Lasertechnik im Emsland Schiefe Augenbraue oder Arschgeweih: Lingenerin entfernt Tattoos

Von Julia Mausch

Ob Modesünde oder ungeliebte Erinnerung an einen Verflossenen – eine Tattoo-Entfernung ist oft teurer als das ursprüngliche Bild auf der Haut, sagt die Lingener Laser-Therapeutin Melanie Gerdelmann. Foto: GerdelmannOb Modesünde oder ungeliebte Erinnerung an einen Verflossenen – eine Tattoo-Entfernung ist oft teurer als das ursprüngliche Bild auf der Haut, sagt die Lingener Laser-Therapeutin Melanie Gerdelmann. Foto: Gerdelmann

Lingen. Ob Modesünde oder ungeliebte Erinnerung an einen Verflossenen – etwa ein Viertel der Deutschen will eine Tätowierung wieder loswerden. Doch die Entfernung ist oft teurer als das ursprüngliche Bild in der Haut, sagt die Lingener Laser-Therapeutin Melanie Gerdelmann.

Tattoos werden einer Studie der Uni Leipzig zufolge immer beliebter. Jeder fünfte Deutsche ist demnach tätowiert. Aber nicht jeder ist mit seinem Tattoo zufrieden. Wenn die Erinnerung an den Ex-Partner nur noch schmerzt oder der chinesische Schriftzug auf dem Handgelenk beim Vorstellungsgespräch für düstere Blicke sorgt, dann bröckelt die Liebe zur Körperkunst – oder wie Ina Müller es einst sang: „Bye-bye, Arschgeweih, ich geb‘ dich zum Lasern frei.“

Bald eigenes Studio

Dermatologen und geschulte Laser-Therapeuten bieten Laserbehandlungen an – das gängigste Verfahren zur Tattoo- oder Permanent-Make-Up-Entfernung. So auch Melanie Gerdelmann. Vor zwei Jahren hat die Lingenerin sich mit ihrem Studio „Makellos“ selbstständig gemacht. Derzeit arbeitet sie noch vorübergehend in den Räumen des Friseurgeschäfts „Haar-Genau Youngstar“ an der Burgstraße, doch im kommenden Monat wird sie ihre eigenes Studio an der Straße „Am Brink 1“ beziehen. Gerdelmann ist ausgebildete Krankenschwester und in diesem Beruf – neben der Tattoo-Entfernung, weiterhin tätig. Sie kann es nachempfinden, was es bedeutet, wenn der Blick in den Spiegel nur noch schmerzt und die Sommermonate, in denen ja bekanntlich Haut gezeigt wird, die Schlimmsten im Jahr sind.

Symbolfoto: dpa

Fettspritzer auf der Haut

Während beim Tätowieren mithilfe einer feinen Nadel Farbe in die zweite Hautschicht injiziert wird, werden die Farbpartikel beim Lasern durch hohe Energiezufuhr zersprengt, damit die körpereigenen Fresszellen sie anschließend umschließen und durch Lymphbahnen abtransportieren können. Der Laserstrahl wird aus kurzer Entfernung auf die Tätowierung gerichtet und geben einen kaum sichtbaren, aber sehr intensiven Lichtblitz ab. Farbkristalle absorbieren das Licht und platzen durch die aufgenommene Energie. Ein lauter Knall entsteht, zeigt Melanie Gerdelmann, als sie den Laser auf einen schwarzen Karton hält. Der Laser erkennt, wo sich ein Farbpigment befindet, und trifft so auch nur die entsprechenden Stellen.

Schmerzhaftes Verfahren

Die Laser-Therapeutin ist ehrlich: „Ganz ohne Schmerzen wird eine Tattoo-Entfernung nicht verlaufen.“ Das Gefühl könne man mit Fettspritzern auf der Haut vergleichen. Mit Narben oder anderen Nebenwirkungen sei in der Regel aber nicht zu rechnen. Beim Lasern rötet sich die Haut zunächst, beruhigt sich aber wieder. In Ausnahmefällen bildet sich Schorf oder entstehen kleine Bläschen, sagt die Lingenerin. Zwischen den einzelnen Sitzungen seien vier bis sechs Wochen nötig, damit die Haut sich ausreichend regenerieren könne.

Symbolfoto: dpa

Wie viele Sitzungen sind notwendig?

Und wie viel Sitzungen brauchen Tätowierte, bis das einstige Kunstobjekt verschwunden ist? Das sei unterschiedlich. Schwarze Tinte lässt sich laut Gerdelmann, deren Kunden aus der kompletten Region kommen, besser von der Haut entfernen als Tinte in bunten Farben. Mit herkömmlichen Lasertechniken können dunkle Tattoos also relativ leicht entfernt werden, wogegen helle Farben zum Teil fast unmöglich aufzulösen sind.

Auch das Alter der Tätowierung und die eingebrachte Farbmenge ist entscheidend. „Je jünger ein Tattoo ist, desto leichter ist es, es wieder zu entfernen.“ Die Entfernung des Tattoos dauert auf jeden Fall länger, als ein Tattoo stechen zu lassen. Bei Laien-Tattoos geht Melanie Gerdelmann von bis zu fünf Sitzungen aus, bei Profi-Tattoos von acht bis zwölf Sitzungen. Problemloser lässt sich dagegen Permanent-Make-Up entfernen. Der Grund: „Im Gegensatz zum Tattoo wird die Farbe beim Permanent-Make-Up nur in die erste Hautschicht eingestochen.“

Alternative Cover-Up

Wem die Kosten zu hoch sind, dem bleiben nur zwei Möglichkeiten: mit der Tätowierung weiterleben oder das alte Tattoo durch ein neues ersetzen – Thema: Cover-Up. Ein Cover-Up ist eine Überdeckungstätowierung. Darauf bereitet Gerdelmann in Absprache mit Tätowierern ihre Kunden ebenfalls vor. Die tätowierte Haut wird da, wo es nötig ist, aufgehellt und anschließend von dem Tätowierer mit dem neuen Motiv überstochen. Das ist problemlos möglich, sagt Gerdelmann: „So kann man unschöne Teilelemente aus den gestochenen Tattoos entfernen und oftmals Meisterwerke vervollständigen.“

Melanie Gerdelmann selbst hat ebenfalls Tattoos, ist also –trotz ihres Lasers – kein Feind des Körperschmucks.