14-Jährige gefügig gemacht? 13 Monate Haft: Mann gibt Schmerzmittel und Bonbon als Drogen aus

Von Anne Bremenkamp

Weil er einer 14-Jährigen Pseudodrogen gab, verurteilte das Schöffengericht am Amtsgericht Lingen einen 32-Jährigen zu 13 Monaten Haft. Foto: Franziska Gabbert/dpaWeil er einer 14-Jährigen Pseudodrogen gab, verurteilte das Schöffengericht am Amtsgericht Lingen einen 32-Jährigen zu 13 Monaten Haft. Foto: Franziska Gabbert/dpa

Lingen Ein Kaubonbon, eine Paracetamol in Herzform sowie eine Tablette eines starken, verschreibungspflichtigen Schmerzmittels: Diese Pseudodrogen hat ein 32-Jähriger im Jahr 2014 als angebliche Ecstasy-Pillen ausgegeben und sie seiner damals 14-jährigen, stark drogenabhängigen Freundin zum Konsum überlassen. Der Mann wurde jetzt vom Amtsgericht Lingen verurteilt.

Das Schöffengericht hat den erheblich Vorbestraften wegen unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige in drei Fällen sowie unter Einbeziehung eines vorangegangenen Urteils zu einem Jahr und einem Monat Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. Vom Tatvorwurf weiterer vier Drogendelikte sowie des Inverkehrbringens von Falschgeld wurde der Angeklagte aus Mangel an Beweisen auf Kosten der Staatskasse freigesprochen. Die Verteidigung hatte in allen Anklagepunkten auf Freispruch plädiert, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Gefügig gemacht

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wollte der 32-Jährige die damals 14-Jährige mit den Pseudodrogen „bei der Stange halten“. Er habe die erhebliche Drogensucht des Mädchens ausgenutzt, um es gefügig zu machen und so dauerhaft eine Beziehung mit der Minderjährigen unterhalten zu können.

Diese Strategie bestritt der Angeklagte, der indes aber die Abgabe der Betäubungsmittel-Imitate einräumte: „Ich habe sie einmal auf Ecstasy erlebt und dachte, dass sie jede Sekunde einen Herzinfarkt bekommt“, berichtete er im Laufe des mehrwöchigen Verfahrens. Das Mädchen habe sich vor knapp vier Jahren noch alles Mögliche an Drogen und Alkohol reingepfiffen und er habe sie aus dem Drogensumpf und der dazugehörigen Szene retten wollen. „Ich wollte sie schützen“, verwies er darauf, dass er der damals 14-jährigen die Betäubungsmittel-Imitate quasi als Placebo gegeben habe: „Besser gefaked als gefährlich.“

Nicht nachgewiesen werden konnte dem Angeklagten hingegen der Vorwurf, demzufolge er einen gefälschten 200-Euro-Schein für 85 Euro an einen Bekannten verkauft habe, der sich sodann mit dem Falschgeld an die Polizei wandte.

Undurchsichtige Kleingeschäfte

Der Bewährungshelfer verwies darauf, dass der unter Bewährung stehende Angeklagte zuletzt im Januar 2017 rechtskräftig verurteilt wurde wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Er berichtete dem Gericht von gesundheitlichen Problemen des Harz-IV-Empfängers, aber auch von undurchsichtigen Kleingeschäften sowie von vielerlei Kontakten zu Personen mit kriminellem Hintergrund. Der 32-Jährige habe offensichtlich Schwierigkeiten im Umgang mit Reglements und Obrigkeiten, aber wohl selbst kein Problem mit Drogen.