Hühnerkot statt Maissilage Stadt Lingen lehnt Biogasanlageerweiterung ab

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Mehr Biogas aus weniger Maissilage, dafür aber aus Hühnerkot möchte der Betreiber der Anlage an der Weseler Straße in Lingen-Bramsche künftig nutzen. Die Stadt Lingen wird dem Vorhaben nach derzeitigem Stand nicht zustimmen.Symbolfoto: Jan Woitas/dpaMehr Biogas aus weniger Maissilage, dafür aber aus Hühnerkot möchte der Betreiber der Anlage an der Weseler Straße in Lingen-Bramsche künftig nutzen. Die Stadt Lingen wird dem Vorhaben nach derzeitigem Stand nicht zustimmen.Symbolfoto: Jan Woitas/dpa

Lingen. Die Stadt Lingen wird der geplanten Erweiterung der Biogasanlage Bernhard Timmer an der Weseler Straße im Lingener Ortsteil Bramsche aufgrund der derzeit vorliegenden Datenlage nicht zustimmen. Dies erklärte Stadtbaurat Lothar Schreinemacher auf der jüngsten Sitzung des Planungs- und Bauausschusses des Lingener Stadtrates.

Hintergrund ist, dass der Betreiber die Kapazität der Biogasanlage von derzeit 1,047 Millionen Normkubikmeter Biogas pro Jahr auf 1,79 Millionen Kubikmeter erweitern möchte. Zudem soll die Anlage künftig mit weniger Maissilage, dafür aber mit mehr Rindermist, Schweinegülle und vor allem Hähnchen- und Legehennenmist betrieben werden.

Hühnermist muss behandelt werden

Um Hühnermist für die Biogasproduktion aber überhaupt sinnvoll einsetzen zu können, muss nach Angaben des Stadtbaurates zuvor der hohe Stickstoffgehalt reduziert werden. Aus diesem Grund möchte der Betreiber der Anlage die sogenannte Ductor-Fermentationstechnologie einsetzen und dafür in die notwendige Anpassung und Erweiterung der Anlage investieren.

Notwendig zum Einsatz dieser Technik ist laut der Vorlage der Verwaltung neben technischen Anpassungen unter anderem der Bau eines weiteren (Ductor-)Fermenters, mehrerer Tanks für Ammoniumsulfat, Natronlauge und Schwefelsäure sowie einer Halle zur Lagerung der Gärreste.

„Technik nicht bewertet“

„Den Einsatz dieser neuen Technik haben wir für unsere Stellungnahme zu diesem Bauprojekt aber nicht bewertet“, erklärte der Stadtbaurat. Die Prüfung durch die Stadt Lingen bezieht sich laut Schreinemacher auf die Vereinbarkeit des Vorhabens mit den planungsrechtlichen Rahmenbedingungen: „Der Flächennutzungsplan stellt für den Standort an der Weseler Straße ,Flächen für die Landwirtschaft‘ dar; ein Bebauungsplan existiert nicht.“ Und die Voraussetzungen für eine notwendige Privilegierung der Anlage seien nicht komplett erfüllt. So muss die Biomasse überwiegend aus dem Betrieb oder überwiegend aus diesem und aus nahe gelegenen Betrieben stammen, „dies ist nach den uns vorliegenden Daten nicht erfüllt. Weiterhin ist das Verwertungskonzept für die Gärreste noch nicht abschließend geregelt. Die Verwaltung wird im Verfahren daher eine negative Stellungnahme zu der beantragten Änderung und Erweiterung der Biogasanlage abgeben“, erklärte Schreinemacher.

Jährlich 3750 Tonnen Mais

Nach Verwaltungsangaben wird die Anlage aktuell mit jährlich 3750 Tonnen Mais-, 690 Tonnen Pflanzensilage und 1000 Tonnen Kuhmist betrieben. Künftig sollten es 800 Tonnen Mais, 1800 Tonnen Kuh-, 8000 Tonnen Hühnermist und 340 Tonnen Schweinegülle sein, dazu 180 Tonnen Natronlauge und 778 Tonnen Schwefelsäure.

Laut dem Stadtbaurat müsste für eine Realisierung nun eine Bebauungsplanänderung beantragt und zum Beispiel ein „Sondergebiet Biogasanlage“ eingerichtet werden.


Wenn aus Gärrest verwertbarer Dung wird...

Die Ductor®-Fermentationstechnologie verhindert beim Gärprozess – der Umwandlung organischer Stoffe in Säure, Gase oder Alkohol – in Biogasanlagen die Hemmung des Prozesses durch Ammonium. Dies wird vor der eigentlichen Biogasfermentation durch Stickstoffentfernung erreicht. Durch diesen patentierten mikrobiologischen Prozess wird der Gärrest zum verwertbaren Dung umgewandelt. -vb- Quelle: Ductor

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