Neuer Standort in der Nähe Lingens Blaue Madonna zieht um

Von Eva-Maria Riedel


Lingen. Wer hat schon das Glück eine Madonna am Haken zu haben und dazu noch eine blaue? Sagen wir es einmal ganz salopp: die Jungs vom Bauhof der Stadt Lingen.

Die Blaue Madonna mit dem Standort auf der Grünfläche vor dem Hotel Looken Inn war schon eine Weile etlichen Kunstbeflissenen vom Platz her gesehen ein Dorn im Auge. So auch dem ehemaligen Leiter der Kunsthalle Lingen, Heiner Schepers, der bereits vor längerer Zeit betonte, „dass die Blaue Madonna keine Gartenskulptur sei, sondern ein Recht auf eine angemessene, dominantere Platzierung habe“.

Raus aus dem Rosenbeet

Hierbei handelt es sich um ein Kunstwerk von Wasa Marjanov, das er im Jahr 1989 für die Stadt Lingen schuf und das im Rahmen der Serie „Kunst im öffentlichen Raum „ in der LT noch einmal vorgestellt wurde. Gestern war also der Tag „X“. Nun hieß es für die Madonna raus dem Rosenbeet, raus aus dem Lavendel, weg von dem Gründungsgedenkstein der SPD Lingen. Doch allzu weit musste die Blaue Madonna nicht umziehen. Man könnte es fast schon als „Trageumzug“ bezeichnen, wenn sie nicht zu schwer gewesen wäre.

Steinklotz

Nun steht die Blaue Madonna einige Meter weiter frei auf der selben Rasenfläche und es stimmt schon: Sie beeindruckt hier weitaus mehr. Angesichts der Gerätschaften, mit denen die Männer vom Bauhof angerückt waren, fragt man sich schon, wie denn damals die Pyramiden entstanden sind? Alles von Menschenhand – unglaublich. Die Bauhof-Mitarbeiter konnten nicht ahnen, auf welchem Fundament beziehungsweise riesigen Steinbrocken die Blaue Madonna gestanden hat. Da musste tüchtig gebuddelt werden und schließlich kam der große „Greifer“ und transportierte den Mutterboden auf das Baufahrzeug, während die Blaue Madonna „erschöpft“ am Boden ruhte. Der Stein in Mannesgröße wurde anschließend gut verschnürt und per Bagger in das neue tiefe Loch im Rasen herabgelassen. Doch ganz so einfach gestaltete sich das Ganze nicht. Der Sockel musste zudem exakt zurechtgerückt werden und was sich bei Möbeln relativ leicht händeln lässt, erforderte hier schon handwerkliches Geschick. Damit das Kunstwerk nicht in eine Schräglage geriet, musste die Wasserwaage herhalten. Und sie brachte die Wahrheit an den Tag: ein bisschen mehr nach links, nach hinten, nach vorne und dann stop – es hat geklappt. Bis zur gewünschten Sockelhöhe wurde anschließend der Mutterboden wieder aufgefüllt.

Stadtleben

Anschließend ging es der Blauen Madonna an den Kragen. Stark bandagiert hing sie am Bagger, der sie zu ihrem neuen Standort fuhr. Ein bisschen näher zum Stadtleben ist sie aufgerückt , blickt nun noch intensiver auf das moderne Treiben der Bürger, wobei, wenn sie sprechen könnte, sie an die Tierhalter appellieren würde, die Exkremente ihrer Hunde unbedingt wegzuräumen, damit auch aus dieser Grünfläche eine kleine Oase Lingens werden kann.