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Blockade auf dem Hochseil Polizei beendet Protestaktion bei Brennelementehersteller in Lingen friedlich

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Lingen. Neun Umweltaktivisten haben am Donnerstagmorgen die Zufahrt zum Brennelementewerk des französischen Energiekonzerns Areva in Lingen mehrere Stunden lang blockiert, bevor die Polizei die Aktion beendet hat.

Als Beamte Cécile Lecomte um 12.15 Uhr zu einem Streifenwagen führen, lächelt die gebürtige Französin zufrieden. Seit 7 Uhr hat die in Lüneburg lebende 30-jährige Bergsteigerin mit zwei weiteren Demonstranten, angeseilt in mehreren Metern Höhe, verhindert, dass Lkw die Straße befahren können.

Am Boden ist die Blockade der Straße rasch beendet. Die teilweise an Gitterkörbe angeketteten sechs weiteren Aktivisten werden von Kräften der Polizeiinspektion Emsland Grafschaft/Bentheim losgeschnitten und von der Straße getragen. Zwei Stunden nach Beginn der Blockade ist für Pkw der Weg wieder frei.

Polizisten und Aktivisten warten derweil, wohl mit unterschiedlicher Erwartungshaltung, auf das Eintreffen von „HIT“, des Höheninterventionsteams vom Sondereinsatzkommando der Polizei aus Hannover. Und während unten die emsländischen Polizisten frieren, genießt Lecomte auf dem Seil einen heißen Tee aus ihrer Thermoskanne. Die ehemalige französische Jugendmeisterin im Sportklettern sei ein „Hochkaräter“ unter den Umweltaktivisten und „bei jedem Castor dabei“, sagt einer der wartenden Beamten.

„Was ist das denn für ein Atomausstieg, wenn jedes Jahr Brennelemente aus Lingen nach Frankreich geliefert werden?“, fragt Lecomte unterdessen. Zudem baue der französische Konzern im Ausland weiter Kernkraftwerke, begründet sie aus luftiger Höhe, warum sie die konsequente Schließung aller Atomanlagen und nicht nur der deutschen Kernkraftwerke fordert.

Als das „HIT“ eintrifft, begrüßt die Umweltaktivistin die Beamten schon fast freundlich. Man kennt sich von früheren Aktionen. Mithilfe eines Gabelstaplers von Areva gelangen die Beamten in die Höhe und können die Blockierer, die keinen Widerstand leisten, sicher zurück auf den Boden bringen.

„Ich richte meine Handlungen nicht nach Gesetzen, sondern nach meinem Gewissen“, hat sie kurz zuvor noch erklärt. Dabei bringe sie auf keinen Fall Menschen in Gefahr, betont sie.

Dies sieht Polizeisprecher Achim van Remmerden etwas anders. „Wir werden ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Nötigung einleiten“, sagt er. Nach Beendigung der Blockade würden die Aktivisten zur Identitätsfeststellung zur Dienststelle gebracht und dann freigelassen. Dass dies stimmt, wird deutlich, als die ersten bereits morgens von der Straße getragenen Aktivisten wieder vor Ort erscheinen und ihre Autos abholen. Aus Sicht der Polizei ist der Einsatz sehr gut gelaufen. „Es gab keine Verletzten“, versichert van Remmerden.

Ob den Aktivisten auch Forderungen seitens Areva ins Haus stehen, ist noch offen. „Wir werden das prüfen“, sagt Betriebsleiter Andreas Hoff. Obwohl die Zufahrt zum Werksgelände behindert werde, sei die Beeinträchtigung der Produktion gering. „Jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern. Wie er das macht, muss jeder selber wissen“, möchte Hoff keine weitere Stellungnahme zu der Aktion abgeben.


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