Messerattacke Angeklagter aus Lingen will „außer Sinnen“ gewesen sein

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Wegen einer Messerattacke auf seine Lebensgefährtin muss sich derzeit ein Mann aus Lingen vor Gericht verantworten. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpaWegen einer Messerattacke auf seine Lebensgefährtin muss sich derzeit ein Mann aus Lingen vor Gericht verantworten. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpa

Osnabrück. Im Verfahren gegen einen 52-Jährigen aus Lingen, der wegen versuchten Totschlags an seiner Lebensgefährtin angeklagt ist, hat ein Gutachter dem Angeklagten volle Schuldfähigkeit attestiert.

Am dritten Verhandlungstag waren die Gutachter am Zuge. Der Angabe des Angeklagten, sein Kopf sei bei der Tat „aus gewesen“, widersprach der psychologische Sachverständige, der ihm volle Schuldfähigkeit bescheinigte. Der 52-Jährige hat zugegeben, seine Lebensgefährtin im Verlauf eines Streites im März letzten Jahres mit einem Messer mit 18 Zentimeter langer Klinge angegriffen zu haben. Nur durch viel Glück war die schwangere Frau nicht getötet worden. Ein Messerstich war komplett durch den zur Abwehr vor den Leib gehaltenen Unterarm gegangen und in den Bauchraum gedrungen, dann jedoch nicht mehr so weit, dass lebenswichtige Organe oder der Fötus verletzt worden waren.

„Im Affekt gehandelt“

Im Wesentlichen beruft sich der Angeklagte im Verfahren darauf, im Verlauf des Streits mit dem 26-jährigen Opfer von diesem angespuckt worden zu sein. „In meinem Heimatland ist das eine der schwersten Beleidigungen, die einem widerfahren kann“, hatte der seit drei Jahrzehnten in Deutschland lebende Mann an früherer Stelle des Verfahrens ausgesagt. In jenem Moment sei „außer Sinnen“ gewesen, an die Tat selbst will er sich nicht erinnern können. Er habe im Affekt gehandelt.

Angeklagter rief selbst die Polizei

Das ist nach Meinung des Psychologen nicht haltbar. Der Angeklagte sei dem Opfer nicht direkt nach der für ihn schwerwiegenden Beleidigung „an die Kehle gegangen“, sondern habe sich umgedreht und sei in die Küche gegangen, wo er das Messer aus einer Schublade genommen habe. Nach der Rückkehr ins Wohnzimmer habe er dann mindestens zweimal auf die Frau eingestochen. Ebenso widersprach der Sachverständige der Behauptung des Angeklagten, sein Kopf sei „aus gewesen“. Vielmehr habe er direkt nach den Stichen selbst die Polizei angerufen und die Tat geschildert. „Das tut niemand, dem sich eine Erinnerungslücke auftut“, so seine Schlussfolgerung. Eine Beeinträchtigung der strafrechtlichen Schuldfähigkeit schloss er aus.

„Ein in seiner Ehre tief gekränkten Mann“

Er bezeichnete den Angeklagten als einen „in seiner Ehre tief gekränkten Mann“, der sich zudem als Opfer einer Intrige wähnte, weil er der Frau, die er erst rund drei Monate vor dem Geschehen durch Vermittlung von Verwandten kennengelernt hatte, damals unterstellte, wieder in ihre Heimat nach Armenien zurückkehren zu wollen. Er war eigenen Angaben nach der Meinung gewesen, im Zentrum „eines langfristig angelegten Mafia-Plans“ des Opfers und dessen Tante gestanden zu haben, die es auf sein Geld sowie der Aufenthaltsgenehmigung für das Bleiben in Deutschland abgesehen hätten.

„Kraftvoll zugestoßen“

Eine ebenfalls als Gutachterin geladenen Rechtsmedizinerin aus Oldenburg bezeichnete die bei der Tat ausgeführten Messerstiche als „sehr kraftvoll geführt und durchaus in der Lage, lebensgefährliche Verletzungen hervorzurufen“. Ob das Messer in einem einzigen geführten Stich durch Unterarm und Bauch gegangen sei, lasse sich nicht zweifelsfrei feststellen, da dies auch durch zweimaliges Zustoßen hätte erfolgen können.

Noch immer Probleme

Die Verletzungen haben dazu geführt, dass die Frau bis heute mehrfach operiert werden musste, wobei Nervenbahnen aus ihrem Oberschenkel in den Arm verpflanzt wurden. Noch heute leidet das Opfer unter Gefühlsbeeinträchtigungen und hat Probleme, mit der Hand zu greifen. Das Verfahren wird fortgesetzt.


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