Geldstrafe für Selbstjustiz 21-Jähriger wegen versuchter Erpressung in Lingen verurteilt

Von Anne Bremenkamp

Das Amtsgericht Lingen hat jetzt einen 21-Jährigen wegen versuchter Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung und versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen á zehn Euro verurteilt. Symbolfoto: dpaDas Amtsgericht Lingen hat jetzt einen 21-Jährigen wegen versuchter Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung und versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen á zehn Euro verurteilt. Symbolfoto: dpa

Lingen Ein Fall von Selbstjustiz brachte einen 21-jährigen Mann vor das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Lingen. Zunächst war er wegen Raubes in Tateinheit mit Körperverletzung und versuchter Nötigung angeklagt. Letztlich wurde der zweifach Vorbestrafte mangels nachgewiesener Zueignungsabsicht wegen versuchter Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung und versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen á zehn Euro verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Angeklagte räumte ein, im Oktober 2017 in der Lingener Innenstadt einen ihm bekannten 17-jährigen zunächst nach Marihuana gefragt zu haben. Als der Jugendliche es verneinte, Drogen beschaffen zu können, entriss der 21-jährige ihm zunächst das Smartphone im Wert von rund 630 Euro. Nachdem er ihm auch die Geldbörse abgenommen hatte, darin aber lediglich zehn Cent fand, gab er diese seinem Gegenüber zurück. Dann schlug er den Geschädigten mit der Faust in das Gesicht und forderte ihn dazu auf, ihm die Füße zu küssen. Während der 17-jährige dieser Aufforderung aus Angst vor weiteren Tätlichkeiten nachkam, bespuckte der Angeklagte den vor ihm Knieenden.

Zudem ließ er sein Opfer wissen, dass dieser das Smartphone nur gegen Zahlung von hundert Euro wiederbekommen werde und er sprach Drohungen aus für den Fall, dass sich der 17-jährige an die Polizei wende. Gleichwohl erstattete der Geschädigte Strafanzeige.

Hartdrogenabhängig

Der Angeklagte ist selbst seit vielen Jahren hartdrogenabhängig, wird seit etwa einem halben Jahr im Rahmen eines Methadonprogramms substituiert und strebt eine Therapie an. Er gab an, dass sein minderjähriges Opfer mehrfach Drogen an seinen Neffen verkauft habe. Er sei sehr verärgert darüber gewesen, weil er aus eigener Erfahrung wisse, was Drogen anrichten. Er habe seinen Neffen schützen wollen. Daher habe er zum einen herausfinden wollen, ob der 17-jährige überhaupt noch mit Drogen handelt, zum anderen habe er ihm Angst einjagen wollen, damit er mit dem Dealen aufhöre. „Es tut mir im Herzen weh, wenn ich sehe, wie mein Neffe abstürzt, weil ich das selbst durchgemacht habe.“ Der Angeklagte unterstrich, dass er das Smartphone bereits am nächsten Tag über einen Dritten an den Besitzer zurückgegeben habe. Der Verteidiger verwies darauf, dass sein Mandant zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss von Methadon, Beruhigungsmitteln und Alkohol stand.

Der Geschädigte selbst konnte sich vor Gericht nicht mehr an alle Einzelheiten des Tatgeschehens erinnern. Er begründete dies damit, an jenem Tag selbst unter dem Einfluss von Drogen gestanden zu haben.

Die Staatsanwaltschaft, die in ihrem Plädoyer eine höhere Geldstrafe beantragt hatte, betonte: „Das Recht in die eigene Hand zu nehmen obliegt nicht dem Angeklagten, sondern einzig staatlichen Institutionen.“