Migranten einbinden Projekttage an Lingener BBS: Schule ohne Rassismus

Von Jessica Lehbrink

Die BBS Agrar und Soziales in Lingen möchte sich bald „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ titeln. Bei den Projekttagen stellten die Schüler ihre Ausarbeitungen zu verschiedenen Themen rund um das Oberthema Rassismus vor. Dazu zählte auch eine Box, die „hinter die Fassade“ blicken ließ. Foto: Jessica LehbrinkDie BBS Agrar und Soziales in Lingen möchte sich bald „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ titeln. Bei den Projekttagen stellten die Schüler ihre Ausarbeitungen zu verschiedenen Themen rund um das Oberthema Rassismus vor. Dazu zählte auch eine Box, die „hinter die Fassade“ blicken ließ. Foto: Jessica Lehbrink

Lingen. „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“: Diesen Titel möchte die BBS Agrar und Soziales bald tragen. Dafür setzen sich Schüler des beruflichen Gymnasiums Gesundheit und Soziales unter anderem mit Projekttagen ein.

Zum Organisationsteam des Projekts „Schule ohne Rassismus“ zählen unter anderem die 18-jährigen Schülerinnen Lena Mix und Lea Herpel. An ihrem Stand konnten sich Interessierte zum Thema Rassismus im Allgemeinen informieren. Auf die Frage, ob sich Rassismus auch für sie an der Schule bemerkbar macht, sagt Herpel: „Ich glaube, er ist schon vorhanden, aber wir wollen ihn so minimal wie nur möglich halten.“ Auffällig findet sie, dass Migranten und Flüchtlinge in den Schulen oft in Gruppen für sich zusammenstehen. Deshalb geht es bei der „Schule ohne Rassismus“ nicht nur um die Einstellung der deutschen Schüler zu diesem Thema. „Wir wollen auch die Migranten mit einbinden“, erläutert Mix und zeigt dabei auf den benachbarten Stand, an dem Migranten und Flüchtlinge der Schule vorgestellt werden. Sie erzählen in einer Kurzfassung die Geschichte dieser Menschen.

Migranten sehen keine berufliche Zukunft in Deutschland

Spezifischer wurde es an den Ständen ihrer Mitschüler. „Wir haben überlegt, ob Migranten nicht eine Chance sind, um den Pflege- und Ärztemangel in Deutschland auszugleichen“, erzählt Finn Otterbeck. Befragt wurden Schüler der BBS Wirtschaft sowie der BBS Agrar und Soziales. Die Ergebnisse zeigen: Bei den Deutschen herrscht eine große Toleranz, würden sie von Ärzten und Pflegern mit nicht deutschen Wurzeln behandelt. Auch seitens der Migranten gab es mit 68 Prozent ein großes Interesse an der Arbeit im medizinischen Bereich. „Allerdings sagen auch 100 Prozent der befragten Migranten, dass sie in Deutschland keine berufliche Zukunft sehen“, betont Otterbeck. Dies läge an den sehr hohen Bildungsansprüchen in Deutschland.

Handlungsbedarf bei Sprachförderung in der VHS

An einem anderen Stand ging es um das Thema Sprachförderung. Dafür haben Schüler mit den Berufeinstiegsklassen (BEK) und der Volkshochschule (VHS) Lingen zusammengearbeitet. „Wir konnten auch den Unterricht begleiten“, berichtet Jana Richtering. Ein wenig erschreckend sei das Ergebnis ihrer Umfrage gewesen, so Schülerin Johanna Wessel: „Es kam heraus, dass die BEKs durch den normalen Umgang mit anderen deutlich mehr Kontakt zur deutschen Sprachen haben, als in der VHS.“ Deshalb sehen einige Schüler auch in der Sprachförderung der VHS Handlungsbedarf.

„Es ist eine Kür„

Hinzu kamen weitere Projektstände von Schülern sowie beispielsweise auch ein Stand des Kreissportbundes für mehr Integration und Inklusion im Sport und der Dritte-Welt-Laden, der über Fair Trade informierte.

Im Mai wird es nochmals eine entsprechende Projektwoche sowie Präsentationen von Facharbeiten geben, kündigt Schulleiterin Petra Niewiera an. „Es ist eine Pflicht, solche Projekte durchzuführen. Aber es ist eine Kür, solche Themen gut aufzugreifen“, sagt Niewiera und zeigt sichtlich, wie stolz sie auf die Arbeit ihrer Schüler ist.

Hoffen auf Unterstützung

Die BBS Technik und Gestaltung hat bereits seit Juni 2017 den Titel der „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Bis zum Juni dieses Jahres, hofft auch die BBS Agrar und Soziales sich anschließen zu können. „Dafür müssen wir aber noch einige Unterschriftenlisten rumgehen lassen und die Anträge einreichen“, erklärt Herpel. 70 Prozent der Stimmen aller Schüler und Lehrkräfte werden dafür benötigt. „Wir hoffen auf ihre Unterstützung.“

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