Ute Krawinkel steckt voller Kreativität Begabte Porzellanmalerin lebt in Lünne

Von Eva-Maria Riedel


Lünne. „Wir leben hier fast wie auf einer Insel“, begrüßt das Ehepaar Krawinkel seinen Besuch in Lünne. „Wer zu uns kommt, muss erst einmal über eine kleine Brücke fahren“, lachen die beiden. Gastfreundschaft wird bei ihnen großgeschrieben, ein Blick auf das hauseigene und von Hand bemalte Geschirr auf dem Tisch lässt dieses gute Gefühl aufkommen.

„Bei uns ist jede Tasse, jeder Teller, überhaupt alles von Hand bemalt und das Geschirr, das wir benutzen, ist natürlich immer ein Unikat, wozu habe ich schließlich eine gelernte Porzellanmalerin geheiratet“, schmunzelt der Ehemann von Ute Krawinkel. „Das hat es früher wirklich gegeben. Ich habe noch in Burgsteinfurt in einer Porzellanmanufaktur eine dreijährige Ausbildung zur Porzellanmalerin sogar mit Abschlussprüfung vor der IHK gemacht“, erzählt die Künstlerin und fügt hinzu, dass ihr Chef damals aus Meißen kam. „Besser konnte eine Ausbildung nicht sein“, betont sie angesichts dieser weltberühmten Manufaktur.

Mit ruhiger Hand

Ursprünglich kommen die Eheleute aus Münster, haben aber lange Zeit einen Ort der Ruhe gesucht, an dem sie beides, ihr Privatleben und die Malkunst miteinander verbinden können. „Und das haben wir hier in Lünne gefunden, bestätigen sie. Mit ihren gut 70 Jahren besuchen die beiden immer noch mehrere Kunstmärkte in ganz Deutschland. „Wir sind mittlerweile auch gut bekannt in den Kunstkreisen, haben uns allerdings zwischenzeitlich verstärkt der Blau-Weiß-Malerei zugewandt“, erzählt der Ehemann Krawinkel. „Jetzt muss ich lachen, nicht, dass sie meinen, ich wäre der Künstler. Nein, das ist ganz alleine meine Frau“, korrigiert er diesen Eindruck. Nur sie habe das scharfe, zum Glück auch gesunde Auge für diese filigrane Malerei. „Und die ruhige Hand für den feinen Pinselstrich“, wirft sie ein.

Senfmanufaktur

Ute Krawinkel wollte ursprüngliche einmal Modezeichnerin werden „Das sind so Jugendträume, wohl daraus entstanden, dass meine Mutter Schneiderin gewesen ist.“ Aber gut zeichnen, das habe sie schon immer gekonnt. Wobei ihre Tochter Ivonne tatsächlich in die mütterlichen Fußstapfen treten wollte, dann doch die Porzellanmalerei aufgegeben habe, da sie gemeinsam mit ihrem Mann eine Senfmanufaktur in Schlemmin, im Landkreis Vorpommern-Rügen, aufgebaut habe, die auch schon mehrmals im Fernsehen zu bewundern war.

Nur die besten Qualitäten

„Wer das Glück hat, wie meine Frau in der Porzellanmalerei so vielseitig zu sein, hat immer etwas zu tun. Zum Beispiel selbst Vasen zu vergolden, Lampenfüße aus Porzellan zu kolorieren. Und ich bin immer dabei, halte ihr den Rücken frei“, schmunzelt Hans-Dieter Krawinkel. Dann berichtet das Ehepaar von seinen gemeinsamen Reisen. 15 Jahre lang seien sie mit einem Sportschiff unterwegs gewesen, hätten ganz Europa bereist und überall nach hochwertigem weißen Porzellan Ausschau gehalten, denn nur die besten Qualitäten seien es wert, bemalt zu werden.

Maritime Malerei

Natürlich wurden sie in den Yachthäfen oft gefragt, ob sie nicht einmal etwas Maritimes, also in Blau-Weiß malen könnten. „Der Gedanke gefiel uns sehr, und wir haben uns im Laufe der Zeit sogar darauf spezialisiert, erzählt Ute Krawinkel, wobei ihre Stilrichtung nach wie vor sehr vielseitig sei, von alt bis modern, betont sie. „Wir haben weißes Porzellan unter anderem in Limoges (Frankreich), Italien, Spanien und England eingekauft“, ist zu erfahren. Das schönste Weiß sei für sie allerdings das Porzellan aus dem Haus Fürstenberg.

Eigener Brennofen

Ein eigener Brennofen befindet sich in der hauseigenen Werkstatt der Familie Krawinkel. Der brenne so um die 900 Grad, und dank dieser Temperaturen könne das Geschirr sogar in die Spülmaschine gesteckt werden, ausgenommen natürlich alles, was vergoldet sei. „Rot ist übrigens eine sehr empfindliche Farbe, sie darf nicht zu schnell gebrannt werden und lässt sich nicht gut mit anderen Farbtönen vermischen und anschließend brennen“, informiert die Künstlerin.

Kleines Museum

Der Hausherr zeigt stolz auf eine Vitrine. Sie ist bestückt mit Werbeaufstellern aus Porzellan von Manufakturen aus der ganzen Welt. „Ein richtiges kleines Museum“, schmunzelt der Hausherr nicht ohne Stolz. Noch sehr viele Schätze gibt es im Haus in Lünne zu bestaunen, wobei eine große Sammlung von bemalten Porzellan-Fingerhüten die vielseitige Begabung der Künstlerin noch einmal unterstreicht. Keines von diesen vielen Exemplaren, es mögen insgesamt über 100 sein, gleicht dem anderen. Wohlgeordnet befinden sie sich in einem großen Setzkasten. „Die werden wir nie verkaufen oder tauschen gegen andere. Das sind Werke meiner Frau, an denen wir uns immer wieder erfreuen.“

Nach Russland

Demnächst begibt sich das Ehepaar wieder auf eine große Reise. „Mittlerweile sind wir nicht mehr per Schiff unterwegs, sondern haben uns vor längerer Zeit ein Wohnmobil zugelegt. Das ist doch komfortabler in unserer jetzigen Lebensphase“, betonen die beiden. Der Weg soll in diesem Jahr nach Russland führen. „Wir werden bestimmt wieder mit neuen Eindrücken nach Hause kommen, viel erlebt und hoffentlich auch wieder neues Geschirr eingekauft haben.“ Das wünschen sich Ute und Hans-Dieter Krawinkel für die nächsten Wochen oder vielleicht sogar Monate.