Prozess gegen Messerstecher Mann aus Lingen will vor Tat provoziert worden sein

Von Horst Troiza

Wegen des Vorwurfes, seine Lebennsgefährtin mit einem Messer schwer verlettzt zu haben, muss sich derzeit ein 52-Jähriger aus Lingen vor Gericht verantworten.Symbolfoto: Michael GründelWegen des Vorwurfes, seine Lebennsgefährtin mit einem Messer schwer verlettzt zu haben, muss sich derzeit ein 52-Jähriger aus Lingen vor Gericht verantworten.Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Haben die Provokationen seiner Lebensgefährtin dazu geführt, dass ein Mann aus Lingen sie mit einem Messer angegriffen hat und schwer verletzte? Das behauptet der Angeklagte jedenfalls, der sich wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten muss.

Ob er wirklich, wie er behauptet hat, von ihr angespuckt worden ist, das steht allerdings noch offen im Raum. Seiner Darstellung nach war die Frau, die er erst ein Vierteljahr zuvor durch die Vermittlung Verwandter kennengelernt hatte, im Verlauf eines Streits ausfallend geworden und hatte nach ihm gespuckt. In dem Streit war es um den Inhalt eines Briefes gegangen, in dem die heute 27-Jährige von ihrem Ex-Ehemann aufgefordert worden war, ihren jetzigen Lebensgefährten, den Angeklagten, zu verlassen und mit dem gemeinsamen Sohn nach Russland zurückzukehren. Der Ex soll ihr gedroht haben, ihr und ihrer Familie etwas anzutun, wenn sie dem nicht nachkomme.

„Kontrolle verloren“

Sie habe das sehr ernst genommen und beim Besuch in der Wohnung des Bruders des Angeklagten durchblicken lassen, darauf eingehen zu wollen. Daraufhin habe der Angeklagte geäußert, ihr in diesem Fall hinterherfahren zu wollen und sie zurück nach Deutschland zu holen. „Dann würde ihre Familie mich umbringen, hat sie gesagt“, sagte der 52-Jährige vor Gericht. Als die Frau ihn dann noch angespuckt haben soll, habe er die Kontrolle verloren, aus der Küche ein Messer geholt und auf sie eingestochen.

Verwandte hatten Ehe vermittelt

Er hat zugegeben, etwa 8000 Euro bezahlt zu haben, damit die Frau nach Deutschland kommen konnte. Beide gehören einer Religionsgemeinschaft an, in der sehr starke familiäre Bindungen vorherrschen. Zumeist werden Ehen zwischen Mitgliedern verschiedener Familien geschlossen, indem Verwandte als Vermittler auftreten. Nimmt ein Mann eine Frau bei sich in seinem Haus auf, gelten beide als miteinander verheiratet. Nach der Ankunft der Frau in Lingen hatte es nur kurz gedauert, bis sie schwanger geworden war. Wenn sie zurück nach Russland gegangen wäre, so der Angeklagte, hätte er ein Recht darauf gehabt, sein Geld zurück zu erhalten.

Schwerwiegende Verletzungen

Bei der Messerattacke trug die 27-Jährige schwerwiegende Verletzungen davon. Wie zwei Ärzte aus dem Bonifatius-Krankenhaus vor Gericht aussagten, war der Unterarm von dem Messer mit der 18 Zentimeter langen Klinge komplett durchstoßen und die Bauchdecke verletzt worden. „Eine typische Parier-Verletzung, mit der der Stich abgewehrt werden sollte“, beschrieb der Oberarzt. Das sei ihr in der Form auch gelungen, schließlich hatte das Messer dadurch nicht tief in den Bauchraum eindringen können, wo Organe verletzt oder dem Fötus Schaden zugefügt worden wäre. Noch heute ist der Arm der Frau aber schwer in Mitleidenschaft gezogen, auch nach drei Operationen kann sie ihn nur eingeschränkt einsetzen. Das Verfahren wird fortgesetzt.