Beratungsstellen ziehen Bilanz Verbände: Zu wenig Hebammen und bezahlbare Wohnungen im Emsland

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Stehen Schwangeren zur Seite (von links): Margret Rohjans, Kerstin Merks, Ariane Geesen und Heike Veen. Foto: Thomas PertzStehen Schwangeren zur Seite (von links): Margret Rohjans, Kerstin Merks, Ariane Geesen und Heike Veen. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Im Emsland fehlt es nach Angaben des Caritasverbandes und des SKF an Hebammen und bezahlbarem Wohnraum für finanzschwächere Bürger. Mit diesen beiden Problemen werden die katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen im Landkreis am häufigsten konfrontiert. Darauf wiesen deren Vertreterinnen in einem Pressegespräch in Lingen hin.

Träger dieser Beratungsstellen sind der Caritasverband und der Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) in Lingen und Meppen. Im vergangenen Jahr nutzten 1129 Frauen die Beratungsangebote in Lingen, Meppen, Papenburg, Sögel und Esterwegen. Die finanzielle Situation ist in den Gesprächen oft ein Thema. In Lingen war dies in 79,6 Prozent der Beratungsfälle so.

Wie Caritas-Geschäftsführer Marcus Drees und die Lingener SKF-Geschäftsführerin Marita Theilen erläuterten, würden mit den Ratsuchenden die unterschiedlichen Problemlagen besprochen und ein Hilfekatalog erstellt. Dazu zähle neben der psychosozialen Beratung auch eine wirtschaftliche Hilfe über die Bundesstiftung „Mutter und Kind“ oder den Bischofsfond „Mütter in Not“ des Bistums Osnabrück. Rund 400.000 Euro kamen aus diesen beiden Töpfen im vergangenen Jahr 770 Ratsuchenden in den katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen im Emsland zugute.

Durchschnittsalter zwischen 22 und 30 Jahren

Das Durchschnittsalter der schwangeren Frauen liege zwischen 22 und 30 Jahren, berichteten die Beraterinnen Heike Veen (SKF Meppen), Kerstin Merks (SKF Esterwegen), Ariane Geesen (SKF Lingen) und Margret Rohjans (Caritasverband, zuständig für Papenburg und Sögel) aus der täglichen Praxis. In den Gesprächen hören die Beraterinnen immer wieder die Klage von Betroffenen über einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum. „Es fehlt an Sozialwohnungen, das ist das Problem“, erklärte Drees. Wenn aus Paaren – ungeplant – Eltern werden, der Partner seinen Arbeitsplatz verloren hat, Hartz IV-Empfänger ist oder die Beziehung abbricht und sich auch der finanziellen Verantwortung für das Kind entzieht, wird die Komplexität der Beratungsthemen schnell deutlich, hieß es in der Gesprächsrunde.

Kurse sind ausgbebucht

Ein weiteres Problem ist nach Angaben der Beraterinnen die viel zu geringe Zahl der freiberuflichen Hebammen für die Begleitung der Schwangeren. Die Vergütungen für festangestellte und freiberufliche Hebammen halten Berufsverbänden zufolge nicht Schritt mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung. Hinzu kommt, dass die Beiträge zur beruflichen Haftpflichtversicherung für diese Berufsgruppe in den vergangenen Jahren immer wieder angehoben worden sind.

Wie wirkt sich der Mangel an Hebammen im Emsland aus? „Bis September sind alle Kurse ausgebucht“, beschrieb Margret Rohjans die Situation. Das bedeutet: Anders als noch vor Jahren können Schwangere nicht davon ausgehen, während der Schwangerschaft auch eine Hebamme zu bekommen. Dabei sei die Phase der Geburtsvorbereitung in vielerlei Hinsicht wichtig, Ängste und Unsicherheiten zu nehmen. Angebote im Rahmen der „Frühen Hilfen“ der Träger der katholischen Schwangerenberatung würden den Mangel etwas abfedern, sagte Drees.

„Da sein und auffangen“

Ja sagen zum ungeborenen Leben: Eine solche Aussage ist gerade im Zeitalter der Pränatalen Diagnostik (PND) kein Automatismus. Vorgeburtliche Untersuchungen, die Aussagen über bestimmte Krankheiten und Behinderungen des ungeborenen Kindes machen, können rasch zu Gewissensentscheidungen werden „und das Leben schnell in Frage stellen“, berichtete Heike Veen aus ihrer Beratungspraxis. Die Möglichkeiten der PND haben auch den Beratungsbedarf der katholischen Beratungsstellen erhöht. Hier kommt es nach Angaben der Beraterinnen ganz besonders darauf an, gute Hilfestellungen zu bieten. „Da sein, auffangen, ein paar Tage abwarten mit der Entscheidung darüber, was der nächste Schritt sein kann“, riet Veen.

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