Adamek spürt „good vibrations“ Professor am Campus Lingen erhält Preis für Schwingungsforschung

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Prof. Jürgen Adamek untersucht unter anderem Humanschwingungen. Foto: Wilfried RoggendorfProf. Jürgen Adamek untersucht unter anderem Humanschwingungen. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Seit 2015 forscht Prof. Jürgen Adamek am Campus Lingen zu Humanschwingungen. Für seine Arbeit soll er jetzt den Konrad-Albert-Schäfer-Innovationspreis erhalten.

„Good vibrations“, auf Deutsch gute Stimmung, herrschen nicht nur wegen des Preises bei Adamek. Man merkt ihm beim Besuch im Maschinenbaulabor auf dem Campus förmlich an, dass ihm seine Arbeit Spaß macht.

Messfahrten mit 27 Motorrädern

Dort forscht er unter anderem zu Vibrationen, die von Geräten ausgehen und auf den menschlichen Körper übertragen werden – zum Beispiel von Motorrädern. „2015 haben wir Messfahrten mit 27 Motorrädern unternommen. Mit Sensoren an den Lenkergriffen, dem Sitz und den Fußrasten haben wir untersucht, welchen Schwingungen der Fahrer dabei ausgesetzt ist.“ 2016 seien dann die Ergebnisse veröffentlicht worden.

Gesundheitliche Folgen

Die Forschungen von Adamek, der selber gerne Motorrad fährt, haben einen ernsten Hintergrund: Vibrationen könnten bei dauerhafter Einwirkung auf den Körper zu gesundheitlichen Folgen führen, sagt Adamek. „Dazu gehören Durchblutungsstörungen, Taubheitsgefühle, Unwohlsein und die Beeinträchtigung des Leistungsvermögens“, erläutert der Professor weiter.

Noch nicht im Bewusstsein angelangt

Schon seit 2006 müsse deshalb die jüngste EU-Richtlinie zu Schwingungen für die berufliche Nutzung von Geräten umgesetzt werden. „Das ist Bestandteil von Arbeitsschutz und -sicherheit“, erläutert Adamek. Doch bei vielen sei dies noch nicht so richtig im Bewusstsein angelangt. „Früher hat kaum jemand einen Gehörschutz getragen. Heute ist der bei Bedienung lauter Maschinen die Regel“, sagt Adamek. Er hofft, dass es bei Vibrationen eine ähnliche Entwicklung in der Arbeitswelt gibt.

Neues lernen müssen

Der Professor holt einen neuen Akkuschrauber nebst dessen Bedienungsanleitung aus dem Schrank: „Vibration 1,03 Meter/Sekunde2“ ist darin zu lesen. Der Hersteller sei der gesetzlichen Verpflichtung zur Angabe des Wertes nachgekommen. „Doch wer kann mit diesem Wert wirklich etwas anfangen?“, fragt Adamek kritisch. Er fordert von Verantwortlichen in den Unternehmen: „Wenn man im Arbeitsschutz Neues lernen muss, dann ist das halt so.“ Was seinen Akkuschrauber angeht, hat Adamek keine Sorgen. „Der Grenzwert für eine achtstündige Belastung mit Hand-Arm-Schwingungen liegt bei 5 Meter/Sekunde2“,versichert er.

Unternehmen aus der Region profitieren

Von den Forschungen Adameks und seines Teams haben auch schon mehrere Unternehmen aus der Region profitiert, die Maschinen herstellen. Deren Schwingungen haben die Forscher des Campus Lingen gemessen. „Besonders lustig war es, morgens um 6 Uhr, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, die Vibrationen einer Fräse zu messen, die einen Teil des Straßenbelags der B70 abgefräst hat“, erinnert sich Adamek mit dem ihm eigenen Humor. Die nur knapp spielwürfelgroßen Sensoren, ein einziger koste rund 2000 Euro, am Bedienstand der Maschine anzubringen, sei unter diesen Bedingungen nicht ganz so leicht gewesen.

Forschungen gehen weiter

Neben der praktischen Anwendung für Unternehmen in der Region forscht Adamek auch in Sachen Motorrad weiter: „Wir untersuchen, wie man die Lenkergriffe mit einfachen Mitteln so verändern kann, dass sich die Vibrationen verringern.“ Denn bei den Forschungen 2015 hätten 83 Prozent von 217 befragten Motorradfahrern angegeben, körperliche Auswirkungen der Vibrationen ihres Gefährts zu spüren. Wovon zwei Drittel diese als nicht oder wenig störend eingestuft hätten. Es scheint, als ob Motorradfahrer die Schwingungen ihrer Maschine geradezu spüren wollen. Dies gilt sicherlich auch für Adamek, der „good vibrations“ empfinden wird, wenn er in der kommenden Motorradsaison auf seinem „Bock“ durch die Lande fährt.


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