Wintering und Ortsrat sauer Markant geschlossen: Wie geht es in Holthausen-Biene weiter?

Von Julia Mausch

Seit März ist der Markant-Markt in Holthausen-Biene geschlossen. Der einzige Supermarkt im Ort. Foto: Julia MauschSeit März ist der Markant-Markt in Holthausen-Biene geschlossen. Der einzige Supermarkt im Ort. Foto: Julia Mausch

Lingen. Seit März ist der Markant in Holthausen-Biene geschlossen. Der einzige Supermarkt im Ort. Wie es weiter geht, ist unklar. Einen neuen Pächter gibt es nicht. Unzumutbar finden nicht nur die Einwohner diesen Zustand, sondern auch die Vertreter der Politik.

Es ist Freitagmittag. Auf dem Marktplatz oder „Am Treffpunkt“, wie die Straße in Holthausen-Biene heißt, herrscht Stille. „Unglaublich, wie leer es hier ist“, sagt Ortsbürgermeister Uwe Dietrich. Er sitzt im Café Wintering, in dem Gebäude, in dem einst auch der Markant beheimatet war. Vor ihm sitzt Café-Inhaber Manuel Wintering und blättert in einem Aktenordner. Es sind Schreiben zwischen ihm und der Bünting-Gruppe, zu der die Marke Markant gehört. An den Handelskonzern aus Leer hat Wintering das Gebäude vermietet.

„Gespräche mit mehreren potenziellen Nachfolgern“

17 Jahre hatte Bünting die Fläche wiederum an Einzelhändler Björn Dohle verpachtet, der dort einen Markant betrieb. Mitte vergangenen Jahres wollte Dohle den Markant in einen Edeka-Markt umwandeln, weniger zur Freude von Bünting. Dohle kündigte das Mietverhältnis, seit Ende Februar sind die Türen des Supermarktes in Holthausen-Biene geschlossen.

Wie es weiter geht, ist unklar. Einen neuen Markant-Betreiber gibt es derzeit nicht, bestätigt die Bünting-Gruppe auf Nachfrage dieser Zeitung, jedoch „Gespräche mit mehreren potenziellen Nachfolgern“.

Symbolfoto: Benjamin Havermann

Der Markt sollte vergrößert werden

Uwe Dietrich und Manuel Wintering sind über diese Aussage mehr als unzufrieden, denn ein Nachfolger wurde dem Ortsrat und der Wirtschaftsförderung der Stadt Lingen bereits Ende vergangenen Jahres von der Bünting-Gruppe genannt. Sogar von Umbaumaßnahmen war die Rede: Der Markt sollte vergrößert werden, womöglich sogar ein Getränkemarkt angegliedert werden. Wintering war positiv gestimmt, denn er selbst wollte ebenfalls sein Café modernisieren. Die Freude hielt nicht lange, denn im Januar erfuhr er, dass es doch keinen Nachfolger gibt, sagt Wintering.

30 Prozent Einbußen

Das Ladenlokal ist leer und auch Winterings Umbaupläne liegen somit auf Eis. 300.000 Euro in das Café zu investieren, mache derzeit keinen Sinn. Hinzu kommt, dass er seit der Schließung des Marktes in seinem Café im Ort Umsatzeinbußen von rund 30 Prozent verzeichnet. Damit steht er nicht alleine da, wie es im Gespräch mit Margret Saat, Inhaberin des Modetreffs, deutlich wird. Vor allem mittwochs, wenn die Ärzte komplett und die Apotheke ab Mittag geschlossen haben, komme kaum mehr jemand zum Einkaufen.

„Emotionale Bindung“

Dass in den Supermarkt bald ein neuer Einzelhändler einzieht, daran hat Manuel Wintering – trotz Mieteinahmen der Bünting-Gruppe – nicht nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht Interesse, sondern „vor allem durch die emotionale Bindung an den Ort“, sagt der gebürtige Biener, der mit Blick auf die Einwohner, die nicht mobil sind, in seinem Café neuerdings eine Auswahl an Lebensmitteln wie Milch bereithält.

„Es muss eine Lösung her“, sagt Wintering, der seine Kontakte hat spielen lassen, und seiner Aussage nach der Bünting-Gruppe Namen von potenziellen Nachfolgern genannt hat. „Bünting ist am Zuge“, betont er. Das Mietverhältnis, das bis Oktober 2019 läuft, zu kündigen, das könne er nicht, aber er wäre bereit, das Mietverhältnis vorzeitig zu beenden, „wenn es eine Lösung ist“.

Werbung von Busunternehmen sorgt für Ärger

Für Ärger sorgt bei Wintering und dem Ortsrat derzeit aber nicht nur die unklare Zukunft des Supermarktes, sondern auch ein heimisches Busunternehmen. „Einkaufen fast im Stundentakt“, steht auf den Flyern des Omnibusbetriebes Bittner, die seit einigen Wochen im Ortsteil Holthausen-Biene verteilt werden. Hingewiesen wird dort auf die Linie 900, die von Holthausen-Biene Haltestellen in Geeste und Dalum anfährt, wo sich Supermärkte wie Combi, Rossmann, Netto, Aldi und Raiffeisenmarkt befinden.

Werbung von Busunternehmen sorgt für Ärger. Symbolfoto: dpa

Buslinie 900 gibt es bereits seit Mitte 2015

Eine kluge Werbeaktion des ortsansässigen Unternehmens, die aber einen bitteren Beigeschmack bei Manuel Wintering hinterlässt. Auch der Ortsrat sieht die Werbeaktion kritisch: „Das hilft uns derzeit gar nicht weiter“, sagt Ortsbürgermeister Uwe Dietrich. Zum einen sei auch die Bünting-Gruppe auf die Flyer aufmerksam geworden, die befürchtet, dass durch die Werbeaktion Kaufkraft im Ort verloren geht. Zum anderen gebe es die Linie bereits seit mehr als zwei Jahren und nicht erst seit der Schließung des Markant-Marktes. Bärbel Linkewitz-Bittner, Geschäftsführerin des Omnibusbetriebes, bestätigt auf Nachfrage der Redaktion, dass es die Buslinie 900 bereits seit Mitte 2015 gibt. Diese werde zwar auf den Flyern beworben, doch dass diese „neu“ ist, stehe dort nicht geschrieben. Stattdessen ist wörtlich zu lesen: „Jetzt neu auf der Linie 900 – Haltestelle Dalum/Einkaufszentrum.“

Fußweg war zu weit

Das sei Fakt, betont Bärbel Linkewitz-Bittner. Bisher habe die Linie 900 in Dalum nur den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) angefahren. Ihren Angaben nach liegt der ZOB aber relativ weit vom Einkaufszentrum am Ortseingang entfernt. Deswegen gebe es nun die neue Haltestelle. „Das hat nichts mit der Schließung des Markantes zu tun, die Idee dafür hat es bereits gegeben, als das alles noch nicht bekannt war“, sagt die Geschäftsführerin.

Signifikant hohe Fahrgastzahlen habe das Unternehmen seit der Schließung des Marktes in Holthausen-Biene nicht festgestellt, so Linkewitz-Bittner: „Wir haben aber auch noch keine Erhebung gemacht.“