Stein für Stein ein Abenteuer Günter Lux aus Lingen ist begeisterter Hobbybildhauer

Von Eva-Maria Riedel


Lingen. Mussten es denn unbedingt Steine sein, die seine Leidenschaft erweckten, ihn immer noch faszinieren? Konnte es nicht etwas Leichteres sein? „Nein, das ist nun mal so“, betont der Lingener Günter Lux, der sich auf dieses Abenteuer eingelassen hat.

„Das war kein einfacher Weg bis dahin“, schmunzelt er. „Ich bin viele Umwege gegangen, habe alles Mögliche ausprobiert und immer an allem viel Freude gehabt“, stellt er fest. Mittlerweile aber weiß der Hobbybildhauer genau, was er will: Bentheimer und Gildehauser Sandsteine bearbeiten. Das Abenteuer erleben, wenn sich in deren Innersten etwas tut, verändert, wenn sich Maserungen zeigen, die ihn erfreuen oder manchmal auch Probleme bereiten.

Sachbearbeiter im Vollzug

Eine Ausbildung hat der 67-Jährige zum Schaufensterwerbegestalter gemacht. „Zwei Jahre habe ich damals bei Karstadt gearbeitet, bis ich dann im Jahr 1974 in der Justizvollzugsanstalt II Damaschke angefangen habe.“ Er hatte und hat immer noch eine positive Einstellung zu seinem Leben und zu dem, was er bis dato tut. Lux hat als Sachbearbeiter im Vollzug sowie als Ausbildungsleiter für den Nachwuchs gearbeitet, hat jahrelang seinen Dienst in der pädagogischen Abteilung verrichtet, Berichte für die Gefangenenzeitung geschrieben und vieles andere organisiert. „Doch die meisten werden mich eher als Sportübungsleiter, ganz besonders für die hausinterne Fußballmannschaft, und als ersten Vorsitzenden des anstaltsinternen Sportvereins SSC Lingen 93 kennen“, sagt Lux.

Tuchfühlung mit Steinen

Der leider schon verstorbene Josef Vogelpohl, Sportlehrer und Pädagoge für den Ausbildungsbereich der Gefangenen, sei sein Lehrmeister gewesen. Mit dem Ziel, die Kreativität der Häftlinge zu wecken, hätten sie auf verschiedenen Wegen „mit der Kunst“ angefangen. Gemeinsam mit Vogelpohl besuchte Lux deshalb auch einen Kurs der VHS. „Unten im Keller der Lingener Stadtbibliothek passierte dann die erste Tuchfühlung mit Steinen“, sagt Lux lachend. „Damals lernten wir, wie man einen Meißel richtig hält und vieles mehr.“ Diese Kenntnisse hätten sie dann an die Häftlinge in Damaschke weitergegeben. „Es war unglaublich, wie schnell sich eine Menge an Steinen, obendrein noch gut bearbeitet, in der JVA II ansammelte“, erinnert sich Lux.

Schweres Arbeitsmaterial

„Dieses Phänomen kenne ich mittlerweile auch hier zuhause“, stellt er fest. Schließlich sei es auch um ihn geschehen gewesen, meint Lux und deutet auf die vielen Steine, die nun seinen eigenen Garten zieren. Ein Blick in seine Werkstatt zeigt, dass es sich hier um keine „zarte“ Arbeit handelt. Hier muss schon zugepackt werden. „Und wenn etwas abgeschliffen wird, dann nicht mit der Nagelfeile“, grinst Lux und zeigt sein reichlich vorhandenes, mitunter schweres und gut sortiertes Arbeitsmaterial. Aber trotz allem sei ein sensibles Fingergefühl erforderlich, denn was ab sei, könne nicht ersetzt werden. „Dann ist der Stein entweder hin oder er zeigt mir einen anderen Weg“, sagt Lux. Wobei er weiß, dass der Stein als solches ja immer seine eigene Geschichte erzählt. Man müsse nur gut „zuhören“ beziehungsweise sehen können, ergänzt er seine Ausführungen.

Überall Steine gesammelt

„Habe ich eigentlich schon erzählt, dass ich gerne mit meiner Familie verreise und von überall her Steine mitbringe“, meint er. „Egal wie sehr ich mich damit abschleppen muss.“ Aus Holland, Dänemark, der Bretagne und aus Schottland hätten sie hier in Lingen ihren Platz gefunden. Etliche von ihm bearbeitete Steine wechselten mitunter sehr schnell ihren Besitzer. Stolz ist Lux auf seine Delfine, die er auch schon aus verschiedenen Anlässen als Auftragsarbeit ausgeführt hat. Spuren hat der Hobbybildhauer Günter Lux im Laufe der Jahre hinterlassen, auch wenn er sich diesbezüglich sehr bescheiden gibt. Der Bürgerverein Heukampstannen und der Förderverein Damaschke sind beispielsweise im Besitz eines seiner Werke.

Beglückendes Erlebnis

Selten arbeitet Lux nach Vorlagen „Ich lasse mich mehr von dem Stein leiten, arbeite weniger nach Vorlage.“ Er nehme sich die künstlerische Freiheit, nur dann zu arbeiten, wenn er dazu Lust verspüre und entsprechend in Form sei. „Man darf ja nicht vergessen, dass so ein Stein schließlich Gewicht hat. Nicht umsonst habe ich mir einen Flaschenzug gebaut, der mir das Anheben erleichtert und das tut auch meinem Rücken gut“, stellt er fest. Es sei ein wirklich sehr arbeitsintensives Hobby, was er sich ausgesucht habe, und so ganz zufrieden sei er natürlich nicht immer mit seiner Arbeit, gesteht der Hobbybildhauer. „Doch andererseits ist es ein beglückendes Erlebnis, wenn der Stein und ich einer Meinung sind, wir gut zusammenarbeiten und das Ergebnis letztendlich auch anderen Freude bereitet“, meint Günter Lux und legt den Meißel auf die Seite.