Rauschende Revue: „Zeitlos“ Chorwerkstatt mit Konzert-Triple im Theater Lingen

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Lingen. „Wo ist die Zeit geblieben?“, das wird nach über drei Stunden mancher der insgesamt mehr als 2000 Zuschauer gedacht haben, die staunend und begeistert eine der drei ausverkauften Shows der Lingener Chorwerkstatt im Theater an der Wilhelmshöhe genossen haben.

„Zeitlos“ war das Programm überschrieben, und bei der kurzweiligen Reise durch fast 70 Jahre Popkultur feierten gut 80 Mitwirkende aus drei Generationen unter der bewährten Leitung von Dieter Krone mit ihren Fans eine ausgedehnte Revue für alle Sinne.

„Jetzt haben wir den Schlamassel: ein unbegrüßtes Publikum“, stellten Mechthild Schröers und Werner Giesen vom Chorvorstand in ihrem geistreichen Dialog weit nach Konzertbeginn fest, um dann über die Verjüngung und den damit eingezogenen Stilwandel zu klamüsern. Die alten Hasen und die jungen Hühner, ein zeitloses Thema. „Können wir nicht einmal ein ganz normaler Chor sein, mit Mappen und so?“ Nein, können sie nicht, denn Chorwerkstatt ist irgendwie anders. Choreografie (Svetlana Lorenz) und Klamotten (Jutta Behr und Kreativteam) spielten auch im aktuellen Werkstatt-Projekt eine ebenso große Rolle wie Arrangements, Gesang und die Begleitung durch die noch junge Band (Patrick Albers, Paula Bieker, Fabian Schulz und Dennis und Maik Buitmann).

Vom eigenen Repertoire berauscht

Unfassbar viele Ideen und Umsetzungsvorschläge dürften bei der monatelangen Vorbereitung eine Rolle gespielt haben und nochmal so viel Zeit für die Requisiten, die Sprech- und Singproben. Was hinter den etwa 40 Titeln steckte, die (wie „West Side Story“ oder „Maniac“) gar nicht alle Platz im Programmheft gefunden hatten, konnten die euphorischen Werkstattkunden nur erahnen. Angereichert durch Bildmaterial des Stadtarchivs und selbstgedrehte Clips (umwerfend: die Lingener Zauberwürfel-Kolonne), erweckte der musikalische Bogen von den Andrew Sisters bis zu Max Giesinger den Eindruck, die Chorwerkstatt sei berauscht von ihrem eigenen riesigen Repertoire. Hier hätte eine Auswahl vielleicht gut getan.

Starke Bühnenpräsenz

Mit starker Bühnenpräsenz und komplett auswendig gesungenen Stimmen konnte der Chor glänzen und mal einem detailverliebten Perfektionismus frönen („Bohemian Rhapsody“), mal ausgelassener Partystimmung (zum Beispiel bei vielen Medleys und „Boney M’s Greatest Hits“). Die größten Wow-Effekte gab es dort, wo Musik auf Spektakel traf („Babysitter Boogie“ oder „Skandal im Sperrbezirk“) und die Lightshow das Ganze dramatisch inszenierte (Rammstein), aber auch das Quartett mit E-Gitarre „Thinking Out Loud“ ließ aufhorchen.

Hohes Engagement

Vorsitzender Andreas Belle dankte allen auf und hinter der Bühne und würdigte das hohe Engagement der Steuerungsgruppe und des Chorleiters, der nebenbei dem Wohl der Stadt verpflichtet sei, bevor der Song „80 Millionen“ den Saal beben ließ. Als Dieter Krone nach der Premiere um 23.14 Uhr die zweite Zugabe („Ein Kompliment“) ankündigte, war klar, dass die Chorwerkstatt noch lange nicht Feierabend macht. Lingen wird’s freuen.


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