Oberbürgermeisterwahl 2018 Lingens OB Krone: Ich rede mit den Bürgern, nicht über sie

Von Thomas Pertz

Dieter Krone, Oberbürgermeister der Stadt Lingen, mit seiner Ehefrau Ingrid und den Töchtern Areta (links) und Dinah (rechts).Dieter Krone, Oberbürgermeister der Stadt Lingen, mit seiner Ehefrau Ingrid und den Töchtern Areta (links) und Dinah (rechts).

Lingen. Das Klavier im Wohnzimmer von Dieter Krone steht dort nicht zu Ausstellungszwecken. Der 54-Jährige kann mit dem Instrument auch umgehen. Musik ist Leidenschaft und Entspannung zugleich für den Oberbürgermeister, der als parteiloser Sieger der Wahl im Jahr 2010 in einer seit Jahrzehnten von der CDU politisch dominierten Kommune auch ein Stück Stadtgeschichte geschrieben hat.

„Verlässlich, kompetent, mittendrin“: Das ist auf den Wahlplakaten mit dem Konterfei des Lingeners zu lesen. Das „Mittendrin“ sei ihm besonders wichtig, hebt er hervor. Für Krone ist nach Dienstschluss im Rathaus zumeist noch kein Feierabend. „Ich bin sehr häufig noch abends unterwegs bei Vereinen und Verbänden“, betont er. Das Gespräch mit den Leuten bedeute ihm viel. Dort gebe es Rückmeldungen, „wo wir nachschärfen müssen“.

Krone wohnt mit seiner Frau Ingrid und den beiden Töchtern Dinah und Areta im Gauerbach, wo Ingrid Krone als Friseurmeisterin auch einen Salon betreibt. Das Grundstück liegt nicht weit entfernt von der derzeit unbebauten Fläche, das einst Krones Vorgänger Heiner Pott als Standort für die Emslandarena auserkoren hatte. Weil es an der Lindenstraße aus Lärmschutzgründen scheinbar nicht ging. Krone bewies damals, dass es doch möglich war.

Der heftige Gegenwind für Pott und die CDU in der Bevölkerung wegen der Arena-Pläne an der B 214 blies dem damaligen Oberstudienrat am Franziskusgymnasium in den Rücken. Er trug den Parteilosen bis zum Wahlsieg in der Stichwahl gegen CDU-Mann Hans-Josef Leinweber aus Geeste. Krone, damals einer der Köpfe der Bürgerinitiative „Arenawahn Lingen“, hatte sein Meisterstück gemacht.

Lehramtsstudium in Osnabrück

Die berufliche Lebensplanung hatte zunächst ganz anders ausgesehen. Krone, der mit sechs Geschwistern in Beesten aufgewachsen ist, hatte schon in jungen Jahren ein Faible für Musik entwickelt. Sein Vater hatte dies früh gefördert. Nach dem Abitur in Handrup und der Bundeswehrzeit in Rheine und Lingen nahm er ein Lehramtsstudium für Gymnasien in Osnabrück mit den Fächern Musik und Geografie auf. Dass ihm nicht nur die Fächer lagen, sondern auch das Unterrichten selbst, merkte er bei verschiedenen Schulbesuchen während des Studiums und im Referendariat. Es sei schön zu sehen, wie aus den Schulkindern selbstbewusste junge Menschen heranwüchsen, sagt er.

„Face to Face“ lieber als Facebook

Krone macht keinen Hehl daraus, dass er aus einer Bürgerinitiative kommt – ein Wort, das in Verwaltungen häufig eher negativ belegt ist. „Ein Bürger, der die Initiative ergreift – was gibt es Besseres?“, betont er. Mit ihnen in den Dialog zu treten und um die beste Lösung zu ringen ist nach seinen Worten eine herausfordernde und schöne Aufgabe zugleich. „Ich rede mit den Bürgern, nicht über sie“, sagt Krone. „Face to Face“ sei ihm deshalb auch lieber als „Facebook“.

Wo diese Begegnungen stattfinden, ist ihm egal. Ob bei offiziellen Terminen, im Supermarkt oder beim Wertstoffhof um die Ecke, wo Bürger sich schon mal wundern, den Oberbürgermeister nicht in feinem Zwirn, sondern in schmutzigen Arbeitsklamotten zu sehen. Sein Rasen im Garten wachse eben auch, schmunzelt er. Es störe ihn auch nicht, dann zum Beispiel auf Probleme angesprochen zu werden. „Das ist mein Anspruch, mitten in der Bürgerschaft zu sein.“ Manches lasse sich schnell erledigen, in komplizierteren Fällen bitte er um ein kurzes Schreiben. Dann werde sich im Rathaus zusammengesetzt, um eine Lösung zu erarbeiten.

Wirtschaftsförderung als Chefsache

„Great Piano Solos“ steht auf einem Heft geschrieben, das neben dem Klavier im Wohnzimmer liegt. Solonummern im Rathaus sind aber nicht seine Art, auch wenn am Ende einer entscheiden muss. Krone bezeichnet seinen Führungsstil als teamorientiert. Die Gestaltungsmöglichkeiten als Oberbürgermeister in einer Stadt wie Lingen sind es, die ihm gefallen. Das gilt insbesondere in der Wirtschaftsförderung, die er sich zur Chefsache gemacht habe, unterstreicht er. Lingen verbinde Tradition und Moderne gut miteinander. „Man trifft Leute, ohne sich verabreden zu müssen“, beschreibt Krone eine besondere Lebensqualität in der Stadt.

Diese zu festigen und weiter ausbauen, das möchte er auch in den kommenden acht Jahren.

Dazu gehören dann auch die besonders langen Montage. Da ist nach der Rathausarbeit noch ein Besuch bei den Fraktionen angesagt, das gilt ebenso für die Dezernenten. Anschließend fährt Krone dann zur Gaststätte Klaas. Dort ist Probe mit den Sängerinnen und Sängern der Chorwerkstatt, deren Dirigent er seit vielen Jahren ist. „Die Musik hat etwas Verbindendes, sie braucht keine Sprache“, sagt Krone – und entspannt sich dabei.

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