Eine wechselvolle Geschichte Flugplatz Plantlünne: Postflieger und Kampfeinsätze

Von Carsten van Bevern


Lingen. Bis zu 120 Flugzeuge und 800 Soldaten sind von 1939 bis 1945 auf dem Flugplatz Plantlünne südlich von Lingen stationiert gewesen. Zahllose Flugzeuge sind in dieser Zeit in der Region abgestürzt. Zur Geschichte des Platzes ist jetzt ein Buch erschienen.

„Viele meinen, bis auf die letzten Kriegstage im April 1945 sei es im Emsland in der Zeit des Zweiten Weltkrieges zumeist sehr ruhig gewesen. Das stimmt so nicht“, erklärt der Heimatforscher Joachim Eickhoff bei der Vorstellung seiner neuesten Forschungsarbeit zum Flugplatz Plantlünne in einem Gespräch mit unserer Redaktion. 551 zwischen 1939 und 1945 im Emsland und der Grafschaft Bentheim abgestürzte Flugzeuge sind alleine im Archiv der von Eickhoff gegründeten Vermisstensuchgruppe Ikarus dokumentiert: „Es werden aber sicher noch mehr Flugzeugabstürze gewesen sein.“

Groß wie 325 Fußballfelder

In den Anfangsjahren ging es auf dem 1930 als Hilfslandeplatz für Nachtpostflüge eingerichteten Flugfeld noch ruhig zu – bis zum Ausbruch des Krieges musste in der Nähe des Platzes lediglich eine Privatmaschine einmal notlanden. Ab 1937 wurde der mehr als 160 Hektar und damit 325 Fußballfelder große Platz aber zu einem Einsatzflughafen der deutschen Luftwaffe ausgebaut. Zu Kriegsbeginn 1939 war der Platz mit seinem mit Gras bewachsenen Start- und Landefeld und allen weiteren Einrichtungen komplett einsatzbereit. Flugzeuge aller Typen konnten dort landen und starten.

Stammbesatzung rund 500 Personen

Dabei lag der Platz, der von der Luft Hansa (ab 1933: Lufthansa) irrtümlich immer als Plantlünne bezeichnet worden war, eigentlich gar nicht auf Plantlünner, sondern fast ausschließlich auf Bramscher Gebiet. Der Flugplatz hatte laut Eickhoff eine Stammbesatzung von rund 500 Personen, er verfügte unter anderem über Sanitäter, Mechaniker, Wach-, Küchen- und Nachrichtenpersonal, Flakeinheiten, ein Bergekommando, eine Luftbildauswertung und einen Zerlegetrupp, der abgeschossene Flugzeuge verwertete. Und es gab einen Käfig mit zwei Affen – einer hieß Lotti und der andere hörte auf den Namen Churchill. Zu der Stammbesatzung kam das fliegerische Personal der verschiedensten dort stationierten Jagd- und Bombenflugzeuge, Nachtjäger und Zerstörer.

Eickhoff, der seit Jahrzehnten intensiv auch die Geschichte des Luftkrieges in der Region erforscht, hat in dieser Zeit auch mit vielen Piloten und Flakhelfern gesprochen, die in Plantlünne stationiert waren. Auch auf das sehr umfangreiche Archiv der Vermisstensuchgruppe Ikarus konnte der pensionierte Lehrer zurückgreifen.

Geschichte und Geschichten

Er beleuchtet dabei auf 310 reich bebilderten und gut lesbaren Seiten jede Phase der Geschichte dieses Flugplatzes, präsentiert viele der breiten Öffentlichkeit bislang unbekannte Geschichten rund um den Platz (zum Beispiel zu Gustav Mölln, der die 350 Tiere umfassende Schafherde auf dem Flugplatz betreute und sich nebenbei als Bombensprenger betätigte), stellt das dort eingesetzte Personal auch aus der Region vor und geht auf besondere von dort geflogene Einsätze und viele verlustreiche Kämpfe ein.


Plantlünne: Beginn als Hilfslandeplatz für Nachtpostflüge

Die Anfänge des Flugplatzes Plantlünne gehen auf das Jahr 1930 zurück. „Die deutsche Luft Hansa plante eine Nachtfluglinie von Amsterdam nach Berlin. Navigiert wurde per Kompass und nach Auffälligkeiten in der Landschaft. Und da diese in der Nacht nicht zu sehen waren, installierte man an der Strecke etwa alle 20 Kilometer einen Scheinwerfer, der senkrecht nach oben schien“, erklärte Joachim Eickhoff.

Ein solcher Scheinwerfer stand auch am alten Forsthaus in Altenlünne. Es war ein Drehfeuer, das den Abzweig der Nachtflugstrecke nach Köln, Frankfurt und München markierte. Die damaligen Flugzeuge waren laut Eickhoff zwar relativ zuverlässig, flogen aber langsam und in geringer Höhe: „Dadurch konnten sie aber auch einmal auf einer Wiese notlanden, was in der Nacht natürlich nicht ging.“ Daher wurden an den Nachtflugstrecken sogenannte Hilfslandeplätze eingerichtet, gerne an den weit sichtbaren Drehfeuern.

So fand man an der heutigen L58 ein passendes Gelände. Der Landwirt August van Werde verpachtete die sogenannte Mölln Heide an die Luft Hansa. Am Rande des Hilfslandeplatzes wurde eine kleine Hütte errichtet. Der dort stationierte Hilfspolizeibeamte musste jede Nacht den Landestreifen mit Sturmlaternen markieren. Aber nur eine Privatmaschine musste in der Nähe einmal notlanden. Deren zerbeulter Propeller hing laut Eickhoff noch lange über der Theke der Lünner Stuben.