Musik zum Anschauen Beeindruckendes Balletterlebnis in Lingen

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Lingen. Das war ein enorm beeindruckendes Balletterlebnis, was sich den Besuchern im jüngsten Abonnementkonzert im Lingener Theater an der Wilhelmshöhe darbot. Zwölf begnadete, junge Tänzerinnen und Tänzer des Bayerischen Junior Balletts aus München beglückten ihr wahrlich begeistertes Publikum mit Tanz von erstklassigem Handwerk.

Ihre fantasievollen Choreografien, der Umgang mit der zudem spannend gestalteten und eingesetzten Musik, ließ dem Abend einige Faszination zukommen, die für mit Tschaikowski überfrachtete Gemüter eine reine Wohltat war.

Nicht ohne Schwanensee

Damit es da aber kein Vertun gibt: ohne Schwanensee kommen auch die Bayern nicht aus. Und so stand das Pas de Six am Anfang des Programms ein wenig mit Alibifunktion da. Sehr klassisch, sehr artig und doch mit schönen Bildern und enormer Anmut. Weitaus spannender gestalteten sich dann aber die Bilder einer Ausstellung nach der Musik von Modest Mussorgsky. Hier widmete man sich in den einzelnen Bildern sehr unterschiedlichen bildenden Künstlern, die quasi Pate standen für die teils bezeichnend ausgefallenen Choreografien. Die liebevoll gestalteten Kostüme waren dem geneigten Zuschauer eine willkommene Hilfe bei der Zuordnung von Namen wie René Magritte, Roy Lichtenstein, Joseph Beuys oder Pablo Picasso, um nur einige zu nennen.

Musik als Tanzerlebnis

Zu hören gab es die Bilder nur vereinzelt in der Reinform, also als Klaviermusik. Vielmehr suchte diese Inszenierung sehr abwechslungsreich nach Bearbeitungen, Transkriptionen für Laute, für Gitarre oder Marimba, Bearbeitungen für Orgel und Pauken wie auch gespickt mit massiven elektronischen Klängen und lebensechtem Hühnergegacker beim Tanz der Küken in den Eierschalen. Den beiden Tänzern wurde hier sattes Polster auf ihre so schlanken Körper geschmiegt – ganz Picasso! Ein herrliches Musik- wie Tanzerlebnis.

Sehr futuristisch

Moderne Zeiten begegneten dem Publikum in „DisTanz“, einer Choreografie von Dustin Klein. Es geht hier in Synthesizer geprägten Klängen um ein Phänomen von Akzeptanz und Ablehnung menschenähnlicher Roboter. Sehr futuristisch und eindrücklich getanzt, mit mechanisch verfremdeten Bewegungen zeigte es sich erstaunlich fesselnd. Bravo!

Ein getanztes Dessert

Sehr stringent seine Geschichte erzählend wirkte „Jardi Tancat“, in dem ein Tagesablauf oder auch Lebenslauf dargestellt wird. Sehr traditionell klangen hier die Gesänge von Maria del Mar Bonet nach katalanischen Volksmärchen, so auch wiederum der anmutige und scheinbar schwerelose Tanz der sechs Eleven. Starke Bilder einer vielleicht nicht ganz unpolitischen Liebesgeschichte. Als programmierte Zugabe zu verstehen – denn außer dieser gab es keine – beschlossen drei Preludes von George Gershwin den Abend. Quasi ein getanztes Dessert, das noch einmal richtig Freude weckt an dem Genuss der hier gezeigten so sehr großen Kunst perfektester Körperbeherrschung. Musik zum Anschauen. Großartig!


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