Außer Spesen nichts gewesen? Frage nach dem Reformationsgedanken am LWH in Lingen

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Bei der Festakademie am 127. Todestag von Ludwig Windthorst trafen sich v.l. LWH-Leiter Michael Reitemeyer, Kirchenpräsident Martin Heimbucher, Landessuperintendentin Birgit Klostermann, Weihbischof Johannes Wübbe, Hermann Kues und Birgit Stoßberg. Foto: Johannes FrankeBei der Festakademie am 127. Todestag von Ludwig Windthorst trafen sich v.l. LWH-Leiter Michael Reitemeyer, Kirchenpräsident Martin Heimbucher, Landessuperintendentin Birgit Klostermann, Weihbischof Johannes Wübbe, Hermann Kues und Birgit Stoßberg. Foto: Johannes Franke

Lingen. „Außer Spesen nichts gewesen? Was bleibt vom Reformationsgedenken?“ — Diesen Fragen stellten sich jetzt bei einem Akademieabend Weihbischof Johannes Wübbe, Landessuperintendentin Birgit Klostermeier und Kirchenpräsident Martin Heimbucher im LWH in Lingen.

Anlass der Diskussion war Windthorsts 127. Todestag. „Wir müssen weiter gemeinsam in Kontakt bleiben und die nächsten Schritte gehen“, betonte Weihbischof Johannes Wübbe. Es gebe viele positive Ansätze, die für die Ökumene Schritte nach vorne bedeuten können, unterstrich Birgit Klostermeier. Man müsse den Mut haben weiterzudenken, unruhig zu bleiben, miteinander ehrliche Wege beschreiten, erklärte Martin Heimbucher. „Ja, wir müssen es für die Menschen und um Christi Willen weiter voranbringen“, sagte Johannes Wübbe.

Theologisch hohes Niveau

Die Podiumsdiskussion wurde theologisch auf einem hohen Niveau geführt. Ob jedoch das Thema für jeden Einzelnen erschöpfende und zufriedenstellende Antworten enthielt, bleibt offen. Denn oftmals sehr zugespitzt und für den Laien zu wenig pragmatisch nachvollziehbar blieben die Antworten der katholischen, evangelisch-lutherischen und evangelisch-reformierten Kirchenvertreter. Kirchenpräsident Martin Heimbucher bemerkte in seiner Predigt: „Politische Verantwortung bedarf eines hörenden Herzens.“ Seine Aussagen zur „Sprache des Herzens“ wie freie Meinungsäußerung, Minderheitenschutz, Barmherzigkeit, Toleranz, Gerechtigkeit oder Verhinderung von staatlicher Autorität im Sinne von Ludwig Windthorst, vertrat er auch in der Podiumsdiskussion.

„Nicht enttäuscht“

Alle drei seien nicht enttäuscht gewesen über das das Luther- oder Reformationsjubiläumsjahr. „Ich bin eher positiv überrascht über die christliche Neugierde, Religion im Themenjahr wieder neu zu entdecken“, betonte Klostermeier. Das „gute, respektvolle Miteinander“, was auch auf persönlichen Beziehungen beruhe, sowie das große Interesse an Vorträgen und Veranstaltungen, sahen alle als Erfolg, auch wenn man „Klischees mit einkauft“, so Heimbucher. „Wir können sehnsuchtsvoll hoffen, dass wir in guter geschwisterlicher Achtung und Wertschätzung auch noch mal weiterkommen“, äußerte sich Wübbe

Nuancen

Deutlich wurde trotz aller theologischer Nuancen im Austausch, auf dem vorhandenen Vertrauensverhältnis für die Christen weiter voranzuschreiten. Das ökumenische Miteinander erlebe Martin Heimbucher täglich als Gemeindepfarrer. Die Frage, warum sind wir noch getrennt, obwohl wir an einen Gott glauben, war nicht in wenigen Sätzen zu beantworten und mag mit der Antwort: „Es ist die Vielfältigkeit, die uns offenhält. Geistig gesehen brauchen wir die Vielfalt“, so Klostermeier, eher zur „Grummelstimmung“ beitragen. „Unsere Aufgabe ist nicht das Trennende“, sagte Wübbe. Es gebe immer wieder neue wissenschaftliche und theologische Impulse, die wir als Hoffnungsschimmer aufnehmen müssen. „Es gibt noch Luft nach oben, und situativ müssen wir den Menschen helfen. Das ist unsere Aufgabe“, bemerkte er. Die Reformation und Trennung habe tiefe Wunden hinterlassen, die nicht so schnell heilen. Doch die christlichen Kirchen seien trotz unterschiedlicher Denktraditionen nicht statisch. „Kirche ist als Lebendigkeit zu begreifen, und es sind die Menschen, über die sich was verändern wird“, so Klostermeier. „Wir müssen auf die Stimmen der Gläubigen hören und vielmehr das entdecken, was uns verbindet“, unterstrich Wübbe. Diesen Gedanken griff Hermann Kues abschließend auf, verwies auf „theologisch abgehobene Zirkel, die nur begrenzt alltagstauglich sind.“ Wichtig sei es, Diskussionen wie diese für die Menschen in ihrem christlichen Glauben umzusetzen.

Musikalischer Rahmen

Tobias Bako am Flügel und Kai Liedtke am Saxophon sorgten für den musikalischen Rahmen.


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