Ehefrau schwer verletzt Prozess wegen Messerstecherei in Lingen

Von Horst Troiza

Vor dem Landgericht Osnabrück muss sich Montag ein Mann aus Lingen verantworten. Ihm wird vorgeworfen, bei einem Streit seine Ehefrau mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt zu haben. Symbolfoto: dpaVor dem Landgericht Osnabrück muss sich Montag ein Mann aus Lingen verantworten. Ihm wird vorgeworfen, bei einem Streit seine Ehefrau mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt zu haben. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Im Streit hatte ein 52-Jähriger aus Lingen vor einem Jahr seine jetzt 27-jährige Lebensgefährtin mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Die schwangere Frau überlebte die Attacke nur knapp. Vor dem Landgericht Osnabrück ist jetzt das Verfahren wegen versuchten Totschlag eröffnet worden.

Der Angeklagte und das Opfer gehören einer eigenständigen ethnisch-religiösen Gruppe an, die im nördlichen Nahen Osten beheimatet ist. Traditionell werden dort Ehen von Vermittlern gestiftet.

Der Angeklagte, der bereits seit mehr als drei Jahrzehnten in der Bundesrepublik lebt, war vor drei Jahren zu Besuch in seiner alten Heimat, wo ihm durch Verwandte die Ehe mit der geschiedenen Frau angetragen wurde. In direkte Berührung war er damals mit ihr nicht gekommen, aber nachdem das erste Interesse zwischen den beiden ausgelotet worden war, erfolgte das Kennenlernen über eine Internet-Plattform.

Aufenthaltsstatus ungeklärt

Kurz vor Weihnachten 2016 war die junge Frau dann in Begleitung ihres sechsjährigen Sohnes aus erster Ehe in Lingen eingetroffen und in die Wohnung des Angeklagten gezogen. Einige Wochen später war sie schwanger geworden. Das Verhältnis zwischen ihr und dem Angeklagten, das im Rückblick von beiden unabhängig als sehr gut beschrieben worden war, trübte sich. Unter anderem hing das mit dem ungeklärten Aufenthaltsstatus der Frau hier im Land zusammen.

Unterschiedliche Angaben zum Grund des Streits

Am 21. März vergangenen Jahres war es in der Wohnung des Bruders zum Streit zwischen ihnen gekommen. Über dessen Ursache liefern beide unterschiedliche Darstellungen. Der Angeklagte behauptet, von ihr beleidigt und bespuckt worden zu sein, die Frau vermutet, Grund des Streits sei der Versuch ihres ersten Mannes gewesen, mit ihr Kontakt aufzunehmen.

Verbale Auseinandersetzung

Als die verbale Auseinandersetzung zwischen ihnen an Heftigkeit zugenommen hatte, war der 52-Jährige den Aussagen zufolge mit einem Mal in die Küche gegangen und von dort mit einem Messer in der Hand ins Wohnzimmer zurückgekehrt. Mit den Worten „Ich bringe dich um“ war er auf sie losgegangen, obwohl seine anwesende Mutter und eine Schwägerin ihn davon abzubringen versucht und ihn festgehalten hatten. Dann stach er mindestens zweimal mit der 18 Zentimeter langen Klinge in Richtung Bauch der Frau, wobei er sie schwer am schützend vor den Unterleib gelegten Unterarm verletzte. Ein weiterer Stich drang in ihren Oberbauch ein.

Verhandlung wird fortgesetzt

Nach Meinung der Ärzte, die die Verletzungen im Krankenhaus behandelten, sei es nur dem Schutz durch den angelegten Unterarm zu verdanken gewesen, dass weder lebenswichtige Organe noch der Fötus in ihrem Leib schwerwiegende Verwundungen davongetragen hatten. Doch noch heute kämpft die Frau mit den Folgen. Sie ist drei Mal am Arm operiert werden müssen und kann ihn und die Finger der rechten Hand nur zu einem geringen Teil bewegen. Außerdem leidet sie psychisch an dem Erlebten und befindet sich deswegen in Behandlung. Das Verfahren wird fortgesetzt.