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18.03.2018, 17:30 Uhr

Fachwissen aus Lingen erhalten

Kommentar von Thomas Pertz

Brennelemente für Kernkraftwerke werden bei ANF in Lingen hergestellt. Foto: Sven LampeBrennelemente für Kernkraftwerke werden bei ANF in Lingen hergestellt. Foto: Sven Lampe

Lingen. Was Unternehmensleitung und Beschäftigte bei ANF in Lingen in den letzten Jahren in einem Schulterschluss geleistet haben, verdient Respekt, meint der Kommentator.

Dass es die Unternehmensleitung von ANF und die Beschäftigten in einer gemeinsamen Kraftanstrengung geschafft haben, das Lingener Werk durch äußerst kritische Phasen wieder in die Erfolgsspur zu bringen, verdient Respekt. Sicher nicht ungeteilten, denn dafür ist die Zahl der Gegner dieser Anlage zu groß. Wer jedoch bedenkt, dass sieben der acht Kernkraftwerke, die 2011 in Deutschland sofort abgeschaltet wurden, Kunden von ANF waren, kann die Größe der Herausforderung ein wenig ermessen, vor der die Brennelementefabrik gestanden hat.

Auch die Gegner der Atomenergie müssen zur Kenntnis nehmen, dass der Atomausstieg außerhalb Deutschlands ein kleineres Thema ist als hierzulande. Weltweit sind seit der deutschen Entscheidung zum Ausstieg über 40 Kernkraftwerke neu ans Netz gegangen.

Die Energiepolitik ist Sache jedes einzelnen Staates. Warum sollte es ANF da nicht weiter erlaubt sein, seine Brennelemente aus Lingen zu exportieren? Dass dies nur auf der Grundlage der Einhaltung aller sicherheitstechnisch relevanten Vorgaben zu geschehen hat, versteht sich von selbst.

Ein Weiteres kommt hinzu. Wenn Fachwissen bei Nuklearanlagen wie die von ANF laut Koalitionsvertrag erhalten bleiben soll, kann dies nur gelingen, wenn nicht ständig deren Existenz infrage gestellt wird. Sonst sucht sich dieses Fachwissen einen anderen Arbeitsplatz. Die starke Verbundenheit der Belegschaft von ANF mit dem Werk zeigt aber, dass diese durch die vielen kontroversen Debatten in der Vergangenheit eher noch mehr zusammengerückt sind. Auch dies verdient Respekt.


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