Ausstellung im Lingener LWH Der Reformator Luther und das Judentum

Martin Luthers Verhältnis zum Judentum: Zu diesem Thema ist im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen-Holthausen noch bis zum 25. März eine Ausstellung zu sehen. Foto: Michael Brendel/Ludwig-Windthorst-HausMartin Luthers Verhältnis zum Judentum: Zu diesem Thema ist im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen-Holthausen noch bis zum 25. März eine Ausstellung zu sehen. Foto: Michael Brendel/Ludwig-Windthorst-Haus

vb/pm Lingen. Der Antijudaismus ist Teil der Christenheit und auch Martin Luther ist ein Judenfeind gewesen: Dies erklärte die Hannoveraner Theologieprofessorin Ursula Rudnick im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen.

Um das Verhältnis des Reformators Martin Luther zum Judentum ging es auf dem Akademieabend „Luthers Juden“ im Ludwig-Windthorst-Haus (LWH). Referentin der Veranstaltung, die als „Lehrhausgespräch“ in Kooperation mit dem Forum Juden-Christen im Altkreis Lingen durchgeführt wurde, war die Hannoveraner Theologieprofessorin Ursula Rudnick.

„Luther hat Judentum diffamiert“

Nach ihrer Aussage war Luther ein Judenfeind, der das Judentum an vielen Stellen in seinen Texten diffamiert habe: „Auch an der Schlosskirche zu Wittenberg finden sich judenfeindliche Hinweise, beispielsweise als Darstellung einer ,Judensau` in der Fassade. Auch der Nationalsozialismus hat sich Luthers bedient, um seine Macht zu festigen.“ Noch im Jahre 2014 hätte die NPD in Eisenach den Reformator zu einer Werbefigur gemacht.

30 Zuhörer im LWH

Die rund 30 Gäste im LWH stimmten laut einer Pressemitteilung der katholisch-sozialen Akademie des Bistums Osnabrück mit der Referentin überein, dass es heute die größte Herausforderung sei, einen großen theologischen Denker und dessen antijudaistische Haltung zusammen zu denken.

„Erblast für Christen“

„Wir müssen erwachsen werden und sagen: eine Ideologisierung Luthers ist nicht mehr möglich“, erklärte Rudnick. Der Antijudaismus sei Teil der gesamten Christenheit. Diese schwierige Erblast dürften Christen nicht einfach ausblenden, sondern müssten sich mit ihr auseinandersetzen und sich klar gegen den Antijudaismus positionieren: „Alle Religionen müssen in einem lebendigen Dialog und lebendiger Beziehung zueinander stehen.“

Im Rahmen des Akademieabends wurde auch die Ausstellung „Ertragen können wir sie nicht: Martin Luther und die Juden“ eröffnet, die noch bis zum 25. März im Hauptgebäude des LWH zu sehen ist. Der Eintritt ist kostenfrei.

18 Bildtafeln

Anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 fordert die aus 18 Bildertafeln bestehende und vom Hamburger Zentrum für Mission und Ökumene der Nordkirche konzipierte Ausstellung „Ertragen können wir sie nicht. Martin Luther und die Juden“ zur kritischen Auseinandersetzung mit dieser Seite des Reformators auf.