Erinnerung an Ersten Weltkrieg Lingen in fünf Kriegsjahren 1914 bis 1918

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Im Saal des Hotels Nave (heute Parkhotel) war im Ersten Weltkrieg ein Lazarett eingerichtet. Foto: EmslandmuseumIm Saal des Hotels Nave (heute Parkhotel) war im Ersten Weltkrieg ein Lazarett eingerichtet. Foto: Emslandmuseum

Lingen. An das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erinnert am Mittwoch, 4. April, um 16 und 19.30 Uhr eine Veranstaltung im Emslandmuseum über Lingen in den Jahren 1914 bis 1918.

Im Mittelpunkt der Präsentation von Museumsleiter Dr. Andreas Eiynck stehen dabei nicht die verlustreichen Kämpfe an allen Fronten Europas, sondern die Situation an der sogenannten „Heimatfront“ in Lingen und dem Emsland. Dazu laden der Heimatverein und das Museum ein. Mit dem Wehrbezirkskommando war Lingen im Kaiserreich das militärische Zentrum der Region. Während die jungen Soldaten und Reservisten per Eisenbahn zu ihren Einsatzorten in Frankreich und Belgien, in Russland und auf dem Balken eilten, sicherten die älteren Herren des Landsturms Brücken und Industrieanlagen, aber auch die niederländische Grenze. Hierzu sind in den letzten Monaten bislang völlig unbekannte Bildquellen und Dokumente aufgetaucht, die nun zum ersten Mal präsentiert werden.

Mangel und Hunger

Bald bestimmten Mangel und schließlich sogar Hunger den Alltag der Zivilisten in den Städten – auch in Lingen. Die Arbeitsplätze der zum Militär eingezogenen oder bereits gefallenen Männer wurden nun häufig mit Frauen besetzt, später auch mit Kriegsgefangenen, von denen viele auch in der Landwirtschaft eingesetzt waren. Die verbliebenen Facharbeiter beim Eisenbahn-Ausbesserungswerk schufteten bis zum Umfallen, damit die Lokomotiven für die Rüstungsindustrie und das Militär rollen konnten.

Lazarett

Alle Saalbetriebe der Stadt dienten während des Krieges als Lazarette, an Feste und Feiern mochte angesichts von Not und Trauer niemand mehr denken. Verwundete Soldaten und geschlossene Geschäfte bestimmten das Straßenbild. Die Versorgungslage der Zivilisten wurde immer verzweifelter, die Lebensmittelrationen reichten schließlich kaum noch zum Überleben. Nur die Landbevölkerung konnte sich etwas besser versorgen. Selbst Fahrradreifen, Unterwäsche und Kerzenwachs wurden zur Mangelware. Der Schwarzmarkt blühte. Immer mehr Todesnachrichten von der Front erreichten die Heimat, doch die Bevölkerung wurde von der Kriegspropaganda in Siegeslaune gehüllt und blieb zuversichtlich. Erst mit dem wirtschaftlichen Kollaps und dem Einbrechen der Westfront im Herbst 1918 wurde die Niederlage Deutschlands allen offenbar.

Als das Kaiserreich im November 1918 zusammenbrach, bildete sich auch in Lingen ein Arbeiter- und Soldatenrat. Er war jedoch durchsetzt mit Vertretern des alten Systems. An der katastrophalen Wirtschaftslage änderte das Kriegsende wenig. Im Gegenteil, die Staatsfinanzen waren total zerrüttet und die Inflation setzte sich in Gang. 1919 kam es auch in Lingen zu Protestdemonstrationen der Arbeiter. Die erste Krise der jungen Demokratie zeichnete sich ab und die alten Vertreter von Nationalismus und Militarismus formierten sich neu.

Im Rahmen der Veranstaltung „Mittwochs im Museum“ besteht auch die Möglichkeit zum Besuch der neuen Ausstellung: Heinrich Lagemann (1896-1918) – Ein Soldat aus Lingen. Der Eintritt beträgt 5 Euro, für Heimatvereinsmitglieder 3 Euro.


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