Wahl in Lingen Mit offenem Visier: Robert Koop will Oberbürgermeister werden

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Kandidiert bei der Oberbürgermeisterwahl: Robert Koop, Fraktionsvorsitzender der Bürgernahen. Rechts seine Ehefrau Annette, auf dem Arm Enkelkind Emil. Foto: Thomas PertzKandidiert bei der Oberbürgermeisterwahl: Robert Koop, Fraktionsvorsitzender der Bürgernahen. Rechts seine Ehefrau Annette, auf dem Arm Enkelkind Emil. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Am 22. April 2018 sind Oberbürgermeisterwahlen in Lingen. Zwei Kandidaten treten an: Amtsinhaber Dieter Krone und Robert Koop, Fraktionsvorsitzender der Bürgernahen. Die LT stellt in dieser Woche beide Kandidaten vor. Den Auftakt macht Koop.

Über den Dächern Lingens und mittendrin in der Stadt – da wohnt Robert Koop mit seiner Familie. Enkelkind Emil ist zu Besuch. Der Kleine wuselt in der Wohnung herum, stets aber gut im Blickfeld von Koops Ehefrau Annette. Bilder der fünf Söhne mit ihren Partnerinnen zieren die Wände. Die Koops sind Familienmenschen. Kleine Videos der Enkel, neben Emil sind das Anton und seit ein paar Wochen die kleine Anni, füllen inzwischen auch den Speicherplatz auf dem Handy des Kandidaten.

Jurastudium in Bielefeld und Kiel

Sein gleichnamiger Großvater, der spätere Lingener Bürgermeister, hatte in der Bauerntanzstraße eine Bäckerei aufgebaut. Die Deckenlampen in der gemütlichen, großen Wohnküche stammen noch aus dem damaligen Geschäft. Koops Vater Bernhard, Konditormeister von Beruf, führte es weiter. Es war aber schon früh klar, dass Sohn Robert diese Tradition nicht fortführen würde. „Ich hab‘ mal Berliner gezuckert, danach musste ich nie wieder hin“, erinnert sich der 66-Jährige schmunzelnd an Aushilfstätigkeiten als junger Mensch in der Backstube. Damals hatte Koop ganz andere Pläne – Publizistik wollte er in Münster studieren, die wissenschaftliche Beschäftigung mit Massenmedien. „Tolle Idee, aber studier‘ erst mal was Vernünftiges“, zitiert der Sohn die damalige Bemerkung des Vaters – und hörte auf ihn. Koop studierte nach dem Abitur Rechtswissenschaften in Bielefeld und Kiel. Bereut hat er diese Berufsentscheidung nicht. Dieses Jahr wird er sein 40-jähriges Arbeitsjubiläum feiern. Rechtsanwalt und Notar ist der Lingener mit großer Leidenschaft – und Kommunalpolitiker.

Großvater einer der CDU-Gründer in Lingen

Sein Großvater gehörte mit zu den Lingener Bürgern, die die CDU nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet haben. Auch sein Vater war politisch eher konservativ geprägt. Und der Sohn? Der hatte andere Vorstellungen, wollte sich emanzipieren. „Ich war eher linksliberal“, beschreibt Koop seine politische Grundeinstellung. Ende 1971 trat er in die SPD ein, 1976 errang er zum ersten Mal ein Stadtratsmandat. Und seitdem bis heute immer wieder. Zuletzt aber nicht mehr für die Sozialdemokraten, sondern seit 2011 für die Wählervereinigung Die Bürgernahen, deren Fraktionsvorsitzender er ist.

Bruch mit der Lingener SPD

Der Bruch mit der Lingener SPD, die er auch viele Jahre lang als Vorsitzender angeführt hatte, kam 2006, als diese ihn „überall rausgeschmissen“ hatte, gibt er seine Wahrnehmung wieder. Er habe sich damals gefragt: „Gebe ich mein Ratsmandat zurück oder nicht?“ Sauberer wäre die Rückgabe gewesen, „aber ich hatte so einen Hals“. Also behielt er es und war die nächsten Jahre Einzelkämpfer im Rat. „Der einzige, der mich in dieser Zeit ordentlich behandelt hat, war Heiner Pott“, beschreibt Koop sein Verhältnis zum damaligen Oberbürgermeister.

Kandidatur für die Bürgernahen

2011 kandidierte der Rechtsanwalt dann erstmals für die Bürgernahen, die als neue Fraktion ins Rathaus einzogen. Wie würde er seinen Politikstil beschreiben? „Mit offenem Visier, ich rede nicht drum herum“, sagt er. Und schreibt es auch so in seinem Blog. Mit seinen im Internet veröffentlichten „gelegentlichen Anmerkungen zu und in Lingen“, die er ausdrücklich als seine Privatmeinung verstanden wissen will, eckt er häufig an, löst Widerspruch aus, stößt aber auch Diskussionen an. Koop reibt sich gerne an anderen und dient damit selbst als Projektionsfläche für Kritik. Die scheint an ihm aber abzuperlen. „Das hat auch was mit dem Alter zu tun, dass man Opa ist und so einen Wirbelwind hier um sich hat“, meint er mit Blick auf Emil. Ohnehin sei er, was den Blog anbelange, „lieb geworden“ – eine Einschätzung, die nicht jeder in der Stadt wird teilen wollen.

„Lust auf etwas Neues“

Im Stadtrat gerät er häufiger mit der CDU aneinander – und die Mehrheitsfraktion streitet sich umgekehrt regelmäßig mit ihm. Wie stelle er sich denn eine Zusammenarbeit mit den Christdemokraten vor, falls er die Wahl gewinnen sollte? Ein Oberbürgermeister müsse mit allen Fraktionen auf Augenhöhe sprechen und keine bevorzugen, auch nicht die Mehrheitsfraktion, meint er. Und außerdem: Wer mit Oberstaatsanwälten und Richtern zurechtkomme, der komme auch mit der CDU klar. „Ich habe ein Alter und eine Berufserfahrung erreicht, was die Lust auf etwas Neues entstehen lässt“, betont Koop.

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