System „aus einem Guß“ mahnte auch Ministerpräsident Weil im Gespräch mit der Redaktion an. Notwendig sei beim Thema Integration ein realistischer Blick mit viel Geduld auf beiden Seiten. „Nur zu sagen: ‚Wir schaffen das‘, reicht da nicht. Man muss auch sagen, wie es gehen kann“, sagte Weil.

Die zurückgehenden Flüchtlingszahlen und der Auszug von Bewohnern haben dazu geführt, dass die elf modularen Heime in der Stadt nicht mehr ausgelastet sind. Die sogenannten Leerstandskosten bleiben derzeit aber bei der Stadt, ein Umstand, den Oberbürgermeister Krone gegenüber Weil kritisierte. Hier gelte es, eine Lösung zu finden.

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