Prozess vor dem Landgericht Überfallopfer aus Lingen hat immer noch Angst

Von Horst Troiza

Vor dem Landgericht Osnabrück müssen sich derzeit drei junge Männer wegen eines Überfalls auf eine Pizzabotin in Lingen verantworten. Symbolfoto: dpaVor dem Landgericht Osnabrück müssen sich derzeit drei junge Männer wegen eines Überfalls auf eine Pizzabotin in Lingen verantworten. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Im Verfahren um den bewaffneten Überfall auf eine Pizzabotin in Lingen hat die Befragung von Zeugen begonnen. Das Opfer hat eindringlich den Moment geschildert, als es mit der Waffe bedroht wurde, und dass es heute noch unter Angstzuständen leidet. Angeklagt sind ein 22-Jähriger sowie zwei 17-Jährige aus dem mittleren Emsland.

Es war gegen 20 Uhr an einem Abend Mitte September vergangenen Jahres, als die Frau mit einer Pizzabestellung an der Pestalozzischule in Lingen eintraf. Ein Mann winkte ihr etwa zwanzig Meter von der dortigen Bushaltestelle zu und sie hielt neben ihm an. Sie stieg aus und öffnet den Kofferraum, wo sich die Warmhaltebox mit dem Essen und auch die sogenannte Kellnergeldbörse befanden. „Da hat er mit einem Mal eine Pistole auf meinen Kopf gerichtet und wollte das Geld“, schildert sie den Moment. Er schnappte sich das Geld, rannte in das Waldstück hinein und verschwand.

Fachärztliche Hilfe

Der Schock hat der knapp 40-Jährigen bitter zugesetzt. Sie benötige noch heute fachärztliche Hilfe, erklärt sie bei der Befragung durch die Richter. Wenn unvermittelt Menschen neben ihr auftauchen, ihr zu nahe kommen, breche die Angst wieder hervor. Sie bleibe viel zu Hause, fühle sich draußen auf der Straße nicht wohl. „Der Arzt meint, ich sollte eine Kur antreten, aber ich möchte nicht. Ich muss mich doch um meine Kinder kümmern“.

Frau kann Täter nicht identifizieren

Die Frage der Vorsitzenden der Kammer, ob sie einen der drei Angeklagten als den Angreifer identifizieren könne, verneint sie. Er habe eine grüne Basecap getragen, tief ins Gesicht gezogen. Eine helle Hautfarbe habe er gehabt, viel mehr weiß sie nicht zu sagen. Bei den Kleidungsstücken ist sie sich nicht sicher, ob die Jacke eine grüne oder braune Farbe hatte. „Das Ganze hat doch nur wenig mehr als eine Minute gedauert und ich war so geschockt“.

„Schon recht dilettantisch“

Dass trotzdem drei Angeklagte vor Gericht stehen, hat andere Gründe. „Schon recht dilettantisch“, bezeichnete einer der später befragten Ermittlungsbeamten dem Gericht das Vorgehen der jungen Männer. Denn die Pizzabestellung war von einem Mobiltelefon aufgegeben worden, wobei die Rufnummer nicht unterdrückt worden war. Schnell war die Polizei auf die Spur des 22-Jährigen gekommen. Eine Funkzellenauswertung ergab als Standort den Bereich der Pestalozzischule. Am Nachmittag des Tages nach der Tat schnappte ein Fahndungsteam ihn in Groß Hesepe, in Anwesenheit eines Mobilen Einsatzkommandos, da bei ihm die Waffe vermutet wurde.

Angeklagter bestreitet Tat

Vor Gericht bestreitet er die Tat, belastet einen der beiden 17-Jährigen. Dem gehört die grüne Basecap, die vom Opfer beschrieben worden ist. Auf einem Selfie, dass die Ermittler auf seinem beschlagnahmten Mobiltelefon sicherstellten und das nur wenige Minuten vor der Tat gemacht wurde, trägt aber er die Kappe.

Verfahren wird fortgesetzt

Die beiden 17-Jährigen sind angeklagt, von der Tat gewusst und sie nicht angezeigt zu haben. Wie sie erklären, habe der 22-Jährige sie gefragt, ob sie bei dem Überfall mitmachen wollten, doch sie lehnten ab und blieben während der Tat im Auto sitzen. Allein diese Mitwisserschaft reicht, sie ins Gefängnis bringen zu können. Das Verfahren wird fortgesetzt.