Im öffentlichen Teil des Sozialausschusses Ex-Mitarbeiter erheben Vorwürfe gegen Alloheim in Lingen

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Die Alten- und Pflegeeinrichtung Alloheim in Lingen steht in der Kritik. Foto: Wilfried RoggendorfDie Alten- und Pflegeeinrichtung Alloheim in Lingen steht in der Kritik. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. In der öffentlichen Sitzung des Lingener Sozialausschusses haben Angehörige von Bewohnern und ehemalige Mitarbeiter der Alten- und Pflegeeinrichtung teils heftige Vorwürfe zur Situation im Alloheim an der Scharnhorststraße erhoben.

„Ich sollte sechs Wochen Einarbeitung bekommen. Nach nur einem Tag war ich alleine für 26 Bewohner und zusätzlich für die lediglich mit einer Helferin besetzte Demenzstation verantwortlich.“ So beschrieb eine Krankenschwester, die während der Ausschusssitzung sagte, dass sie 2017 vier Monate im Alloheim gearbeitet habe, die personelle Situation dort. Übergaben beim Schichtwechsel hätten ihren Ausführungen zufolge im Stehen stattgefunden und Informationen über Krankheiten einzelner Bewohner seien nicht weitergegeben worden. „Eine Einweisung in das PC-Programm, wo ich mich über den aktuellen Stand hätte informieren können, habe ich nicht erhalten“, erklärte die Frau. Ansprechpartner, um auf diese Mängel aufmerksam zu machen, habe es nicht gegeben. Alleine in den vier Monaten, die sie dort gearbeitet habe, hätten fünf Schwestern wegen der Arbeitsbedingungen im Alloheim gekündigt.

Mitarbeiterin: Als Wohnbereichsleiterin abgesägt

Eine andere Krankenschwester erklärte, sie sei im Alloheim mit der Leitung eines Wohnbereichs beauftragt gewesen. Ein Jahr lang habe sie dort gearbeitet. „Als ich Missstände dort aufgedeckt und angesprochen habe, wurde ich gemobbt und als Wohnbereichsleiterin abgesägt“, sagte sie. „Ich konnte moralisch nicht mehr vertreten, was dort passiert“, begründete die Krankenschwester unter Tränen im Sozialausschuss, warum sie beim Alloheim gekündigt habe.

Ruping: Systematische Ausbeutung

Bernd Ruping, dessen Mutter bis vor Kurzem ebenfalls im Alloheim gewohnt hat, und seine Frau Eva-Maria wiederholten im öffentlichen Teil des Ausschusses Vorwürfe, die sie bereits im Februar im Gespräch mit unserer Redaktion erhoben hatten. Für 45 Bewohner habe es lediglich zwei Pflegekräfte gegeben. „Der Mangel wurde mit Leiharbeitern kompensiert“, behauptete Ruping. Es habe teilweise keine Übergabeprotokolle gegeben, sagte er weiter. Ruping sprach von einer „systematischen Ausbeutung“ des Pflegepersonals im Lingener Alloheim. Viele hätten dort gekündigt. „Beim Alloheim handelt es sich um ein börsennotiertes Unternehmen, dem die Rendite der Anleger wichtig ist. Dies ist das Problem“, erklärte seine Ehefrau.

Alloheim weist Vorwürfe zurück

Eine Sprecherin der Alloheim-Gruppe hatte auf Nachfrage unserer Redaktion bereits im Februar diese und weitere Vorwürfe, die ehemalige Mitarbeiter geäußert hatten, in einer schriftlichen Stellungnahme als haltlos zurückgewiesen.

Einwohnerin: Es liegt nicht am Personal

Doch es gab während der Sitzung des Sozialausschusses nicht nur Kritik am Alloheim. „Meine Mutter wohnt dort und ist noch beweglich. Sie kommt dort gut zurecht“, erklärte eine andere Frau in der Einwohnerfragestunde des Lingener Sozialausschusses. Eine weitere Einwohnerin sagte, dass zwei ihrer Angehörigen im Alloheim leben würden: „Der eine ist zufrieden, der andere nicht – und ich sehe, dass beide recht haben.“ Sie ziehe den Hut vor jedem, der dort noch arbeite. Es liege nicht am Personal, falls es Mängel gäbe, betonte die Frau.

Beratung erfolgt nicht-öffentlich

Monika Schwegmann, Sozialdezernentin der Stadt Lingen, bedankte sich bei den Einwohnern für deren Erklärungen. Sie verwies darauf, dass die Verwaltung aus Datenschutzgründen nur in der nachfolgenden nicht-öffentlichen Sitzung des Sozialausschusses die Vertreter der Politik über Einzelheiten informieren und mit diesen beraten dürfe. Sie wünsche sich weitere Gespräche „im geschützten Raum“. Auch Ratsherr Günter Reppien (CDU) betonte, dass der Ausschuss über die Probleme nicht-öffentlich beraten werde, und betonte an die Einwohner gewandt: „Gehen Sie bitte nicht hier weg und glauben, wir hätten ihre Anmerkungen nicht wahrgenommen.“


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