Abgeordnete im Gespräch De Ridder: Gräben in der SPD nicht vor Ort entstanden“

Von Mike Röser und Sven Lampe

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Die Bundestagsabgeordnete Daniela De Ridder (SPD) im Gespräch mit der Lingener Tagespost. Foto: Julia MauschDie Bundestagsabgeordnete Daniela De Ridder (SPD) im Gespräch mit der Lingener Tagespost. Foto: Julia Mausch

mir/slx Lingen. Die regionale Bundestagsabgeordnete Daniela De Ridder sieht Gräben innerhalb der SPD, die im Zuge der Groko-Verhandlungen aufgeworfen wurden – „die sind allerdings nicht vor Ort entstanden“.

Die Probleme liegen laut der SPD-Politikerin, die ihren Wahlkreis im südlichen Emsland und der Grafschaft Bentheim hat, vielmehr begründet in dem allgemeinen Trend „Die da oben, wir hier unten“. Die Gräben seien auch ein Problem der Wahrnehmung, wie sich sozialdemokratische Politik darstelle, so De Ridder in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

„Politik von Angesicht zu Angesicht wichtig“

Große Hoffnung legt die Abgeordnete daher auf eine notwendige Erneuerung der Partei. Statt virtueller Politik müsse es wieder mehr Politik von Angesicht zu Angesicht an der Basis geben: „Wir müssen die Leute motivieren, zu unseren Veranstaltungen zu kommen.“ Inhaltlich müssten sich die Sozialdemokraten wieder stärker den Interessen der Menschen zuwenden. „Die Leute wollen, dass ihr Leben gut bleibt. Das heißt zum Beispiel Kitas, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Pflege und auch das Trinkwasser“, sagt sie. Darüber hinaus müsse man sich stärker die Unterschiede von Stadt und Land anschauen.

Befindlichkeiten als Problem erkannt

Probleme bereiten der SPD aus De Ridders Perspektive auch immer mal wieder aufkeimende Befindlichkeiten zwischen den einzelnen Führungsebenen der Partei vom Bund über das Land bis zum Bezirk. Beispielsweise habe sie eine Aktion des Lingener SPD-Fraktionsvorsitzenden Bernhard Bendick als „äußerst unglücklich“ wahrgenommen. Bendick hatte sich seinerzeit darüber mokiert, dass Ministerpräsident Stefan Weil sich bei einem Besuch Lingens anlässlich des IHK-Neujahrsempfangs nicht bei der Partei vor Ort gemeldet hatte. Andererseits sei Bendicks Verhalten auch „irgendwie verständlich“, so De Ridder: „Klar will auch jeder mit seiner Arbeit gesehen werden.“

„Alle Mitglieder gefordert

Bei der notwendigen Erneuerung der SPD seien alle Mitglieder gefordert, so De Ridder: „Die Motivation muss von der Basis ausgehen. Jeder vor Ort muss seine Aufgaben erledigen und nicht einfach Verantwortung abgeben.“ Es sei auch ihre Aufgabe, dies bewusst zu machen und zu vermitteln.

Zugleich müsse die SPD sich mit der Frage auseinandersetzen, was Parteiführung bedeutet: „Entscheidend ist, was die Parteivorsitzenden tun. Sie tragen eine große Verantwortung.“ Sollte die SPD – wie aktuell in Umfragen prognostiziert – in der Wählergunst noch weiter abrutschen, sieht De Ridder große Probleme auf die Partei zukommen. Denn je weniger Wählerstimmen eine Partei erhält, desto weniger Geld bekommt sie auch. Mit denkbaren Auswirkungen auf die Organisationsstruktur vor Ort: „Da bricht dann alles weg.“ Und je weniger SPD-Abgeordnete es gebe, desto schlechter könne die Arbeit vor Ort gewährleistet werden. Seit der Bundestagswahl betreue sie auch den Nachbarwahlkreis Unterems mit. Dort war Markus Paschke gescheitert. Insgesamt gebe es in der Region nur noch drei SPD-Bundestagsabgeordnete. Das sei langfristig ein Problem, meint De Ridder: „Mir ist schleierhaft, wie das auf Dauer gehen soll.“

Freude über Hubertus Heil als Minister

Zufrieden ist De Ridder zumindest mit der Besetzung des Kabinetts aus niedersächsischer Sicht: „Ich freue mich sehr, dass Hubertus Heil Minister für Arbeit und Soziales wird – aus der engen Zusammenarbeit im Bildungsausschuss weiß ich um seine außerordentlichen Kompetenzen, die er jetzt hervorragend in das neue Aufgabenfeld einbringen wird.“


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