Parov Stelar in der Emslandarena Wenn der Pionier des Electro-Swing zum Marionettenspieler wird

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Lingen. Hipster in Holzfällerhemden, Gothik-Frauen in schwarzen Kleidern, ein Oldie mit grau-weißen Haaren und zwischendrin zwei, drei Kinder. Parov Stelar, der Pionier des Electro-Swing, vereint sie alle. Den Beweis gab es Freitagabend bei seinem Konzert in der Emslandarena.

Cleo Panther gibt den Ton an. In einer kurzen pinken Hose steht die Sängerin auf der Bühne, umrahmt von einer Bläser-Partie. Die Sängerin der Parov Stelar Band bewegt ihre Hüften und ruft ins Mikrofon: „Lingen, how are you doing on this wonderful day?“ Gut geht es allen. 1500 Besucher sind in die Emslandarena gekommen. Aus Bielefeld, Osnabrück, Hamburg und ja sogar Cuxhaven. Nicht wegen Cleo Panther, sondern wegen Parov Stelar.

Stelar ist Marionettenspieler

Hinter dem recht sperrigen Künstlernamen Parov Stelar verbirgt sich der DJ und Musikproduzent Marcus Füreder aus Österreich. Der 43-Jährige gilt als Pionier des Electro-Swing. Hat mit Stars wie Lady Gaga, Robbie Williams oder Lana Del Rey gearbeitet und füllt mittlerweile auf der ganzen Welt Hallen. Parov Stelar wirkt am Freitagabend, als wär er nicht Teil der Show. Sein Haar ist nach hinten gegelt, er trägt ein schwarzes Shirt. Abgeschirmt durch zwei große Monitore steht Stelar auf einem Podest. Er ist Marionettenspieler. Er zieht an den Fäden, lässt die Band für sich tanzen. Es verschmelzen Gesang, Schlagzeug, Bass, Trompete und Saxofon mit den elektronischen Beats und Samples zum unverkennbaren Sound des Electro-Swings.

Cleo Panther gibt den Ton an. In einer kurzen pinken Hose steht die Sängerin auf der Bühne, umrahmt von einer Bläser-Partie. Foto: Julia Mausch

Electro-Swing funktioniert

Auch die Soli des Saxofonisten begeistern das Publikum um ein Weiteres. Doch neben der swingigen Musik und der Bühnenperformance elektrisieren vor allem die Bilder und Lichter. Parov Stelar liefert den idealen Soundtrack zum kollektiven Hüftschwingen und Fingerschnippen. Dass nach so vielen Jahren Electro-Swing zum Mainstream geworden ist, hat einen anderen Grund: Diese Musik geht einfach ab. Sie geht ins Ohr. Electro-Swing funktioniert. Man kann problemlos dazu tanzen. Und fürs Auge ist auch etwas dabei mit Blick auf Cleo Panther und ihre ausgefallenen Kostüme, mit denen sie optisch einen auf 1920er-Jahre macht. Doch neuerdings geht Marcus Füreder noch einen Schritt zurück. Er bringt legendäre Blues-Rhythmen von Muddy Waters oder Lightnin‘ Hopkins auf den Dancefloor. Etwas ruhigere, bluesig-folkige Klänge.

Elektrisierendes „All Night“

Im Karibikflair angehauchten „Cuba Libre“ brilliert Cleo Panther stimmlich und liefert eine wunderschöne Version von „Mama Talking“, die Gelegenheit zum kurzen Durchschnaufen bietet, bevor ein elektrisierendes „All Night“ ertönt. Bei „Clap your hands“ und „Catgroove“ gibt es kein Halten mehr. Das Konzert erinnert mehr an eine Party in einer Disco. Die Fans schwingen ihre Hüften und halten bis zum Ende durch. Die Show war gut, die Party auch. Dankend verabschiedet sich die Parov Stelar Band nach gut anderthalb Stunden Konzert. Was bleibt, ist ein zufriedenes Publikum, das lange noch nicht genug hat.


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